Alles ist anders in diesen Zeiten der Corona-Krise: Das Virus macht nirgendwo halt – auch nicht vor Kirchentüren. Daher wird die bereits angefertigte Altarverhüllung des Künstlers Axel Heil in der Klosterkirche St. Ursula nicht öffentlich zugänglich gemacht. Auch die Trauermetten in der Karwoche finden nicht statt. Die Kirche sollte an den nächsten zwei Sonntagen öffnen. Auch das wird nicht der Fall sein. Damit reagieren die Verantwortlichen auf die behördlichen Maßnahmen in Zusammenhang mit der Ausbreitung der schweren Lungenkrankheit. Möglicherweise wird die Altarverbergung nach Ostern noch in einem anderen liturgischen Zusammenhang präsentiert.

Die Installation von Axel Heil, eine moderne Form der Altarverbergung, die früher in der Karwoche üblich war, vom Altarraum aus gesehen. Die Vliese sollten an Karsamstag gewendet werden.
Die Installation von Axel Heil, eine moderne Form der Altarverbergung, die früher in der Karwoche üblich war, vom Altarraum aus gesehen. Die Vliese sollten an Karsamstag gewendet werden. | Bild: Hahne, Jochen

Bereits zum vierten Mal wollten die beiden St. Ursula-Lehrer Matthias Eschbach und Markus Kreutz zusammen mit Axel Heil die zwei Trauermetten in der Klosterkirche St. Ursula gestalten. Schon das erste gemeinsame Projekt 2017 – eine Kombination von Kunstinstallation, liturgische und musikalische Gestaltung – lockte viele Gläubige in die Barockkirche, ein sakrales Kleinod, das den größten Teil des Jahres für Besucher verschlossen ist. Die Wiederbelebung stieß auf eine enorme Resonanz, daher versuchten die Drei, das Vorhaben auch dieses Jahr umzusetzen.

Axel Heil ist für die Altarverhüllung zuständig. Zum vierten Mal macht er dies im Rahmen eines eigenen Kunstprojekts.
Axel Heil ist für die Altarverhüllung zuständig. Zum vierten Mal macht er dies im Rahmen eines eigenen Kunstprojekts. | Bild: Hahne, Jochen

Die Vorbereitung sind schon weit gediehen, seit Ende Februar hängt bereits die Altarverhüllung. Die Flyer sind bereits verschickt. Doch die Corona-Krise macht allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung. Nun bleibt die aufwändig hergestellte Verhüllung hinter verschlossenen Türen.

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Heil hat diese moderne Art der Verbergung auf Anregung von Markus Kreutz auch in Villingen wieder aufleben lassen. Sie geht ursprünglich auf die Fastentücher in der Karzeit zurück, mit denen anfangs Altar und Kruzifixe verhüllt wurden, um die Trauersituation der Christen um Karfreitag deutlich zu machen, wie Heil berichtet. In manchen Gemeinden gäbe es noch „uralte Tücher“. Auch im Freiburger Münster werde diese Form des Innehaltens noch praktiziert, sagt Kreutz.

Eigenes Kunstwerk

Dieses Mal verknüpfen Heil, Eschbach und Kreutz eine Stelle aus dem Johannesevangelium mit dem Projekt: „Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen“, heißt es dort nach der Kreuzigung Jesu von den Soldaten. Heil hat daraus das Kunstwerk „gewebt/zerteilt“ entwickelt. Drei Vliesstreifen verhüllen den Hochaltar, sie sind bemalt mit Linien und Pinselstrichen, in Acryl und Kreiden auf Papier mit Wachs gebügelt. Es entsteht ein Geflecht, in dem immer wieder die Kreuz-Symbolik aufgenommen wird. Heil nutzt zur künstlerischen Vermittlung die drei Farben Rot, Blau und Grün. Eigentlich hätte er Purpur nehmen müssen, die Farbe der Liturgie in der Karwoche, sagt er, doch aus künstlerischer Sicht nutzte er die drei Grundfarben, die für sich allerdings keine Symbolik widerspiegeln sollen, auch nicht auf die Flaggenfarben von Frankreich und Italien verweisen, zwei vom Coronavirus stark betroffene Länder.

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Auf dem bis Karfreitag dem Kirchenraum zugewandten Vlies ist eine zurückhaltende, triste Farbgebung zu erkennen. An Karsamstag hätte nach der ursprünglichen Planung die Bahnen gewendet werden sollen: Dann dominiert das „farbig Freudige“. Matthias Eschbach hätte für die musikalische Gestaltung Elemente der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach genutzt. Auch sie knüpft an den Evangelienbericht an.

Präsentation nach Ostern?

Derzeit überlegen Heil, Kreutz und Eschbach, ob sie die Kunstinstallation im Rahmen einer völlig anderen liturgischen Form, die losgelöst sein müsse von der Karwoche, wie Kreutz betont, nach den Osterferien präsentieren können. Darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, weil solch ein Projekt auch davon abhängt, wie die Kirche innerhalb der Schule genutzt werde.

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