Das Landgericht Konstanz hat einen 55-jährigen Sizilianer mit Zweitwohnsitz in Solothurn in der Schweiz wegen Drogenhandels zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In dem reinen Indizienprozess ging es um die Anbahnung eines Geschäfts mit zwei bis drei Kilogramm Kokain im Wert zwischen 35 000 und 37 000 Euro und um die Beteiligung an Preisverhandlungen über ein geplantes Geschäft mit 20 Kilogramm Marihuana.

Die Drogen sollten unter anderem im Raum Villingen-Schwenningen gewinnbringend verkauft werden. Drahtzieher soll der 57-jährige Gastwirt Placido A. gewesen sein, der sich seit September vorigen Jahres im sogenannten Mafia-Prozess vor dem Landgericht Konstanz verantworten muss.

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Der Gastwirt Placido A. aus Tuningen, den Ermittler als Mafia-Boss in der Region verdächtigen, war unlängst auch anderweitig in die Schlagzeilen geraten. Im OB-Wahlkampf in Villingen-Schwenningen im Herbst 2018 hat ein Bürger behauptet, dieser Gastwirt habe vor einigen Jahren den damaligen Tuninger Bürgermeister Jürgen Roth und jetzigen OB der Doppelstadt bestochen, um eine Baugenehmigung für seine Hauserweiterung zu bekommen.

Die Anschuldigung schlug hohe Wellen, wurde aber nicht erhärtet. Der Fall ist seit kurzem abgeschlossen. Der Urheber der Anschuldigungen hat inzwischen seine Behauptungen zurückgenommen und sich bei Roth entschuldigt. Roth hatte daraufhin seine Strafanzeige fallen gelassen.

Der jetzt verurteilte 55-Jährige hat die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bis zuletzt bestritten. Das Gericht hielt ihn aber aufgrund umfangreicher abgehörter oder aufgezeichneter Dialoge mit A. für überführt. Daraus ging hervor, dass der 55-Jährige Anfang 2017 mit einem weiteren Kollegen im Wagen des A. zur Abwicklung des Kokain-Geschäfts in die Niederlande fuhr. Dafür wurde er von A. für den Fall von Komplikationen mit einer Waffe und mit Munition ausgestattet.

Ob das Geschäft tatsächlich zustande kam, konnte nicht ermittelt werden. Für den Gesetzgeber gilt jedoch bereits die konkrete Planung von Drogengeschäften als vollendeter Handel. Im gleichen Zeitraum war der 55-Jährige laut Gericht zusammen mit A. in Stuttgart an Preisverhandlungen für den Einkauf des Marihuanas beteiligt, das 50 000 Euro kosten sollte. Die Drogen sollten beschafft werden, um sie gewinnbringend im Raum Villingen-Schwenningen, in der Schweiz und in Italien zu verkaufen.

Die beiden Verteidiger, die einen Freispruch für den 55-Jährigen forderten, waren in dem Strafprozess mit mehreren Beweisanträgen gescheitert. Sie hatten die Nutzung der in Deutschland gewonnenen Ermittlungsergebnisse der italienischen Polizei als Beweismittel für unzulässig erklärt und die Vernehmung weiterer Zeugen gefordert.