VS-Villingen/Konstanz – Über Stunden eingesperrt, mit einem Steakmesser bedroht und vier Mal vergewaltigt haben soll ein 28-jähriger Mann seine ehemalige Freundin in deren Wohnung in Villingen. Zu dieser Zeit hätte er sich der Frau aufgrund eines gerichtlichen Kontaktverbots gar nicht mehr nähern dürfen. Seit Anfang Februar muss sich der Asylbewerber aus Pakistan vor dem Landgericht Konstanz verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe der Frau, nennt die Anklage „Schwachsinn“. Von vier zur Last gelegten Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz räumt er nur einen ein. Acht Zeugen sind nach drei Prozesstagen gehört worden.

Die 35-jährige Frau, auf deren Angaben die Anklage fußt, wurde am ersten Verhandlungstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Ihre Aussage war nach Meinung des Verteidigers des Angeklagten so unglaubwürdig, dass er jetzt per Beweisantrag ein aussagepsychologisches Gutachten forderte. Die unter schweren psychischen Problemen leidende Zeugin habe auf keine Frage eine detaillierte Antwort geben können, begründete der Verteidiger seinen Antrag. Auch habe sie sich an wichtigste Fakten überhaupt nicht erinnern können und sich in Widersprüche verstrickt. Die 35-jährige Mutter zweier Kinder hatte Ende 2014 auch ihren früheren Lebensgefährten wegen Vergewaltigung und Körperverletzung angezeigt. Wegen der gemeinsamen Kinder hatte das Paar zu dieser Zeit noch Kontakt. Dabei kam es zu einem gewalttätigen Übergriff des betrunkenen Mannes. Vor Gericht gestaltete sich ihre Vernehmung auch damals problematisch. Verurteilt wurde der 40-Jährige damals nur wegen Körperverletzung an der Frau.

Der jetzt wegen besonders schwerer Vergewaltigung angeklagte 28-Jährige beschrieb die Ex-Freundin als streitsüchtig, dem Alkohol zugeneigt und vollkommen widersprüchlich agierend. Sie und ihre Kinder werden vom Jugendamt betreut. Eine Mitarbeiterin bestätigte, dass die 35-Jährige ihr mehrmals von Gewalttätigkeiten des 28-Jährigen berichtet habe, die sich auch gegen die Kinder gerichtet hätten. Die Frau habe große Angst vor ihm gehabt. Seine neue Freundin, eine 22-jährige Frau aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, mit der er inzwischen ein Kind hat, beschrieb ihn als „sehr weich und kinderlieb“. Sie selbst habe nie Gewalt von ihm erlebt, behauptete sie, wendete aber trotz räumlicher Nähe kein einziges Mal den Blick zu ihm. Die junge, zweifache Mutter bestätigte auch die Aussage des Angeklagten, wonach es die 35-Jährige gewesen sei, die ihn nach der Trennung verfolgt habe. „Sie wollte ihn zurück“, erklärte sie. Ihr Freund habe ihr aber versichert, dass er die Beziehung für endgültig beendet betrachtete. „Ich will die nicht, ich will nur dich“, habe er gesagt.

Der 28-Jährige ist bereits mehrfach vorbestraft. Die erste Verurteilung gab es, weil er nach seiner Abschiebung im Mai 2014 sofort wieder illegal nach Deutschland eingereist war. Eine weitere Geldstrafe wurde verhängt, weil er die 35-Jährige nach einem ersten Kontaktverbot bedroht hatte. Die Rede war auch von einem Selbstmordversuch, den er damals begangen haben will. Die dritte Geldstrafe kassierte er, nachdem er danach trotz Gewaltschutzanordnung zwei Mal über die Hausfassade in ihre Wohnung eingedrungen war. Die vierte, weil er einen Zeugen mit dem Tod bedrohte, der gegen ihn ausgesagt hatte. Wegen der neuen Anklage sitzt der Mann seit August vorigen Jahres in Untersuchungshaft. Der Prozess wird im April fortgesetzt.