Die Umgestaltung des ehemaligen Kasernengeländes Lyautey in ein Wohngebiet läuft noch nicht nach Wunsch. Ursprünglich war vom Investor DBA vorgesehen, im Frühjahr mit einem ersten Bauabschnitt zu beginnen. Jetzt soll der Baustart im vierten Quartal, also zum Jahresende, erfolgen. Hauptursache: Es musste umgeplant werden. In ihrer Planung massiv behindert sieht sich das Wohnbauunternehmen DBA aus Baden-Baden außerdem durch die Denkmalschützer.

  • Umplanungen: Der Investor DBA sah sich veranlasst, gemeinsam mit den städtischen Ämtern den Bebauungsplan für das Gebiet in einigen Punkten zu überarbeiten. Einige Details der ursprünglichen Planung hätten nicht ganz gepasst und seien bei der Detailplanung der einzelnen Baufelder korrigiert worden, berichtet Uwe Birk, der Unternehmensvorstand der Bauwert AG, auf SÜDKURIER-Anfrage. So werde die Tiefgarage deutlich größer werden als ursprünglich gedacht und auch mehr Besucherparkplätze geschaffen. Die Planungsänderungen müssen nun von der Stadt in den Bebauungsplan neu eingearbeitet und dann erneut vom Gemeinderat genehmigt werden. Dies habe den Baustart verzögert.
  • Zorn aufs Denkmalamt: Ein weiteres Problem ist der erwähnte Denkmalschutz. Konkret geht es dabei um die drei großen Kasernengebäude, die vor dem Ersten Weltkrieg in den Jahren 1913/14 für die kaiserliche Armee entlang der Kirnacher Straße errichtet wurden. In diesen denkmalgeschützten Gebäuden will das Wohnbauunternehmen aus Baden-Baden nach einer Kernsanierung rund 150 Wohnungen schaffen.

Doch bei der Art der Gestaltung, so berichtet Uwe Birk, seien die Vorstellungen seines Unternehmens ein ums andere Mal vom Landesdenkmalamt abgelehnt worden. Streitpunkte seien vor allem die Größe der Balkone und die der Dachausschnitte für die oberen Wohnungen. Dunkle Dachgeschosswohnungen, so der Wohnbau-Experte, seien aber nicht zu verkaufen. Die Denkmalbehörde habe sich hier „völlig unflexibel und unkooperativ verhalten“, beklagt er. „So was habe ich noch nicht erlebt.“ Er hoffe, dass die Stadt sein Unternehmen in dieser Sache unterstützen werde. Villingen benötige ja dringend neuen Wohnraum.

  • Blockiert die Stadt? Das Denkmalamt Freiburg ließ auf SÜDKURIER-Nachfrage dazu mitteilen, „dass wir uns nicht zu laufenden Verfahren äußern können“. Verfahrensträgerin sei außerdem die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt VS. Das wiederum würde bedeuten, dass es eine Abteilung der Stadtverwaltung VS selbst wäre, die dem Wohnbauvorhaben die Steine in den Weg legt. Seitens der Stadt war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Die Dienststellen waren am Dienstag wegen der Auszählung zur Kommunalwahl noch geschlossen.
  • Wie es weitergeht: Ungeachtet dieser Probleme plant der Investor mit Volldampf weiter. Für vier neue Wohnblocks mit rund 80 Wohneinheiten, die nördlich des Exerzierplatzes gebaut werden, habe die Stadt bereits Baurecht erteil, berichtet Uwe Birk. „Dafür stellen wir im Juni den Bauantrag“, kündigt er an. Im vierten Quartal 2019 soll es dort losgehen, möglichst ebenso mit dem Bau der Tiefgarage. Im nächsten Schritt sollen dann rund 20 sozial geförderte Wohnungen in den kleineren Gebäuden entlang der Richthofenstraße entstehen.
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  • Erschließung unklar: Unsicher ist außerdem, wann die Richter-Gruppe, die weitere 16,7 Hektar des einstigen Kasernenareals im nördlichen Bereich gekauft hat, endlich bauen wird. Vertraglich vereinbart ist mit der Stadt, dass die Richter-Gruppe die Neuerschließung des gesamten einstigen Kasernengeländes über den Innovationspark (ehemaliges Saba-Gelände) durchführen wird. Dass sich diese Erschließung erheblich verzögert, liegt indes am holländischen Baukonzern Ten Brinke, der in dieses Projekt als Partner eingestiegen ist.

Die Holländer würde dort gerne 245 Wohneinheiten in drei Bauabschnitten errichten und diese an einen Investor, der den Vertrieb der Wohnungen an die Endkunden übernimmt, im Paket verkaufen. Derzeit sondiert Ten Brinke immer noch, ob es dafür Investoren gibt. Erst wenn diese Frage bejaht ist, soll die Erschließung starten, berichtet Patrick Rößler, Projektmanager bei der Richter-Gruppe. Er hofft, dass mit der Erschließung bis in einem Vierteljahr angefangen werden kann.

  • Plan B: Auf diese Aussagen will sich die DBA-Wohnbaugesellschaft auf dem Nachbargrundstück nicht verlassen. „Wir haben für unser Gelände inzwischen einen Plan B entwickelt“, berichtet Uwe Birk. Dieser soll die Wasser- und Abwasserversorgung des südlichen Quartiers sicherstellen, falls es mit der Erschließung von der nördlichen Seite Verzögerungen geben sollte. „Da wollen wir nicht von einem Dritten abhängig sein.“