Die Idee schien perfekt: Mit Freibier Männer an den Stammtisch locken. Doch zum monatlichen Treffen der Villinger Regionalgruppe „A Brige un Breg„ der alemannischen „Muettersproch-Gsellschaft“ kamen wieder nur Frauen – mit Ausnahme des SÜDKURIER-Volontärs. „Das mit dem Freibier war ja wohl ein Reinfall. Hoffentlich haben die Männer nicht gedacht, dass es eine Anmache sein sollte oder was auch immer“, sagt die Leiterin der Gruppe Bärbel Brüderle nach dem Treffen.

Brüderle leitet die Gruppe seit ihrer Gründung 1995. „Eigentlich wollte ich das nur für ein Jahr machen und jetzt bin ich seit bald 25 Jahren dabei“, sagt sie und lacht. Wie bei der „Muettersproch-Gsellschaft“ steht auch bei den Regionalgruppen die Pflege und Erhaltung der Mundart im Vordergrund.

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„A Brige un Breg„ – der Name steht für die Flüsse Brigach und Breg – organisiert zweimal im Jahr öffentliche Veranstaltungen in Villingen, etwa Dichterlesungen oder Konzerte – immer auf Mundart, versteht sich.

Daneben ist die Gruppe auch an der Museumsnacht präsent und trifft sich an jedem dritten Dienstag im Monat zum Stammtisch. Dieser fand diesmal nicht wie gewohnt im Café am Riettor, sondern im Sudhaus statt. Wie der SÜDKURIER-Besuch zeigt, geht es dabei sehr gesellig und lustig zu und her. Bärbel Brüderle liest Kurzgeschichten und Gedichte auf Mundart vor, es werden Witze erzählt und vor allem wird viel gelacht.

Nicht nur „Alemannen“ sind willkommen

Unter denen, die mitlachen und „mitschwätze“ sind nicht nur waschechte Alemanninen anzutreffen. Ingrid Hoge zog als Kind mit ihrer Familie vom Rheinland in den Schwarzwald. „Anfangs musste ich den anderen Kindern sagen, dass sie mit mir Hochdeutsch sprechen sollen, da ich kein Wort verstanden habe“, erzählt Hoge. Bis heute spricht sie keine Villinger Mundart.

Trotzdem nimmt sie an den Stammtischen von „A Brige un Breg„ teil. „Ich bin durch eine Freundin hier gelandet. Zunächst hatte ich schon Mühe, die Gedichte zu verstehen, aber inzwischen geht es. Und es ist einfach ne sehr nette Clique“, so Hoge.

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„Vielmal schwätze mir vor allem“, beschreibt Bärbel Brüderle den Stammtisch. Diesmal hat sie als Kurzgeschichte extra „eweng was männerlastiges vorbereitet.“ Ein Mann erzählt, wie er es hingekriegt hat, dass seine Frau ihn nicht mehr anschrie, wenn er spätabends betrunken von seiner Stammkneipe heimkehrte.

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„Mol gucke, wa kunnt“

Es sei nicht so, dass die Gruppe generell unter Männermangel leide, sagt Brüderle: „Bei unseren 140 Mitgliedern hält es sich ungefähr die Waage. Nur zum Stammtisch kommen die Männer nicht.“ Früher sei das anders gewesen, aber leider hätten sie sich inzwischen von zehn männliche Stammtischgästen verabschieden müssen – krankheits- oder altersbedingt.

Doch es gibt Hoffnung, wie Brüderle am Tag nach dem Treffen per E-Mail schreibt: „Der Sudhaus-Wirt versprach uns Unterstützung.“ Er kenne viele Gäste, die sich für ihre Aktivitäten interessieren könnten. „Sell wurd sich deno wiise, mir werets verwarte könne, mol gucke, wa kunnt“, so Brüderle (Das wird sich dann zeigen, wir werden es abwarten können, mal schauen, wie es sich entwickelt).