In der Görlitzer Straße herrscht dicke Luft. Zumindest morgens und um die Mittagszeit, wenn der Unterricht an der Haslachschule beginnt und endet. Der Grund: Zahlreiche Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder holen sie ab. Vor allem in der kälteren Jahreszeit lassen viele davon den Motor laufen, während sie auf ihre Kinde warten – sehr zum Ärger der Anwohner.

Fridays For Future contra Ignoranz

„Die ganze Welt diskutiert über den Klimawandel, die Kinder gehen freitags auf die Straße, und die Eltern scheren sich einen Dreck darum“, ärgert sich ein direkter Nachbar der Haslachschule. Seinen Namen möchte er nicht nennen: Als er einen Audi-Fahrer angesprochen habe, der mit laufendem Motor auf dem Zebrastreifen wartete, sei er von diesem massiv angegangen worden.

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Schon oft habe er versucht, mit Eltern ins Gespräch zu kommen, stets vergeblich. „Entweder wird man aggressiv oder frech angemacht.“ Ihm gehe es nicht ums Meckern, sondern um die Ignoranz derjenigen, die ihre Kinder täglich und bei jedem Wetter mit dem Auto zur Schule kutschieren. „Der gesamte Straßenbereich um die Schule ist von wartenden Eltern und Großeltern zugeparkt.“

„Hallo? Es ist kalt!“

Sein persönliches Highlight unter den Begegnungen sei es vor Kurzem gewesen, als er eine Mutter bat, während des Wartens auf ihr Kind den Motor auszuschalten. „Zur Antwort bekam ich ‚Hallo? Es ist kalt!‘“, schildert er. Diese Argumentation dürfte der Frau im Zweifelsfall wenig helfen. In der Straßenverkehrsordnung heißt es unmissverständlich: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere verboten, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen.“

Eltern haben die Wahl

„Ja, die parkenden Eltern sind ein Thema“, bestätigt Gabriele Cernoch-Reich, Leiterin der Haslachschule. Befeuert werde das Problem auch durch die Tatsache, dass es keine Schulbezirke mehr gebe. Mussten Grundschüler früher die am nächsten gelegene Schule besuchen, haben Eltern heute die freie Wahl. „Dadurch werden natürlich auch einige Kinder mit dem Auto gebracht, die nicht im Bereich Haslach und Wöschhalde wohnen“, sagt die Rektorin.

Thema beim Elternabend

Die Schule bleibe dennoch nicht untätig: Bei nahezu jedem Elternabend werde das „Elterntaxi“ thematisiert. Außerdem nimmt die Haslachschule jedes Jahr an der Aktion „Zu Fuß zur Schule“ teil, bei der sich Schulen und Kindergärten untereinander messen: „Die Klassenlehrer notieren dabei, welche Kinder wie weit zur Schule gelaufen sind“, erklärt Gabriele Cernoch-Reich.

Preise für fleißige Fußgänger

Die Klassen mit den fleißigsten Fußgängern erhalten kleine Preise. Zusätzlich versuche man, den Kindern das Laufen schmackhaft zu machen, denn: „Man erreicht nicht alle Eltern.“ Deshalb sei es ideal, wenn die Kinder von sich aus gerne zur Schule laufen und gar nicht gefahren werden möchten.

Einheitlicher Schulbeginn

Alleine müsse sich kein Kind auf den Weg machen. „Wir haben einheitlich um 8 Uhr Schulbeginn“, sagt die Rektorin. Jedes Kind aus dem Bereich Haslach/Wöschhalde, das zu Fuß zur Schule gehe, treffe irgendwo unterwegs ein anderes Kind.

Elterntaxis sind überall Thema

Mit dem Problem „Elterntaxi“ steht die Haslachschule nicht alleine da. „Das ist an allen Schulen in Villingen-Schwenningen Thema und an allen Schulen werden die Eltern regelmäßig informiert“, sagt Oxana Brunner von der städtischen Pressestelle. Immer mehr Eltern würden ihre Kinder zur Schule fahren.

Kontrollen nützen wenig

Kontrollen seitens des Bürgeramtes würden erfahrungsgemäß wenig helfen. Sobald städtische Mitarbeiter in Sichtweite sind, parke niemand auf Gehwegen oder lasse den Motor laufen. „Eine langfristige Verbesserung ist dadurch nicht Sicht.“