Paul Beha kommt aus Obereschach, und wie die meisten ist er dem Virus „Oldtimer“ schon seit vielen Jahren verfallen. So nennt er auch mehr als ein Fahrzeug sein eigen, die er allesamt selbst über die Jahre restauriert hat und liebevoll pflegt.

Ford, Baujahr 1931

Zur Villingen Historic 2019 hat er dieses Mal sein Ford Modell A, Baujahr 1931 mit gebracht. Dieses Auto steht ja für den Beginn der Automobilen Massenproduktion. Und wie sein Schöpfer Henry Ford zu sagen pflegte, „bei uns kann man jede Farbe bekommen, so lange sie Schwarz ist“. Später wurde dann das Marketing doch wichtiger und so kamen nach und nach auch andere Farben hinzu.

Alles muss passen

„Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig sich im Grunde genommen an der Basis-Technik geändert hat“, erklärt er. Benzin-Motoren, Getriebe, Lenkung – alles mehr oder weniger genau wie heute auch noch. Das dürfte aber eine leichte Untertreibung sein. Denn beim Starten des Motors kommt es auf jedes Detail an, Gemisch und Zündeinstellung müssen passen, sonst läuft er nicht.

Servolenkung: Fehlanzeige

Auch hat der Oldie weder Servo-Lenkung noch synchronisiertes Getriebe. Beim Schalten will Zwischengas und Zwischenkupplung gekonnt und richtig dosiert gegeben werden. Seit 2013 hat Beha den Ford bereits in seinem Besitz und im Stich gelassen hat er ihn seit dem noch nie. Auch die Ersatzteilversorgung ist bei diesem Modell kein Problem. Zum einen wurden diese Fahrzeuge millionenfach gebaut und zum anderen werden besonders kritische oder seltene Teile heutzutage wieder neu produziert.

Harald Langenbacher: Ähnlich liegt der Fall auch bei Harald Langenbachers VW T1, dem legendären „Samba“ Bus, wie er in der Nachkriegszeit noch bis 1967 in Wolfsburg produziert wurde.

Video: Hans-Jürgen Götz

„Schon als Kind war ich in den VW-Bus verliebt und als Teenager war es dann auch das Fahrzeug, wo es auch um Liebe ging“ sagt er schmunzelnd. Nicht zuletzt deshalb wurde dieses Fahrzeug ja auch zum Symbol der sogenannten Flower Power Generation.

Von der Schweiz nach Pfaffenweiler

Langenbacher besitzt seinen 65er T1 seit 2001. Bevor er nach Pfaffenweiler kam, schob der Bus aber Dienst in der Schweizer Armee, denn auch die wusste seine Zuverlässigkeit zu schätzen. Sein luftgekühlter und robuster Vier-Zylinder-Boxermotor leistet stolze 44 PS.

Villingen Historic 2019.
Villingen Historic 2019. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Aber mit seinen acht Personen an Bord hat er dann auf der Fahrt im Schwarzwald dann doch seine Mühen. Teilweise muss Langenbacher in den ersten Gang herunterschalten, um alle Hügel meistern zu können. Dafür wird der Samba den Rest des Jahres geschont. „Mehr als 300 Kilometer fahre ich damit kaum pro Jahr und wenn, dann nur bei schönem Wetter“, erklärt er.

Ohne Klimaanlage

Auch dieses Fahrzeug hat weder Servolenkung noch Klimaanlage. Dafür lässt sich das Faltdach öffnen und die Seitenfenster ausstellen. So lässt sich dann auch in diesem Oldtimer bei guter Durchlüftung die perfekte Rundumsicht genießen, denn die vielen extra Fenster im oberen Bereich kann sonst kein anderes Fahrzeug bieten.

Nicht weniger kultig sind die britischen Roadster. Franz Käfer aus Marbach hat seinen 62er Austin Healy 3000 MK II im Jahre 1991 ergattert. Eigentlich war er damals mit seinem Anhänger nach Frankfurt unterwegs, um Ersatzteile für seinen anderen Oldtimer, ein MG Cabrio zu kaufen.

Video: Hans-Jürgen Götz

Dort stand dann aber der etwas heruntergekommene Healy 3000 aus Arizona auf dem Hof, und da war es um ihn geschehen. Er hat nicht lange gefackelt und ihn gleich mitgenommen.

Verrückter Spontankauf

„Meine Frau wollte sich dann auch gleich von mir scheiden lassen, so verrückt fand sie diesen Spontankauf“, erinnert er sich. Die Ehe hat dennoch gehalten und Käfer hatte auch nur zwei Jahre gebraucht, um den edlen Roadster mit seiner drei Liter sechs-Zylinder-Maschine in seinen heutigen Zustand zu versetzen.

Musik in den Ohren

„Ich liebe es mit diesem Auto zu fahren“, gesteht er, während wir durch den Schwarzwald fahren, „der großvolumige Langhuber lässt sich in allem Drehzahlbereichen mühelos bewegen und der Klang der 132 PS starken Maschine ist einfach Musik in meinen Ohren“.

Video: Hans-Jürgen Götz

Und das genau ist es, was sie alle verbindet, die Fans und Besitzer dieser schönen Oldtimer. Die Freude an der Technik, die Erinnerung an die eigene Jugend, wo diese Fahrzeuge noch überall auf den Straßen fuhren und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten. Für sie gibt es kaum Schöneres, als den ganzen Tag das freudige Winken der anderen Autofahrer und Passanten entlang des Weges entgegenzunehmen und abends bei einem Glas Wein mit Freunden und Oldtimer-Experten fachzusimpeln, sich auszutauschen und neue Freundschaften zu knüpfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €