Mundart ist modern, Mundart ist cool. Das hat einmal mehr der Landeswettbewerb "Mundart in der Schule", der am Samstag in der St. Ursula Schule in Villingen stattgefunden hat, bewiesen. Schulklassen aus ganz Baden-Württemberg haben zum Wettbewerb, der von den beiden Mundartvereinen "Muettersproch-Gesellschaft e.V." und Schwäbische mund.Art e.V." zum vierten Mal ins Leben gerufen wurde, Projekte eingereicht, die sich intensiv mit dem heimischen Dialekt auseinander setzen. Herausgekommen sind Multimedia-Präsentationen, die den schwäbischen oder alemannischen Dialekt aus der verstaubten Ecke herausholen und zeigen, dass Mundart Identität stiftet und sich trotzdem modern zeigen kann.

Modern deshalb, weil viele der Schüler den Dialekt versucht haben in die Welt der neuen Medien zu implantieren und damit das Interesse von Schülern geweckt werden konnte und eben auch das der Jury, die unter anderem auch aus Johannes Kaiser, Schulleiter der St. Ursula Schule besteht. Prämiert wurden Schulklassen aus dem ganzen Ländle. "Auch deshalb treffen wir uns heute in Villingen-Schwenningen, der Baden-Württemberg-Stadt, die einen badischen und einen schwäbischen Stadtteil hat", erklärt Wolfgang Wulz vom Arbeitskreis Mundart in der Schule. Diese Projekte wurden prämiert:



Grundschule Wendelsheim: Ein echtes Mammutprojekt haben sich die Dritt- und Viertklässler vorgenommen. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Heidi Haaf haben sie festgestellt, dass es zwar für Erwachsene jede Menge Angebot in Sachen Mundart gibt, aber keinesfalls für Schüler. Um die Dialekte mehr in den Unterricht und damit in die Schule zu bringen, haben sie eine CD entwickelt, die 100 Ideen für Lehrer bietet, wie sich Mundart im alltäglichen Schulleben einbinden lässt. Deshalb wurde es mit dem Förderpreis ausgezeichnet, der mit 250 Euro dotiert ist.

Die Stefan-Zweig-Realschule aus Endingen hat ein Musical auf die Beine gestellt, das sie bis dato schon vor 1200 Gästen gespielt haben und das sich mit dem Widerstand gegen das Atomkraftwerk bei Wyhl auseinandergesetzt hat und den Titel trägt: "Nai hämmer gsait". Eine Mischung aus Kaiserstuhler-Dialekt und Gesang machen das Stück authentisch und haben die Jury überzeugt auch dieser Schule den Förderpreis zu verleihen.

Das Goldberg-Gymnasium aus Sindelfingen hat sich den ersten Preis im Landeswettbewerb gesichert. Mit dem Multimedia-Projekt "Was isch a Muggaseggele" hat die Schule aus dem Ballungsgebiet auch die Schüler mit Migrationshintergrund begeistert. In der "Schwabenschule" ging es schließlich darum, sich um die typisch schwäbischen Gewohnheiten, wie die Kehrwoche, Gedanken zu machen und mehr heiter als ernst unter die Lupe zu nehmen. Dokumentiert wurde das Projekt mit einer Videoreportage. 500 Euro fließen nun in die Schulklasse. Die Gerhard-Jung-Schule in Zell im Wiesental teilt sich den ersten Platz mit dem Goldberg-Gymnasium. Was zeigt, dass es die Jury nicht leicht hatte sich für einen eindeutigen Sieger zu entscheiden. Die Klasse 4a, eine Integrationsklasse, hat sich auf Wanderschaft begeben und sich dabei den Hausberg "Hohe Möhr" bestiegen. Entstanden ist eine Collage aus Gesangs-, Bild- und Wort-Beiträgen, die ebenfalls mit der Kamera festgehalten wurde. Auch hier dürfen sich die Schüler über 500 Euro freuen.

Die Michael-Buck-Gemeinschaftsschule aus Ertingen belegte mit ihrem selbstgestalteten schwäbischen Lapbook den zweiten Platz und erhielt ein Preisgeld von 350 Euro. Die Grundschule Augenbachtalgrundschule aus Häg-Ehrsbach konnte sich mit ihrem Beitrag den dritten Platz sichern, indem sie sich auf die Spuren der Heimat begeben hat und dabei natürlich auch der Dialekt im Mittelpunkt des Geschehens stand. 200 Euro Preisgeld gehen in die Klassenkassen.
<p>Zitat: Die Mundart ist wesentliche sprachliche Dimension, die eigene Identität stiftet, Johannes Kaiser, Schulleiter St. Ursula Schule

Zitat: Die Mundart ist wesentliche sprachliche Dimension, die eigene Identität stiftet, Johannes Kaiser, Schulleiter St. Ursula Schule | Bild: Madlen Falke

Das Projekt

Der Arbeitskreis "Mundart in der Schule" hat sich zum Ziel gesetzt, die heimischen Dialekte, die mehr und mehr vom Aussterben bedroht sind, in die Schulen zu bringen. Schulklassen aus dem ganzen Ländle können Mundart-Künstler in die Schule einladen und sich in Doppelstunden mit dem Dialekt auseinandersetzen. Seit 2005 fanden mehr als 500 Veranstaltungen in baden-württembergischen Schulen statt. Finanziert wird das Projekt vom Arbeitskreis.