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Wie ausgereift und sicher ist die noch relativ junge Technik?

Jörg Putschbach aus Pfaffenweiler ist 42-Jahre alt und hat in seinem Haus gleich vier Echo-Geräte von Amazon im Einsatz, sogar in den Kinderzimmern. Er schätzt die Vorteile als eine angenehme Erweiterung im Haus, die ihm den Alltag bequemer machen. „Obwohl Alexa lernfähig ist, kommt es manchmal zu Ungenauigkeiten. Befehle werden nicht richtig verstanden“, erzählt er. Unter dem Strich spielen für ihn diese Kinderkrankheiten aber keine Rolle, die Vorteile überwiegen. Als doch einmal Probleme aufgetaucht seien, habe ihm der Service schnell und kompetent geholfen.

In Sachen Sicherheit und Datenschutz hat Putschbach keine Bedenken. „Wir haben noch nie den Aus-Knopf gedrückt. Auch nachts sind die Geräte aktiv.“ Dann vor allem, um das Licht an und aus zu schalten, wenn man mal im Dunkeln aufstehen muss.

Ihm ist auch bewusst, dass gewisse Daten und Tonaufnahmen über die Geräte von Amazon gesammelt und ausgewertet werden. Für den Zweck der Produktverbesserung stellt das für ihn auch kein Problem dar. Dass private Gesprächsinhalte schon einmal zu Werbezwecken verwendet wurden, verneint er. Da sei ihm noch nie etwas aufgefallen.

Alle Sprachbefehle werden von Alexa auch protokolliert und sind über die Einstellungen abrufbar. „So kann ich kontrollieren, wie und wie häufig die Kinder die Geräte nutzen“, erklärt der 42-Jährige.

Jörg Putschbach steht in seinem Wohnzimmer neben einem der vier Echo-Sprachassistenten im Haus.
Jörg Putschbach steht in seinem Wohnzimmer neben einem der vier Echo-Sprachassistenten im Haus. | Bild: Fröhlich, Jens

Das sagen die Experten

Medienberichte über kuriose Fehlfunktionen und Sicherheitslücken bei Sprachassistenten gibt es viele. Nichts desto trotz nutzen heute bereits über 32 Prozent der Deutschen die Möglichkeiten von Sprachsteuerungen bei Smartphones und stationären Geräten.

„Wie bei allen anderen technischen Produkten, gibt es auch bei Sprachassistenten keine absolute Sicherheit“, erklären Rene Mangner und Verena Bauer von der Firma Gataca aus Villingen. Mangner ist Fachinformatiker und erzählt von mehreren Möglichkeiten, unerlaubt Zugriff auf solche Geräte zu erlangen und diese zu manipulieren, zum Beispiel einen auf das Mikrofon ausgerichteten Laser. Dafür würden sogar Anleitungen im Internet kursieren. Auch von Angriffen mit Schallwellen, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind, wurde schon berichtet. Unter dem Strich sei das Sicherheitsrisiko aber nicht höher als bei anderen Geräten, wie Computern, Laptops oder Smartphones. Von schädlicher Software, die sich über Erweiterungsprogramme (Skills) verbreiten könnten, habe er noch nie etwas gehört. Seiner Meinung nach könne das Risiko am ehesten durch die Verwendung von sicheren Passwörtern minimiert werden. Dabei sollten nicht nur die Alexa-Passwörter sicher sein, sondern vor allem auch der WLAN-Zugang. Mehrstufigen Sicherheitsabfragen könnten zusätzlichen Schutz bieten.

Mangner empfiehlt auch, so wenig wie möglich Zugangsdaten und Berechtigungen für andere Internetdienste in den Sprachassistenten zu hinterlegen. Das sei einerseits zwar bequem, berge aber auch Risiken, zum Beispiel bei Bankgeschäften. „Wenn jemand die Kontrolle über das Gerät bekommt, kann er über diese Zugangsdaten auch Zugriff auf das Konto erhalten“, gibt er zu bedenken.

Verena Bauer ist die Datenschutzexpertin bei Gataca und berät Kommunen und andere Firmen bei diesem Thema. Sie selbst nutzt privat ein Alexa-Gerät zuhause. „Vor allem, um Musik zu hören“, verrät sie. Ansonsten sei das Gerät ausgeschaltet. Das rät sie auch anderen Nutzern, die nicht wollen, dass Sprachassistenten immer mithören. Ihren Kunden empfiehlt sie den Einsatz dieser Geräte aber nicht, noch nicht. „So lange die Technik nicht vollständig ausgereift ist“, erklärt Bauer. Nichtsdestotrotz würden die Alltagshelfer immer häufiger auch Einzug in Unternehmen halten, für Konferenzen, Texterfassung und Terminplanung.

Sie rät allen Nutzern, in den Geräteeinstellungen entsprechende Einträge zu deaktivieren und alte Protokolle regelmäßig zu löschen. Nutzer sollten auch darauf achten, ihre den Geräten Stimme gründlich anzulernen, um mögliche Zugriffe anderer zu erschweren.

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Rene Mangner und Verena Bauer von der Villinger IT-Firma Gataca. | Bild: Fröhlich, Jens

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