Das Villinger Feuerwehrhaus ist zu klein und zu alt. Darüber sind sich eigentlich alle einig. Der Gemeinderat hat bereits eine Standortsuche für einen Neubau auf den Weg gebracht. Doch das kann dauern. Passende, innenstadtnahe Grundstücke sind Mangelware.

Besserung in Sicht: Viele der Spinde, an denen sich die Feuerwehrleute umziehen, sollen in einen neuen Raum umziehen und so Platz für Fahrzeuge schaffen.
Besserung in Sicht: Viele der Spinde, an denen sich die Feuerwehrleute umziehen, sollen in einen neuen Raum umziehen und so Platz für Fahrzeuge schaffen. | Bild: Fröhlich, Jens

Mögliche Konflikte mit Anwohnern in Wohngebieten und andere Nutzungspläne der Stadt für freie Flächen schränken die Suche weiter ein. "In meiner noch knapp vier Jahren dauernden Amtszeit als Abteilungskommandant wird daraus nichts mehr", da ist sich Ralf Hofmann sicher, der das Amt als Gesamtkommandant übergangsweise übernommen hat. Der SÜDKURIER hat sich ein Bild von der Situation gemacht.

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Geschichte

Gebaut wurde das Haus in der Kronengasse Anfang der 60er-Jahre. Kurz darauf ging es in Betrieb. Vor rund 25 Jahren wurde das Gebäude für drei weitere Stellplätze mit einem Anbau erweitert. Die Rolltore gibt es erst seit etwa 15 Jahren, davor waren die Tore aus Holz.

Vor etwa acht Jahren wurde eine Absauganlage installiert, die die Diesel-Abgase der Einsatzfahrzeuge aufnimmt. Mit dem Neubau des Schwenninger Feuerwehrhauses vor zweieinhalb Jahren ging der Schlauchturm außer Betrieb. Die Schläuche werden seither in Schwenningen gewartet und getrocknet.

Der Schlauchturm wurde vor zweieinhalb Jahren stillgelegt.
Der Schlauchturm wurde vor zweieinhalb Jahren stillgelegt. | Bild: Fröhlich, Jens

Spinde

Der am Schlauchturm angrenzende Raum, wo der Schlauchwaschtrog installiert war, wurde erst vor kurzer Zeit zurückgebaut, um Platz für die Spinde der Einsatzkräfte zu schaffen. Momentan müssen diese sich noch immer in unmittelbarer Nähe zu den Fahrzeugen in der großen Halle umziehen. An manchen Stellen ist zwischen Spind und Fahrzeug kaum ein Meter Platz.

Sich in dieser schmalen Lücke umzuziehen, ist nicht ungefährlich, wenn das Fahrzeug ausrücken muss.
Sich in dieser schmalen Lücke umzuziehen, ist nicht ungefährlich, wenn das Fahrzeug ausrücken muss. | Bild: Fröhlich, Jens

"Das ist nicht ungefährlich, wenn alles schnell gehen muss und die Fahrzeuge abfahren", so Hofmann. Wie schnell das geht, das haben uns die Einsatzkräfte 2016 vor der Videokamera bewiesen.

 

Hofmann ist froh, dass der frei gewordene Raum bald seinen Kameraden zur Verfügung steht, auch wenn dort nicht alle Spinde Platz finden werden. Wann die 25.000 Euro teuren Umbauarbeiten weitergehen, konnte er nicht sagen.

Hier, wo bis vor kurzem der Schlauchwaschtrog untergebracht war, sollen in absehbarer Zukunft die Spinde der Einsatzkräfte einziehen. Feuerwehrkommandant Ralf Hofmann ist froh über diese Entlastung. Ganz hinten im Bild sieht man den Zugang zum Schlauchturm, der vor zweieinhalb Jahren stillgelegt wurde.
Hier, wo bis vor kurzem der Schlauchwaschtrog untergebracht war, sollen in absehbarer Zukunft die Spinde der Einsatzkräfte einziehen. Feuerwehrkommandant Ralf Hofmann ist froh über diese Entlastung. Ganz hinten im Bild sieht man den Zugang zum Schlauchturm, der vor zweieinhalb Jahren stillgelegt wurde. | Bild: Fröhlich, Jens

Erst wenn alles fertig ist, haben auch alle Fahrzeuge einen ordentlichen Stellplatz in der Halle, zeitraubendes Rangieren entfällt.

Platzmangel

Der Zuwachs an Stellplätzen wird jedoch nicht bedeuten, dass genügend Platz vorhanden ist. Rund 1000 Quadratmeter Fläche bietet das Gebäude. "Moderne Feuerwehrhäuser für Städte wie Villingen werden mit 3500 bis 5000 Quadratmeter geplant", verdeutlicht Hofmann das Problem.

Bild: Fröhlich, Jens

Die Anforderungen seien in den zurückliegenden fast 60 Jahren gewachsen und Einsatzfahrzeuge seien deutlich größer geworden. Die Breite der Tore entspricht daher nicht mehr der Norm. Löschfahrzeuge passen gerade noch so durch.

Nicht normgerecht: Die modernen Löschfahrzeuge passen gerade so durch die Tore. In den 60er Jahren reichten locker aus. Für eine Erweiterung gibt es jedoch keinen Spielraum.
Nicht normgerecht: Die modernen Löschfahrzeuge passen gerade so durch die Tore. In den 60er Jahren reichten locker aus. Für eine Erweiterung gibt es jedoch keinen Spielraum. | Bild: Fröhlich, Jens

Links und rechts hat aber kein Feuerwehrmann mehr Platz, was wiederum ein Sicherheitsrisiko ist. Auch bei der Höhe stößt man an Grenzen. Der Wechsellader mit Abrollbehälter berührt fast die Decke. Eine Gebläse an der Decke musste abgebaut und das Rolltor nach oben hin erweitert werden.

Das vier Meter hohe Fahrzeug reizt jeden Zentimeter der Halle aus.
Das vier Meter hohe Fahrzeug reizt jeden Zentimeter der Halle aus. | Bild: Fröhlich, Jens

Kleinere Mängel

Neben den grundlegenden Problemen machen den Einsatzkräften über die Jahre auch die vielen kleineren Mängel zu schaffen. So ist zum Beispiel die Heizung in der Halle an der Decke montiert. Weil Wärme nach oben steigt, bleibt es unten meist kalt, oder die Anlage muss auf Höchstleistung laufen.

Die Heizung ist an der Decke montiert.
Die Heizung ist an der Decke montiert. | Bild: Fröhlich, Jens

2018 sorgte an der Schnittstelle zum Anbau eindringendes Wasser für Probleme mit der Elektrik. "Das haben wir jetzt aber in den Griff bekommen", so Hofmann.

Über dem Sicherungskasten drang 2018 Wasser ein. Mittlerweile ist das Dach an der Schnittstelle wieder dicht.
Über dem Sicherungskasten drang 2018 Wasser ein. Mittlerweile ist das Dach an der Schnittstelle wieder dicht. | Bild: Fröhlich, Jens

Sanitären Anlagen

Die Toiletten im Erdgeschoss wurden 2018 von der Stadt komplett saniert.

So sehen die neuen Toiletten aus.
So sehen die neuen Toiletten aus. | Bild: Fröhlich, Jens

Eine behindertengerechte Toilette wurde eingerichtet, die auch als Damentoilette dient.

Bild: Fröhlich, Jens

Einen separaten Umziehbereich für die Frauen im Team, gibt es hingegen nicht.

Matthäus-Hummel-Saal

In dem Raum im ersten Obergeschoss finden Gemeinderatssitzungen, Bürgerinformationen und andere Veranstaltungen statt.

Schriftzug Matthäus-Hummel-Saal.
Schriftzug Matthäus-Hummel-Saal. | Bild: Fröhlich, Jens

Der Saal war und ist auch als Schulungssaal für die Floriansjünger gedacht, vor allem dann, wenn viele Einsatzkräfte anwesend sind. Ansonsten finden offizielle Treffen meist im neuen Schulungsraum in der ehemaligen Leitstelle statt, den sich die Mitglieder mit viel Eigenleistung hergerichtet haben.

Der neue Besprechungsraum wurde erst vor kurzer Zeit hergerichtet.
Der neue Besprechungsraum wurde erst vor kurzer Zeit hergerichtet. | Bild: Fröhlich, Jens

Der große Saal ist in einem schlechten Zustand. Der Parkettboden löst sich immer wieder an verschiedenen Stellen.

Dieses Loch im Parkettboden hat Hofmann kurzerhand selbst provisorisch geflickt.
Dieses Loch im Parkettboden hat Hofmann kurzerhand selbst provisorisch geflickt. | Bild: Fröhlich, Jens

Die einfach verglasten Fenster haben Risse und kaum Dämmwert.

Die große Fensterfront im Saal hat bereits Risse.
Die große Fensterfront im Saal hat bereits Risse. | Bild: Fröhlich, Jens

Die Fensterrahmen innen sind teils lose und morsch.

Die Fensterrahmen im Saal sind locker und morsch.
Die Fensterrahmen im Saal sind locker und morsch. | Bild: Fröhlich, Jens

Die Treppe in das erste Stockwerk ist nicht barrierefrei, einen Aufzug gibt es nicht.

Treppe hinauf in den ersten Stock, wo sich der Matthäus-Hummel-Saal befindet.
Treppe hinauf in den ersten Stock, wo sich der Matthäus-Hummel-Saal befindet. | Bild: Fröhlich, Jens

Aufenthaltsraum

Im Aufenthaltsraum hängen viele Urkunden an den Wänden. Pokale über einen Fernseher zeugen von den Erfolgen der Truppe. Einige Tische und ein Tisch-Kicker laden zum Verweilen ein. Unter den Urkunden ist die Wand noch weiß, die unbedeckten Stellen sind vergilbt.

Den Aufenthaltsraum wollen die Mitglieder jetzt auf Vordermann bringen und erweitern.
Den Aufenthaltsraum wollen die Mitglieder jetzt auf Vordermann bringen und erweitern. | Bild: Fröhlich, Jens

Diesen Raum möchten die Mitglieder nun erweitern, denn die Sitzplätze reichen häufig nicht aus. Es fehlen eine Kochnische sowie ein Kühlschrank. 30.000 Euro soll der Umbau kosten, der durch Spenden und Eigenleistungen gestemmt wird. Alles wird so geplant, dass man das Inventar in einen Neubau mitnehmen könnte.

Um diese Ecke, wo sich noch eine Türe und ein Schrank befinden, soll der Aufenthaltsraum erweitert werden.
Um diese Ecke, wo sich noch eine Türe und ein Schrank befinden, soll der Aufenthaltsraum erweitert werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Mitglieder

Rund 180 Mitglieder zählt die Villinger Wehr über alle Abteilungen hinweg. Dazu gehören der Spielmannszug, die Altersmannschaft sowie die Jugendfeuerwehr. Knapp über 100 Mitglieder sind im aktiven Dienst eingebunden.