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Geballter Unmut von Eltern und ihren Kindern schallte Oberbürgermeister Roth entgegen, als er gestern kurz vor 17 Uhr zur Sitzung des Verwaltungsausschusses eilte. Vor dem Matthäus-Hummel-Saal hatten sich rund 150 Kinder, Väter und Mütter mit Transparenten und Trillerpfeifen aufgebaut. Damit machten sie ihren Protest gegen die vom Stadtoberhaupt vorgeschlagene Erhöhung der Kindergartengebühren mit Nachdruck sicht- und vor allem hörbar.

Mit Trillerpfeifen und Transparenten zeigen Eltern und Kinder ihren Unmut.
Mit Trillerpfeifen und Transparenten zeigen Eltern und Kinder ihren Unmut. | Bild: Hans-Juergen Goetz

In seiner Haushaltsrede im Dezember vor dem Gemeinderat hatte der OB sein Ziel formuliert, die Elternbeiträge in mehreren Stufen soweit zu erhöhen, bis die Stadt, die Eltern und das Land jeweils ein Drittel der Kosten tragen. Seitens der Eltern wird befürchtet, dass dies für sie mit einer drastischen Erhöhung verbunden sein wird, die zu einer Überforderung vieler Familien mit kleineren Einkommen führen würde.

Ursula und Peter Metzner haben zwei Enkel in der Villinger Kikripp. Ihr Sohn arbeitet in Freiburg und die Schwiegertochter in Tuttlingen. „Bei der Neujahrsansprache hieß es noch, die Stadt ist gut aufgestellt und jetzt fehlen Millionen, wir fühlen uns belogen“.
Ursula und Peter Metzner haben zwei Enkel in der Villinger Kikripp. Ihr Sohn arbeitet in Freiburg und die Schwiegertochter in Tuttlingen. „Bei der Neujahrsansprache hieß es noch, die Stadt ist gut aufgestellt und jetzt fehlen Millionen, wir fühlen uns belogen“. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Demonstrantin Nicole Einig sagte gestern, Roth breche mit der Erhöhung sein Wahlkampfversprechen, sich für Familien einzusetzen. Sie hat ein Kind im Kindergarten und zahlt schon heute 185 Euro für die Halbtagsbetreuung. Sie selbst geht arbeiten. „Wenn die Erhöhung kommt, kann ich auch zuhause bleiben, dann lohnt sich das nicht mehr“, fürchtet sie. Manuel Seeger, Vater dreier kleiner Kinder, äußert Verständnis für die Kommune, die sehr hohe Kosten für die Kinderbetreuung tragen müsse. Was er aber nicht verstehen kann: „Warum fängt die kostenfreie Bildung bei uns erst für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr an?“ Die Stadt VS, so findet er, sollte ihre günstigen Kindergartengebühren nutzen, um ihr Image „als kinderfreundliche Stadt in den Vordergrund zu stellen“.

Protestierende Hausmänner. Florian Gerber (links) und Manuel Seeger finden es nicht gut, was der OB so plant.
Protestierende Hausmänner. Florian Gerber (links) und Manuel Seeger finden es nicht gut, was der OB so plant. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Als Stadtoberhaupt Jürgen Roth eintraf, schwoll das Konzert der Trillerpfeifen zum ohrenbetäubenden Lärm an. Der OB nahm die Proteste sportlich und stellte sich dem Gespräch. Er wurde umgehend von den Vorsitzenden des Gesamtelternbeirates Srdjan Zivkovic und Michael Osburg, die den Protest organisiert hatten, verbal in die Zange genommen. „Ich habe Sie gewählt, weil sie ein Super-Mensch sind“, sagte Osburg. Roths Vorschlag habe ihn daher tief getroffen. Er appellierte an den OB, seine Ankündigungen einfach fallen zu lassen und die Doppelstadt als familienfreundliche Stadt zu präsentieren.

Kita Eltern Streik vor dem Matthäus Hummel Saal in Villingen. OB Jürgen Roth in der Diskussion mit Srdjan Zivkovic (links) und Michael Osburg vom GEB.
Kita Eltern Streik vor dem Matthäus Hummel Saal in Villingen. OB Jürgen Roth in der Diskussion mit Srdjan Zivkovic (links) und Michael Osburg vom GEB. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Der OB blieb indes standhaft. Er verwies zu einen darauf, dass die Stadt im gesamten Landkreis die geringsten Kindergartengebühren erhebe. Eltern seien immer gegen eine Erhöhung. Und: Familienfreundlichkeit sei für ihn auch das gute und breitgefächerte Betreuungsangebot, das die Kommune anbiete. Die Stadt werde aber in diesem Bereich mit ständig steigenden Lohn- und Sachkosten konfrontiert. Insofern, betonte er, werde er im Gemeinderat, der die Entscheidung treffe, weiter für eine Erhöhung der Elternbeiträge werben.

Wie diese Erhöhung konkret aussieht, will die Stadtverwaltung erst in den nächsten Wochen und Monaten erarbeiten. Insofern bat Roth auch eine Mutter, die vier Kinder in den Tagesstätten der Stadt hat und sich um die finanzielle Belastung sorgt, diese Vorschläge erst einmal abzuwarten. „Vielleicht ist ja das vierte Kind dann gebührenfrei.“

Die Elternvertreter gingen allerdings nicht mehr leeren Händen. OB Roth sicherte zu, ihnen die Vorschläge der Stadt zur Gebührenerhöhung rechtzeitig vorzulegen. Dann hätte der Gesamtelternbeirat die Möglichkeit, dazu offiziell Stellung zu nehmen und Gegenvorschläge zu unterbreiten. Diese will er dann dem Gemeinderat zur Entscheidungsfindung vorlegen. Mit dieser Zusicherung und dem zur Schau gestellten Protest waren die Verantwortlichen dann auch zufrieden. „Uns ist es wichtig, dass der OB sieht, dass nicht nur ein paar Unruhestifter, sondern viele dagegen sind“, sagte Osburg.