Nicht nur in den beiden großen Stadtbezirken hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert, was die Einwohnerzahlen betrifft. Auch in den Ortschaften tut sich was. Ein kleiner Überblick.

So haben sich die Einwohnerzahlen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt.
So haben sich die Einwohnerzahlen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt. | Bild: Ellen Knopp

Tannheimer lieben ihren Ort

Anja Keller, Ortsvorsteherin von Tannheim, hat eigentlich immer offene Anfragen von Bauwilligen. Und sie muss eigentlich immer absagen. Bauplätze gibt es keine. Gemeinsam mit der Stadt sei man schon länger dabei, Lösungen zu finden. Die meisten Anfragen sind von den Tannheimern selbst. "Sie wohnen schon dort und wollen hier bauen", sagt Keller.

Manche Neuzugänge lernt sie als Ortsvorsteherin kennen, manche engagieren sich auch in den Vereinen ("nicht viele, aber ein paar"). Der Erholungswert, antwortet sie auf die Frage, warum man nach Tannheim zieht. Und: "Viele Familien schätzen die Ruhe im ländlichen Bereich." Es gibt eine Grundschule und eine Kita. Was es nicht gibt, sind Seniorenwohnungen. Daran will sie arbeiten.

In Pfaffenweiler ist die Welt noch in Ordnung

Die Antwort von Martin Straßacker, dem Ortsvorsteher von Pfaffenweiler, ist recht simpel. "Mit einem neuen Wohngebiet würde auch die Zahl der Einwohner wieder steigen." Sieben Einwohner weniger hat er im Jahr 2018 zu verzeichnen. Es gibt einen Hausarzt, einen Zahnarzt, Schule und Kindergarten, eine Post und eine Sparkasse. Was es nicht gibt, sind Bauplätze.

"Seit 2002 hatten wir kein Baugebiet mehr", sagt er. Aktuell sei zwar eines in Planung, der Bebauungsplan stehe auch bereits. Rund 20 Bauplätze sollen dort entstehen. Über 100 Anfragen liegen dafür bereits vor. Allein es geht nichts recht vorwärts.

Bedingt und wohldosiert, könne der Ort noch wachsen, sagt Straßacker. "Wir hatten auch schon 2500 Einwohner und das ging gut." Hinzukommt, dass die Wohnungen in Pfaffenweiler, im Vergleich zu den anderen Ortschaften, auch relativ teuer seien. Warum das so sei? Straßacker kontert auf seine Art: "Weil Pfaffenweiler einfach schöner ist." Da muss er dann selber lachen.

Den größten Pluspunkt sieht er jedoch in der Lage des Ortes. Wer hier lebt, hat Stadtnähe und Natur gleichermaßen. "Man läuft ein paar Meter und ist im Grünen", sagt er. "Da ist die Welt noch in Ordnung." Straßacker selbst ist in Pfaffenweiler geboren. Er weiß, wovon er redet.

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In Marbach geht es bergauf

Manchmal, wenn Diana Kern-Epple, Ortsvorsteherin von Marbach, von ihrem Büro aus mitbekommt, dass sich am Bürgerservice jemand neu im Ort anmeldet, dann geht sie schon mal nach vorne und sagt "Hallo". Man kennt sich in Marbach. Nicht jeder Jeden, aber doch viele Viele.

Marbach, sagt Kern-Epple, ist stadtnah, hat eine wirklich gute Nahverkehr-Taktung, einen Allgemein- und einen Zahnarzt, Schule und Kindergarten, ein Café und einen Hofmarkt. Einen Lebensmittelmarkt gibt es nicht. Das Nötigste, Backwaren, Wurst, bekommt man aber beim Getränkemarkt.

Als vor ein paar Jahren der demografische Wandel mit voller Wucht über die Ortschaften hereinbrach, hatte Marbach seinen Stand lange gehalten. Darauf war Kern-Epple immer ein wenig stolz. Seit dem geht es ständig bergauf. Aktuell hat Marbach 2112 Einwohner. Das Neubaugebiet mit 19 Häusern hat sicher seinen Teil dazu beigetragen, dass die Zahlen steigen. Andererseits sind auch so gut wie alle Wohnungen vermietet. "Ich beobachte schon lange, dass es in Marbach eigentlich keine Leerstände gibt", sagt Kern-Epple.

Das Jahr ist noch keine zwei Wochen alt, da hat Kern-Epple bereits zwei neue Anfragen von jungen Familien vorliegen. Sie musste absagen. Die Bauplätze sind alle weg.

Wer aus Marbach wegzieht, hat entweder berufliche Gründe, ist jung und will studieren oder ist alt und will in der Stadt auf weniger Grundstücksfläche wohnen. Einer ihrer größten Wünsche für Marbach: ein Lebensmittelmarkt. "Vielleicht klappt das aber auch erst, wenn ich nicht mehr Ortsvorsteherin bin und selber was auf die Beine stellen kann." Der zweite Wunsch: seniorengerechtes Wohnen. Eines der wohl größten Themen für die Zukunft. Kern-Epple weiß das: "Da sind wir dran", sagt sie.

Rietheim auf der Suche nach Wohnraum

Die Tendenz war gut und ist in den vergangenen zwei Jahren wieder runtergegangen, so fasst Gudrun Furtwängler, Ortsvorsteherin in Rietheim die aktuellen Zahlen zusammen. Gerade im vergangenen Jahr seien zwei Großfamilien weggezogen. Bei einem Ort mit etwas mehr als 1000 Einwohnern macht sich das durchaus bemerkbar.

Stehen einmal Häuser leer, gehen die schnell weg. Meist unter der Hand. Ein Baugebiet gibt es keins. Fünf bis sechs Anfragen habe sie im Monat. Das sind nur die von auswärts. "Die Einheimischen fragen schon gar nicht mehr, die wissen, dass es nichts gibt." In Rietheim ist Villingen nicht weit weg und das Land auch nicht. "Sie gehen vor die Haustür und sind im Wald", sagt sie. Das schätzen die Menschen, die dort wohnen. Wenn sie sich etwas wünschen dürfte für Rietheim, dann, dass endlich mal wieder Wohnraum für junge Familien angeboten werden kann.

Frieden in Herzogenweiler

Drei Einwohner hat Ortsvorsteher Martin Wangler in Herzogenweiler 2018 mehr zu verzeichnen, als im Jahr zu vor. 175 Menschen leben nun in dem Ort, von dem Wangler sagt: "Wir haben hier eine hervorragende Stimmung."

Der langsame Rückgang in den Jahren zuvor lag nicht so sehr daran, dass die Menschen weggezogen sind, sondern vielmehr daran, dass viele ältere Menschen gestorben sind. Einen Bauplatz hat er aktuell noch zu vergeben, ein weiteres Baugebiet ist in Planung.

"Ab und an haben wir eine Anfrage", sagt er. Wangler ist 2003 selbst von Tannheim nach Herzogenweiler gezogen. Auf die Frage, warum er hier gerne lebt, sagt er: "Es ist einfach ein Frieden im Ort."

Lebens- und liebenswertes Weigheim

Ursula Mosbacher, die Ortsvorsteherin von Weigheim, hat derzeit etwas, um das sie einige andere Ortschaften beneiden: ein anvisiertes Baugebiet. 30 Bewerbungen liegen Mosbacher derzeit für das Bildstock II vor. "Es muss daher so schnell als möglich kommen", sagt Mosbacher.

Das Baugebiet Bildstock I ist bereits voll. Und einer der Gründe dafür, dass Weigheim ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Ein weiterer: Es gab, zumindest 2017, mehr Geburten (23) als Sterbefälle (10). 2018 sieht das schon anders aus.

30 Einwohner weniger sind es geworden. Die Differenz aus Geburten und Sterbefällen sieht nicht mehr ganz so positiv aus. "Hinzukommen Wegzüge durch Arbeitssuchende, die im näheren Umfeld keine Beschäftigung finden konnten", sagt Mosbacher. Eine intakte Dorfgemeinschaft, ein Kindergarten mit Krippe, eine Grundschule mit Ganzgasbetreuung und die verkehrliche Anbindung, all das, sagt Mosbacher, mache Weigheim lebens- und liebenswert.

Zwei Wünsche in Weilersbach

23 Jahre ist es jetzt her, dass Silke Lorke, heute die Ortsvorsteherin in Weilersbach, damals mit ihrer Familie von Villingen aufs Land, nach Weilersbach gezogen ist. Sie hat es nie bereut. "Es war absolut die richtige Entscheidung", sagt sie. Lorke ist damit eine von aktuell 1291 Einwohnern. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl immer so um den Dreh geblieben", sagt sie.

Eine Erweiterung im kleinen Stil, das könnte Weilersbach vertragen. Dass man mal so zehn Bauplätze anbieten könnte, das würde sie sich wünschen. "Wir haben immer wieder Anfragen", sagt sie. Sie muss allen absagen. Freie Wohnungen und Häuser gibt es keine. Wenn einmal ein Haus frei wird, dann ist es irgendwie unter der Hand schnell weg.

Der dörfliche Charakter ("man kennt sich"), die Natur, die Lage zwischen den beiden Stadtbezirken Villingen und Schwenningen, die Nähe zum Klinikum, all das schätzen die Einwohner in Weilersbach. Die Zugezogenen genauso wie die, die schon immer dort leben, sagt Lorke. Wenn sie sich etwas Wünschen könnte, für Weilersbach, wären das zwei Dinge: Betreutes Wohnen ("damit die alten Leute hierbleiben können") und ein kleiner Dorfladen. Ob das einmal Realität wird, "das weiß ich nicht".