Investoren planen nach SÜDKURIER-Informationen ein Großprojekt in der Bickenstraße 14 bis 16: Drei Gebäude sollen saniert werden, um in den Altbauten moderne Wohnungen zu schaffen. Geplant ist zudem, das alte Brauereigebäude in der Johannitergasse abzureißen und einem Neubau hochzuziehen.

  • Die Pläne: Die Immobilien sind seit Kurzem an zwei Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), die sich Bickenstraße und Fortuna nennen, verkauft. Das bestätigte auf Anfrage Alexander Schickorr, Vertreter der GbR Bickenstraße. Schickorr von der HSG-Wirtschaftskanzlei in Singen erklärte darüber hinaus nur, dass der gesamte Komplex saniert werden soll. Über der Zahl der Eigentumswohnungen könne er derzeit nichts sagen. Nähere Details wollte er noch nennen, er rief aber trotz zweimaliger Bitten um Stellungnahme bis Dienstagabend nicht zurück. Erneuert werde auch die Bickenstraße 14, die von einer Villinger Eigentümergemeinschaft an die GbR Bickenstraße verkauft wurde. Veräußert wurde nach Schickorrs Angaben zudem der Fortuna-Komplex an die GbR Fortuna, der zweiten beteiligten Gesellschaft.
  • Die Reaktion der Stadt: „Weder für einen Abriss noch für einen Umbau von Teilen des Sanierungsobjektes Fortuna gibt es einen Antrag beim zuständigen Bauamt“, sagte am Dienstag eine Verwaltungssprecherin auf Anfrage des SÜDKURIER. „Das ist insofern merkwürdig, als es für einen Abriss eines Gebäudes grundsätzlich bestimmte Regeln einzuhalten“ gebe, hieß es jetzt weiter. Für den Fall eines geplanten Abrisses müsse dieser zuerst beantragt und dann auch genehmigt werden, wurde der Instanzenweg weiter geschildert. Dies gelte „insbesondere für Objekte innerhalb der Stadtmauer und erst recht für ein altes Brauereigebäude.“ Sollte es zu einer Abrissgenehmigung im hinteren Teil der Bickenstraße kommen, so müsse dort „ein historischer Gewölbekeller erhalten bleiben“ erklärte die Sprecherin am Dienstag weiter. Bestätigt wurde weiter auf Anfrage, dass es zu dem Vorhaben ein Vorgespräch gegeben habe. Seither warte man in den zuständigen Behörden vergeblich auf eine wie auch immer geartete Beantragung in dieser Sache, hieß es abschließend zum SÜDKURIER.
  • Das Unternehmen: Die HSG Wirtschaftskanzlei in Singen wird vertreten durch Alexander und Horst Peter Schickorr. Die HSG bietet nach eigenen Angaben Komplettlösungen von steuerbegünstigten Vermietungsimmobilien an. Ein Fokus liege auf steuerlich lukrativen, denkmalgeschützten Baudenkmälern. So bestehe laut HSG die Möglichkeit, ganz legal hohe Steuerbeträge in eigenes Kapital umzuwandeln.
  • Mittelalterliche Substanz: Teilweise geht der historisch bedeutsame Gebäudekomplex bis ins 16. Jahrhundert zurück. In dem Haus Bickenstraße 16, lange ein Nebenraum der Gaststätte, hatten die Schuster, laut Historiker eine der ältesten Zünfte der Zähringerstadt, ihren Versammlungsort eingerichtet. 1513 wurde er erstmals schriftlich erwähnt, da drei Stuben für gesellschaftliche Zwecke hergerichtet wurden. Ein besonderes Kleinod befindet sich im ersten Obergeschoss – ein Raum mit einer spätgotischen Decke. 1825 verkauften die Schuster, die sich wie die anderen Zünfte für die Unabhängigkeit der Stadt von den Fürstenbergern einsetzten, nach über 300 Jahren das Gebäude, die Fassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts erneuert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Komplex eine Gaststätte. 1862 wurde im hinteren Bereich des Areals die Privatbrauerei Fortuna gegründet, bald darauf das Bier in der Gaststätte zur Bickenstraße hin ausgeschenkt. Die Brauerei musste 1985 schließen, die Konkurrenz, vor allem der übermächtigen Fürstenberg-Brauerei aus Donaueschingen war zu groß. Eine Zeit lang befand sich in der Bickenstraße noch das Bräustüble, später wurde ein Texas-House eingerichtet. Seit einigen Jahren steht die Gaststätte leer.

Im Sanierungsgebiet

Der Bereich liegt im Sanierungsgebiet Färberstraße/Münsterplatz, der knapp 4,5 Hektar groß ist. Vorteile einer geförderten Stadtsanierung: Eigentümer erhalten Zuschüsse oder können ihren Umbau steuerlich abschreiben. Aber: Sie müssen eine vertragliche Vereinbarung abschließen. Die Arbeiten müssten laut Satzung der Stadt bis Ende Dezember 2019 durchgeführt werden, eine Verlängerung dieser Frist ist grundsätzlich möglich. Es handelt sich wie die gesamte Innenstadt, die als Ganzes unter Denkmalschutz steht, um einen besonders sensiblen Bereich.