Die Zukunft der Mobilität und der heimischen Autoindustrie: Verkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90 / Grüne) zu Gast in der Feintechnikschule in Villingen-Schwenningen.

Der Elektromobilität gehört die Zukunft – und überhaupt führt an einer umfassenden Verkehrswende, die auf eine Vielfalt von Verkehrsmitteln setzt, kein Weg vorbei: Diese Überzeugung vertrat Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90 / Grüne) am Dienstagabend bei einer Vortragsveranstaltung in der Feintechnikschule in VS-Schwenningen mit Nachdruck.

Warum überhaupt jetzt der Umstieg auf Elektromobilität notwendig sei, machte Hermann an internationalen Verpflichtungen wie dem Klimaschutzabkommen, aber auch am Wandel in anderen Ländern fest. Staaten wie Norwegen, Frankreich, Großbritannien hätten sich Zielmarken für den völligen Ausstieg aus der Verbrennertechnologie in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren gesetzt. China fördere massiv Elektroautos vor allem aus eigener Produktion. Verbrennungsmotoren mit fossilen Treibstoffen seien also weder nachhaltig noch zukunftsträchtig.

 

Neue Technologien müssen aktiv gefördert werden

 

Deshalb müssten sich die deutschen Autohersteller und ihre Zulieferer aktiv den neuen Technologien zuwenden, damit sie wie bisher einen großen Teil zur Wertschöpfung und zum Wohlstand des Landes beitragen könnten. Die Politik müsse finanzielle und rechtliche Anreize für Wirtschaft und Wissenschaft setzen, um den Wandel voranzutreiben. Als mahnendes Beispiel nannte der Minister das Schicksal der Uhrenindustrie in der Region, die seinerzeit die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe. Heute seien die meisten entsprechenden Arbeitsplätze längst weg, man fertige hier noch für eine kleine Kundschaft, aber das Massengeschäft machten andere. „Wer da nicht aufpasst, geht unter.“ Und wer jetzt noch den Diesel verteidige, verlagere die Probleme nur kurzfristig in die Zukunft.

Obendrein wolle das Land die Eisenbahnstrecken so weit wie möglich für elektrischen Betrieb ausrüsten. Auch für Busse und Lastwagen brauche es umweltfreundliche Antriebe per Batterie, per Oberleitung oder auch per Brennstoffzelle. Wobei es ein „kapitaler Fehler“ sei, dass etwa Bosch aus der Batterietechnologie ausgestiegen sei. Doch man dürfe die Zukunft der Mobilität nicht nur am Elektromotor festmachen. Die dominierende Rolle des motorisierten Individualverkehrs mit fast 80 Prozent Anteil am Verkehrsgeschehen sei nicht länger vertretbar.

Um das zu ändern, müsse Mobilität viel umfassender betrachtet werden, müsse der Verbund von Bussen und Bahnen, von Radfahren (auch mit Elektrorädern) und zu Fuß gehen sowie von Modellen wie Leihautos und Fahrgemeinschaften effizienter und vielfältiger werden, so Hermann. Da gelte es, „geistige Blockaden zu überwinden“. Ein gutes Beispiel dafür sei die Überlegung, Villingen und Schwenningen per Seilbahn zu verbinden: „Wir kennen das bisher nur aus den Alpen und denken, das sei nur was für Bergsteiger und Skifahrer“, sagte der Minister, „aber eigentlich ist die Seilbahn ein Massentransportmittel“, und zwar eines mit vielen Vorzügen. Es sei absolut sinnvoll, seinen Einsatz auch hierzulande zu prüfen.