Christiane Bär-Benzing bezeichnet es als Lebenseinstellung: Seit Jahren versorgt die Narkoseärztin aus Villingen kranke Menschen in Nepal. Dafür reist sie regelmäßig in ein Krankenhaus in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu. Erst Anfang April kam sie von ihrem letzten freiwilligen Arbeitseinsatz zurück und berichtet nun dem SÜDKURIER von ihren Erfahrungen. Ihre Freundin Magda Grießhaber sammelt gemeinsam mit ihren Arbeitskolleginnen für das Projekt im Teehaus "Teema" in Villingen Spenden. In den vergangenen 12 Monaten kamen rund 1800 Euro zusammen. Geld, das Bär-Benzing dringend benötigt.

Vor Ort erlebt die Anästhesistin auf jeder Reise viel Positives: Menschen, die immer freundlich und fröhlich sind, die stets ein Lächeln und einen Willkommensgruß auf den Lippen haben und mit Inbrunst ihre religiösen Feste feiern. ,,Sie haben die Mentalität, auch in schlechten Zeiten nach vorne zu schauen und sie sind Entbehrungen gewöhnt", schildert die Ärztin.

Es gibt aber auch Schattenseiten: Bär-Benzing erzählt von einer Frau, die mit schwersten Brandverletzungen ins Krankenhaus kam. "Das Dorf, in dem sie lebt, befindet sich auf 5000 Meter Höhe", berichtet Bär-Benzing. Ihre verletzte Patientin hätte einen Fußmarsch über fünf Tage auf sich genommen, um zu einer Bushaltestelle zu kommen. Danach seien weitere zwei Tage vergangen, bis sie das Krankenhaus erreichte. "So etwas passiert in Nepal und das ist kein Einzelfall", sagt die freiwillige Helferin.

Die Narkoseärztin behandelt im Krankenhaus Sushma Koirala Memorial Hospital in Kind mit einem Klumpfuß. Die Klinik ist auf plastische Chirurgie spezialisiert. Bild: Bär-Benzing
Die Narkoseärztin behandelt im Krankenhaus Sushma Koirala Memorial Hospital in Kind mit einem Klumpfuß. Die Klinik ist auf plastische Chirurgie spezialisiert. | Bild: Bär-Benzing

Ihre Vision: Das Krankenhaus soll sich irgendwann alleine tragen. "Wir haben zwar schon viel erreicht, bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich bin aber optimistisch, dass wir das schaffen", so die Ärztin. Eine wichtige Aufgabe sei es nepalesische Ärzte auszubilden. Gerade sei ein künftiger Facharzt dank Spendengelder nach China gereist, um dort zu lernen.

Medikamente für Spenden

Medikamente und hochwertiges medizinisches Zubehör sind in Nepal Mangelware. Deshalb beschafft sich die Anästhesistin noch in Deutschland das Material, mit dem sie Nepalesen verarztet. Ein wichtiges ärztliches Utensil ist beispielsweise eine Spritze, die verbranntes Gewebe und Blut abpumpt. "Wir haben so viele Menschen, die mit Verbrennungen zu uns kommen. Ohne diese Pumpe aus Deutschland hätten die meisten keine Chance", schildert sie die Situation in dem Himalaya-Staat. Christiane Bär-Benzing zeigt sich sichtlich dankbar: "Ich freue mich jedes Mal über die vielen Menschen, die spenden."

Sammeln seit vielen Jahren

Magda Grießhaber, Inhaberin des Teehauses und fleißige Spendensammlerin, kennt die Narkoseärztin schon seit einigen Jahren. "Wir haben uns damals hier im Teehaus kennengelernt. Das war kurz nach der Eröffnung", berichtet sie. Seitdem seien die Beiden gut befreundet. Nach jedem Einsatz bringt Bär-Benzing neue Fotos aus dem Himalaya-Staat mit und erzählt von ihren Erfahrungen. "Wenn ich die Geschichten aus Nepal höre, dann werde ich immer sehr emotional", meint Grießhaber. Das sei für sie und ihre Arbeitkolleginnen aber wichtig: Auf die Art können sie ihren Kunden genau erklären, wofür die Spenden ausgegeben werden und welche Fortschritte das Krankenhaus Sushma Koirala Memorial Hospitals (SKM-Hospital) macht.

Christiane Bär-Benzing, gemeinsam mit Magda Grießhaber und Kollegin Anja Zwirn-Giesser im Teehaus "Teema". Bild: Sebastian Küster
Christiane Bär-Benzing, gemeinsam mit Magda Grießhaber und Kollegin Anja Zwirn-Giesser im Teehaus "Teema".r | Bild: Sebastian Küster

Tüten für guten Zweck

"Für jede Papiertüte verlangen wir 20 Cent. Das geht direkt in die Spendenbox", sagt Grießhaber. Darüber hinaus verlangen die Tee-Verkäuferinnen eine kleine Spende, wenn sie die Ware als Geschenk verpacken sollen. Wichtig sei es mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und ihnen zu erklären was am anderen Ende der Welt passiert. Man müsse für die dramatischen Zustände ein Bewusstsein schaffen. Wenn die Kunden des Teehauses merken, dass jemand mit Herzblut dabei ist, dann seien sie bereit zu geben.

Das Krankenhaus

Seit einigen Jahren nimmt die Anästhesistin bis zu vier Wochen ihres Urlaubs, um im Krankenhaus SushmaKoirala Memorial Hospital (SKM-Hospital) zu helfen. Die Klinik wurde mit vielen Spenden aus Deutschland errichtet und befindet sich in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu. Es hat sich auf Plastische- und Wiederherstellungschirurgie spezialisiert. Vor allem schwere Brandverletzungen und Missbildungen wie Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalten werden dort behandelt. Für westliche Ärzte wie Christiane Bär-Benzing ist es seine Herausforderung.