Die Stadt schließt eine beliebte Quelle. Doch dies ist nur das i-Tüpfelchen auf einen öffentlichen Kontrollverlust, der sich seit Jahren schleichend ausbreitet.

Die Stadt schließt ab Freitag die Romäusquelle. Dauer-Ärger mit Müll-Sündern hat diesen Schritt ausgelöst. Doch schon am 23. März wird die Quelle wieder frei zugänglich sein. Das ist natürlich einerseits gut gemeint von der Stadtverwaltung, ein Versuch der Umerziehung von Vandalen. Andererseits wirkt dieser Schritt aber auch ein gutes Stück hilflos.

Die Vermüllung von Landschaft und Städten offenbart die ganze Bandbreite an Kurzsichtigkeit und Rücksichtslosigkeit von, ja: Tätern. Das Aufräumen bezahlen schlussendlich alle Bürger, die Abgaben, Gebühren und Steuern entrichten. Deshalb geht dieses Thema jeden an und deshalb sollte auch jeder anständige Bürger daran mitwirken, sich gegen diese Tendenzen als Gesellschaft in ihrer Gesamtheit zu stemmen.

Denn so kann es ja nicht weitergehen: Ein Stopp auf dem Parkplatz bei der Villinger Gaskugel – schlimm verdrecktes Geläuf und völlig überfüllte Papierkörbe. Ein Gang durch die eben erst mit viel Geld hergerichteten Anlagen in Villingen: Von Autos zerfahrene Wiesenkanten, riesige Pfützen, verdreckte Wiesen, Hinterlassenschaften von Hunden und aktuell nach der Schneeschmelze auch noch extrem viele Reste von Fastnacht. Ein schönes Stadtbild sieht anders aus und eine Wohlfühl-Atmosphäre braucht andere Voraussetzungen. Wie zum Hohn werden mittlerweile in Villingen-Schwenningen ganze Autos einfach irgendwo abgestellt und nicht mehr abgeholt, so wie aktuell etwa vor den Erbsenlachen am alten Krankenhausparkplatz.

Was aber geschieht während der Sperrung der Romäusquelle? Wer dort wirklich hin will, der wird vermutlich auch während der Sperrung dorthin gelangen. Nur das Schleppen von Wasserkanistern zum weiter entfernt geparkten Wagen wird erschwert. Damit trifft der Versuch des Durchgreifens des Rathauses an der Romäusquelle leider auch schon die Falschen.

Und die Verursacher des Problems? Sie werden beim nächsten Versuch, Müll an der Romäusquelle abzuladen, wohl die Sperrung umfahren und ihren Schrott woanders in den Wald schmeißen. Geschnappt werden solche Müll-Täter kaum einmal. Uneinsehbare Ecken gibt es genug. Dieser Kontrollverlust geht auch einher mit den nicht gehaltenen Versprechungen der Polizeistrukturreform von 2012. Mehr Streifengänge in den Innenstädten, diese vollmundige Ankündigung von einst wurde auch wegen Personalmangel nicht umgesetzt.

Warum grassiert dieses ganze Treiben scheinbar ungebrochen? Letztendlich, weil die dringend erforderliche obrigkeitliche Intervention unterbleibt. So wie bei vielen Dingen. Gestern, Dienstag, Bahnhof Villingen, 12.21 Uhr. Ein großer und mit Schülern voll besetzter Bus fährt aus einer Haltebucht los und biegt nach links ab Richtung Bickentor. Das Lichtsignal wechselt auf rot. Der Fahrer gibt erst recht Gas, passiert Haltelinie und Ampel viel zu spät. Was lernen hier junge Fahrgäste? Geht doch.