„Stosi macht jetzt Musik?“ Diese Reaktion hat Philip Stosius aus Villingen häufig zu hören bekommen, als er vor einigen Tagen seinen ersten Rap-Song beim Streaming-Dienst Spotify veröffentlichte. Der 21-Jährige hat viele Bekannte und Freunde in der Stadt und ist gut vernetzt. Doch von seinem Hobby ahnte kaum jemand etwas. Lediglich enge Freunde und die Familie wussten davon.

Dabei ist es nicht verwunderlich, dass der 21-Jährige jetzt einen musikalischen Weg einschlägt, denn Stosius, alias Stosi, ist in einer musikalischen Familie groß geworden. Die Mutter spielt Klavier und singt, die Schwestern spielen Geige und Cello, der Bruder Schlagzeug. Stosis Instrumente sind seine Stimme und das Mikrofon. Seit nunmehr drei Jahren Musik reimt er deutsche Wörter, der Beat kommt aus dem Computer. 

Rapper benötigen nur ihre Stimme und ein Mirkofon.
Rapper benötigen nur ihre Stimme und ein Mirkofon. | Bild: Fröhlich, Jens

Loose Planet: In seinem Erstlingswerk „Loose Planet“ geht es um unsere Erde, die unter dem Einfluss der Menschheit leidet. „Ich möchte den Menschen sagen, dass Handlungsbedarf besteht, ihnen die Augen öffnen“, beschreibt der Rapper den Inhalt seines Textes. „Wir müssen jetzt anfangen zu handeln.“ Es ist nicht sein erstes Stück. Auf seiner Festplatte schlummern zahlreiche weitere Songs, die jedoch erst später veröffentlicht werden sollen.

Video: Fröhlich, Jens

Wettbewerb: Zum Auftakt soll nur das eine Lied seinen Kanal beim Musik-Streaming-Dienst Spotify füllen. Dort findet derzeit die Spinnup Rap-Challenge statt und der Fokus soll auf dem Wettbewerbslied liegen. Spinnup ist ein Unternehmen, welches Künstler gegen eine Gebühr die Veröffentlichung ihrer Musik auf den gängigen Verkaufsportalen abnimmt. Über 1500 Nachwuchsrapper nehmen am Wettbewerb teil. Das Lied, welches bis zum 27. Dezember die meisten Abrufe und vor allem regelmäßige Hörer sammelt, schafft es unter die letzten 15 Teilnehmer.

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Eine Jury, in der auch ein namenhafter Musikverlag mitmischt, bestimmt weitere Endrunden-Kandidaten. Die besten 20 Künstler werden schließlich nach Können, Texten und Potential bewertet. Die Gewinner sollen Mitte Januar feststehen. Es winken 3000 Euro Preisgeld. Viel interessanter für junge Künstler ist vermutlich aber die Aufmerksamkeit. Auch weitere Preise, wie zum Beispiel Produktions-Software, Künstler-Lehrgänge und Text-Seminare können die Karriere anschieben. 1500 Streams hat „Loose planet“ in zwei Tagen bereits gesammelt, knapp 2300 waren es Anfang dieser Woche. Hier können Sie das Lied anhören und Stosi unterstützen.

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Stil: Angefangen hat alles beim Grillen mit Freunden. „Wir haben uns Reime überlegt und gerappt“, erzählt Stosius. Aus den gelegentlichen Grill-Raps wurde schnell mehr. Er begann damit, eigene, richtige Texte zu schreiben. Inhaltlich geht es dabei um Themen, die ihn und andere Menschen bewegen. Es gibt politische, nachdenkliche und auch unterhaltende, fröhlich Zeilen zu hören. „Jugendslang ist dabei, ja“, so Stosius, doch in einer Linie mit den die Charts beherrschenden Gangster-Rappern sieht er sich nicht. Warum er erst jetzt den Schritt an die Öffentlichkeit wagte, dazu sagt er: „Ich wollte selbst absolut mit der Qualität zufrieden sein.“ Dieser Plan scheint aufzugehen. Zahlreiche positive Rückmeldungen habe er bereits bekommen.

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Heimstudio: Waren vor einigen Jahren noch große Studios nötig, um professionell Musik zu produzieren, so reichen heutzutage bereits kleinere Investitionen, um am Ende gut klingende Aufnahmen zu haben. „Rund 400 Euro habe ich in Mikrofon, Schallabsorber und Audio-Interface investiert“, erklärt Stosius. Das wichtigste Utensil für Rapper ist dabei das Mikrofon. Hier kommen meist Großmembran-Mikrofone zum Einsatz, die besonders viele Details und Frequenzen von Stimmen abbilden können. Das Audio-Interface wandelt das Tonsignal in Anschluss nahezu verlustfrei in digitale Daten um und überträgt diese zum Computer. Dort können Tonspuren mit Studio-Programmen gemischt und mit Effekten bearbeitet werden. Am Ende steht eine perfekte Aufnahme. So funktioniert das auch bei Stosi, wie er im folgenden Video erklärt.

Video: Fröhlich, Jens

Viele seiner Lieder nimmt er selbst zuhause in seinem Zimmer auf. Beim Abmischen der Spuren und bei der Komposition der Beats arbeitet Stosius mit einem befreundeten Produzenten aus der Doppelstadt zusammen.

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So geht‘s weiter: Noch im Januar sollen weitere Produktionen das Licht der Welt erblicken. Ein Video sei ebenfalls in Planung. „Und ein gemeinsames Projekt mit meinem Produzenten“, verrät er. Liveauftritte seien hingegen bislang noch nicht in Sicht.

Die Tonspuren nimmt Stosi direkt mit seinem Laptop auf.
Die Tonspuren nimmt Stosi direkt mit seinem Laptop auf. | Bild: Fröhlich, Jens

Zur Person

Philip Stosius ist in München aufgewachsen. 2012 zog die Familie nach Villingen. Hier besuchte der 21-Jährige die Karl-Brachat-Realschule, später das Wirtschaftsgymnasium. Derzeit arbeitet er in einer Produktionsfirma im Schichtbetrieb.

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