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Heinrich Schwab

Heinrich Schwab ist am 31. März 1885, in der Wohnung der Eltern in Villingen geboren. Er besuchte ab dem Schuljahr 1895/96 das Realgymnasium. 1902 erhielt er sein Reifezeugnis. Es folgten Lehr- und Wanderjahre, in denen er nur wenige amtliche Spuren hinterließ. Am 29. August 1901 wird ihm ein Staatsangehörigkeitsnachweis ausgestellt. Als Geburts- und Heimatort ist Villingen eingetragen, als Bestimmungsort Mülheim an der Ruhr. 1910 wollte er mit seinem Bruder David ein Warenhaus in Donaueschingen oder Neustadt gründen, was sich jedoch verzögerte. 1910 kaufte er das Grundstück Rietstraße 40 von seinem Vater. Dann kam der 1. Weltkrieg. Schon bald erkrankte Heinrich an der Spanischen Grippe, was zu Schäden seines Gehör- und Sehvermögens führte.

Namen der Personen siehe in den Dateinamen.
Namen der Personen siehe in den Dateinamen. | Bild: Fröhlich, Jens

Zurückgekehrt aus Lazaretten schloss er sich der Narrozunft an und blieb treues Mitglied, bis Juden unerwünscht waren. Im Juni 1921 eröffnete er in der Rietstraße 14 ein Wäschegeschäft und eine Kurzwaren-Großhandlung. Nach dem Tod des Vaters war Heinrich die wesentliche Stütze der Familie. Er sorgte mit seiner Stiefmutter auch für deren beide Kinder. Nachdem er sein Geschäft verkaufen musste, war er ohne Verdienstmöglichkeiten. Am 22. Oktober 1940 wurde er nach Gurs deportiert. Bemühungen um eine rettende Schiffspassage scheiterten. Zusammen mit seinem Bruder Sally wurde er am 4. März 1943 mit dem „Convoi 50“ von Drancy ins Vernichtungslager Majda-nek verschleppt und ermordet.

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Martha Schwab

Martha Schwab ist die Halbschwester von Heinrich. Sie kam am 6. Februar 1894 zur Welt. In einem Brief aus dem Lager Gurs schrieb sie: „Wie ihr wisst, sind wir am 22. Oktober 1940 von unserem Daheim in der Rietstraße 40 abgeholt worden. Innerhalb einer Stunde mussten wir fertig sein. Was nimmt man in solcher Aufregung mit? Nur das Aller-Allernotwendigste, denn es hieß, wir müssten alles selbst tragen. So wurden meine Brüder Heinrich, Sally und ich unter Bedeckung zunächst zur Gestapo in einen Keller geführt. Die Schlüssel waren abgenommen, die Haustür und das Schlüsselloch mit weißen Streifen versehen. Als wir ankamen, waren schon einige Leute da.

Symbolischer Stolperstein für Lotte Schwab
Symbolischer Stolperstein für Lotte Schwab | Bild: Fröhlich, Jens

So wussten wir auch, worum es sich handelte. Von Villingen waren alle elf dabei. Wir warteten bis in den Abend.“ Gegen 22 Uhr sei die Gruppe dann zu einem Schuppen beim Güterbahnhof gebracht worden, wo ein Zug mit 60 Wagen eingefahren sei. „Als wir erst nach Offenburg, dann nach Freiburg und schließlich gegen Breisach fuhren, wussten wir, dass es nach Westen ging. Eine Erleichterung“, ist in ihrem Brief zu lesen. Vier Tage lang seien sie unterwegs gewesen bis sie kalt und nass im Lager Gurs ankamen. „Da wir nicht angemeldet waren, war ja auch nichts für uns gerichtet“, schreibt sie abschließend. Zusammen mit ihren Brüdern Sally und Heinrich wurde sie am 26. Februar 1942 von Gurs ins Konzentrationslager Majdanek gebracht, wo sie am 4. März 1942, am Tag ihrer Ankunft, ermordet wurden.

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Sally Schwab

Sally Schwab ist ein echter Villinger. Hier erblickte er am 1. März 1886 in der Rietstraße 2 das Licht der Welt. Er wuchs auf und machte sich später auf Wanderschaft. Über Gengenbach, wo er eine kaufmännische Lehre abschloss, ging es in den Norden nach Osnabrück. Seine Frau Martha Stern lernte er 1927 in Nürnberg kennen. Kurz darauf wurde geheiratet und Tochter Lotte kam 1928 zur Welt. Doch lange hielt das Familienglück nicht an. Martha starb 1932 an einer Lungenentzündung. Die Tochter war gerade vier Jahre alt. Es kam noch schlimmer: Unter den Nazis verlor er seine Arbeit. 1933 wurde er verhaftet. Kaum entlassen, folgte 1938 die erneute Festnahme. Bis 1939 war er in Dachau in Haft. Danach ging er zurück nach Villingen zu seinem Bruder Heinrich.

Namen der Personen siehe in den Dateinamen.
Namen der Personen siehe in den Dateinamen. | Bild: Fröhlich, Jens

Dort wohnten auch seine Tochter und Schwester Martha. Die Repressalien wurden immer größer. Lotte kam zu Verwandten nach Freiburg. Am 22. Oktober 1040 wurden Heinrich, Martha und Sally aus Villingen nach Gurs deportiert, Lotte aus Freiburg. Im Lager trafen sie sich wieder, mussten jedoch getrennt leben. Es gelang, Lotte in ein Kinderheim zu verlegen. Von dort konnte sie 1941 mit einem Kindertransport in die USA ausreisen. Über das Lager Noe kam Sally wieder nach Gurs, wenige Tage später nach Drancy und von dort in den Osten. Es war eine lange Reise im Viehwagen über Riga in das Lager Lublin-Majdanek, wo Sally, Martha und Heinrich sofort ermordet wurden.

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Lotte Schwab

Lotte Schwab wurde am 12. März 1928 in Nürnberg geboren. Schon 1932 starb ihre Mutter an den Folgen einer Lungenentzündung. 1933 wurde ihr Vater Sally Schwab arbeitslos und bald darauf verhaftet. Ihre Tante Martha und Onkel Heinrich nahmen sie in Villingen auf. Getrennt vom Vater wuchs sie auf. Erst später kam ihr Vater aus der Haft zurück. Eine besondere Bezugsperson soll ihre vier Jahre ältere Cousine Rita gewesen sein, die im selben Haus wohnte. Ab Ostern 1938 durfte Lotte nicht mehr in die Schule gehen. Ein ganzes Jahr wurde sie zuhause von Onkel Heinrich unterrichtet. Danach kam sie nach Freiburg in eine jüdische Pension, um dort wieder die Schule besuchen zu können. Am 22. Oktober 1940 holte sie die Gestapo nach einem Fliegeralarm für den Transport nach Gurs ab.

Symbolischer Stolperstein für Lotte Schwab
Symbolischer Stolperstein für Lotte Schwab | Bild: Fröhlich, Jens

Im Lager traf sie ein letztes Mal ihren Vater, der später verlegt wurde. Lotte selbst kam im Januar 1941 in ein Kinderheim in Chateau Chabannes in der Nähe von Vichy. Von dort konnte sie im September 1941 mit einem Kindertransport der Quäker in die USA ausreisen. Das Schiff nach Amerika hieß Mutento. Viele Kinder am Hafen trugen Schilder mit Nummern und Namen um den Hals. Lotte wurde von einer einer Cousine des Vaters in Mount Vernon, nahe New York, aufgenommen. Es waren fremde Leute für sie, dazu eine neue Schule, eine fremde Sprache, unvertraute Sitten und Gebräuche. Sie wusste zudem nicht, was mit meinem Vater und ihren Verwandten geschehen war.

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