Dass vor der Klosterringschule und dem Montessori-Kinder am Villinger Innenring zum Schutz der Kinder von der Stadt zwei kurze Tempo-30-Abschnitte ausgewiesen wurde, hat sich bei vielen Autofahrern noch nicht herumgesprochen. Bei einer Geschwindigkeitskontrolle am vergangenen Montag fuhren fast 20 Prozent der Autofahrer am Benediktinerring in die "Radarfalle" der Stadt. Die Resonanz war teilweise äußerst negativ. Die Mitarbeiter des zuständigen Bürgeramtes seien von einigen Autofahrern "übelsten Beschimpfungen" ausgesetzt gewesen, berichtete die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage.

  • Nicht verinnerlicht: Reaktionen von Autofahrern, die auch beim SÜDKURIER eingingen, deuten darauf hin: Viele Autofahrer haben die Geschwindigkeits-Reduzierung auf dem Villinger Innenring noch nicht verinnerlicht. Gerade auch ältere einheimische Autofahrer nahmen die Änderung nicht wahr, weil sie routinemäßig mit 50 Stundenkilomter unterwegs sind und es dann an Aufmerksamkeit fehlt, die neuen Schilder wahrzunehmen. "Ich habe sie bisher gar nicht gesehen", gestand ein erfahrener Verkehrsteilnehmer.
  • Gut sichtbar: Dabei hat die Stadt vor der Klosterringschule am Klosterring und der "Kindervilla, dem Montessori-Kindergarten große Schilder mit Tempo 30 aufgestellt, die eigentlich nicht zu übersehen sind. Mehr könne man nicht tun, erläuterte die Pressesprecherin der Stadt, Madlen Falke. Die neuen Tempo 30-Zonen seien auch ausreichend kommuniziert worden. Spezielle Warnleuchten, so erläuterte sie weiter, werden nur dort eingesetzt, wo es ganz klare Gefahrenlagen gibt, wie auch bei der Feuerwehrzufahrt in der Schulgasse, da hier mit entgegenkommenden Feuerwehrfahrzeugen zu rechnen ist, wenn diese im Einsatz sind. Oder an Ampeln mit besonders gefährlichen Kreuzungen. An Verkehrsschildern, die auf eine Geschwindigkeitsreduzierung hinweisen, sei das nicht üblich.
  • 3375 Autos gemessen: Die Autofahrer, die am Montag geblitzt wurden, dürften die neue Regelung inzwischen verinnerlicht haben. Die mobile Geschwindigkeitsmessanlage der Stadt war an der Kindertagesstätte Kinder-Villa im Benediktinerring zu den Kindergartenzeiten von 6.30 bis 13.15 Uhr aufgebaut worden. Nach Angtaben der Sadt wurden 3375 Fahrzeuge gemessen, davon waren 619 zu schnell unterwegs. Die Verstoßquote liegt damit bei 18,31 Prozent. Drei Fahrzeuge waren deutlich zu schnell, statt Tempo 30 fuhren sie zwischen 56 und 60 Stundenkilometer. 75 Fahrzeuge sind schneller als 46 Stundenkilometer gefahren, 477 Fahrzeuge waren bis 15 Stundenkilometer zu schnell. 66 Messungen waren laut Stadt nicht verwertbar, was bei einer Messung über zwei Spuren vorkommen kann, wenn etwa zwei Fahrzeuge so nebeneinander fahren, dass man ein Kennzeichen oder den Fahrer nicht klar erkennen kann. Ab einer Geschwindigkeit von 36 Stundenkilometer wird in der Tempo 30-Zone verwarnt – der Bereich darunter fällt unter Toleranz. Zwei Fahrzeuge wurde mit über 30 Stundenkilometer zu schnell – "ausgerechnet diese beiden Fahrzeuge konnten bedauerlicherweise aufgrund der Verwertbarkeit aber nicht als Verstoß verfolgt werden", so die Stadt.
  • Gemischte Bilanz: Das Bürgeramt zieht von der Messaktion eine gemischte Bilanz: Einerseit wird "eine erhöhte Verstoßquote" festgestellt, andererseits bewege sich der Großteil der Tempoübertretungen in einem Bereich von bis zu 15 Kilometer pro Stunde und dies in einem niedrigen Geschwindigkeitsbereich. "Raserei" mit Geschwindigkeiten weit über 50 Stundenkilometer seien bei dieser Messung nicht festzustellen gewesen.
  • Von Anliegern gefordert: Grundsätzlich weist die städtische Ortspolizeibehörde darauf hin, dass die Forderung für Tempo 30 "ausdrücklich, sogar durch eine Petition untermauert, von der Bevölkerung als auch von unterschiedlichen politischen Lagern forciert wurde und wird". Einige Anlieger wollten sogar noch eine größere Tempo-30-Zone in diesem Bereich wegen nächtliche Rasereien, nach dem kürzlich zwei Motorradfahrer an einem Wochenende auf dem Innenring tödlich verunglückt waren. Damit einher, so die Behörde, sei ebenfalls die Forderung ergangen, dass an diesen Stellen auch kontrolliert werden müsse. "Das setzt das Bürgeramt um, allerdings nicht nur an diesen Stellen, sondern im gesamten Stadtgebiet. Wir erfüllen damit die Forderungen und kommen unserer Pflicht nach, Geschwindigkeitsüberwachung durchzuführen." Wöchentlich werde auch die Blitzerstandorte, zumindest eingeordnet in die Bereiche, bekannt gegeben, so auch die Messung am Montag. "Gleichzeitig ist das Bürgeramt übelsten Beschimpfungen, auch gerade aktuell zur Messung am Montag, ausgesetzt", berichtet die Stadt. Es wurde von Bürgern schnelles Handeln gefordert, das sei umgesetzt worden.