Streng genommen kann man sie an einer Hand abzählen: die unter 50-jährigen klassischen Trompeter, die europaweit einen klangvollen Namen haben. Die Rede ist von Alison Balsom, der Norwegerin Tine Thing Helseth und nicht zuletzt dem Ungarn Gábor Boldoczki. Dieser Ausnahmeinstrumentalist war im Rahmen der Meisterkonzerte im Villinger Franziskaner zu hören.

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Prager Orchester mit hervorragender Besetzung

Mit ihm gestalten das in Prag beheimatete Kammerorchester PKF – Prague Philharmonia mit rund zwei Dutzend seiner Mitglieder das unter das Motto "Böhmische Rhapsodie" gestellte Programm. Das Ensemble ist spieltechnisch hervorragend besetzt und dafür bekannt, dass es insbesondere die Klangfarben slawischer Orchestermusik zu gestalten vermag. Im Franziskaner verzichtet es auf einen Dirigenten und wird diskret, aber effektiv von Konzertmeister Jan Fiser geleitet.

Gábor Boldoczki präsentiert sich mit drei Werken für Soloinstrument und Orchester: mit dem Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo in Es-Dur des böhmischen Vorklassikers Johann Baptist Neruda, dann mit der im Original 1824 für Oboe geschriebenen Introduktion samt Thema und Variationen in f-Moll op. 102 von Johann Nepomuk Hummel und schließlich mit dem Konzert für Flügelhorn und Orchester in F-Dur eines Wegbereiters der Wiener Klassik, Johann Baptist Vanhal; im Original ist dieses Werk für Kontrabass komponiert.

Durchgängig schöne, eingängige Musik

Das ist durchgängig schöne und eingängige Musik, die Boldoczki in jeder Hinsicht brillant zur Geltung bringt. Warum allerdings angekündigte Werke von jüngeren Komponisten wie Leos Janácek oder gar des erst 1959 verstorbenen Bohuslav Martinu sich nicht im Programm finden, ist schlicht schade. Ist Boldoczki doch auch ein versierter und gefragter Solist in Sachen neuer und zeitgenössischer Musik.

Gábor Boldoczki (rechts), einer der wenigen klassischen Trompeter von europäischer Spitzenklasse, gibt im Franziskaner mit der Prague Philharmonia unter Konzertmeister Jan Fiser (ganz links) Proben seines glänzenden Könnens.
Gábor Boldoczki (rechts), einer der wenigen klassischen Trompeter von europäischer Spitzenklasse, gibt im Franziskaner mit der Prague Philharmonia unter Konzertmeister Jan Fiser (ganz links) Proben seines glänzenden Könnens. | Bild: Gunter Faigle

Das ändert natürlich nichts an der ausnehmenden Qualität des Gebotenen. Gleich in Nerudas Konzert wird die Bandbreite des virtuosen Könnens von Boldoczki klar. Sein bläserischer Ansatz ist samtweich und ungewohnt duftig, sein feines Legato verweist auf eine souveräne Beherrschung von Atem und Lippenspannung, die keinen Kicksern Platz lassen. Seine verspielten Verzierungen haben präzise Klarheit und jede noch so kurze Kadenz hat ihren eigenen Reiz. Und was Boldoczkis Dynamik angeht, ist Ungewöhnliches zu hören. Seine Trompete ist im Fortissimo frei von wuchtigem Schmettern und sein Pianissimo behält Substanz, ohne vom Verschwinden bedroht zu sein.

Das Publikum ist begeistert

Bei Hummel und bei Vanhal zieht Boldoczki weitere Register seines Könnens. Er setzt zwei verschiedene Trompeten und ein Flügelhorn ein. Das Publikum ist begeistert. Ohne den Solisten widmet sich die Prague Philharmonia fünf Orchesterwerken von Franz Benda, Johann Baptist Vanhal und Antonin Dvorák. Die prägenden Stärken des Ensembles äußern sich in seiner makellosen Homogenität und seinem Sinn sowohl für melodiöse Ruhe als auch heitere Frische. Was die in Böhmen verwurzelte Musik des 18. und 19. Jahrhunderts angeht, passen Boldoczki und die Philharmonia ideal zusammen.