Sie haben es zwei Tage früher erfahren als der Rest der Bevölkerung: die sensiblen Einrichtungen im Zentralbereich, in denen Kinder, Alte oder Kranke untergebracht sind. So informierten Stadtwerke und Gesundheitsamt den Awo-Schulkindergarten, das Schwarzwald-Baar-Klinikum oder die geriatrische Reha-Klinik über das verunreinigte Wasser bereits am Donnerstagnachmittag. Walter Kopp, Leiter des Schulkindergartens für körper- und sprachbehinderte Kinder, reagierte schnell: Er ließ die Mineralwasser-Vorräte nicht nur auffüllen, sondern orderte zusätzliche Flaschen. Dann instruierte er Pädagogen und das Bistro-Personal. Diese Woche muss die Einrichtung noch durchstehen. Dann sind Ferien. Bis zum 2. November habe sich dann hoffentlich die Situation wieder normalisiert.

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Das hoffen nicht nur er, sondern viele Haushalte in den betroffenen Villinger Gebieten. Wieder coliforme Bakterien, die möglicherweise krank machen können. Wie 2017 und 2018. Bei jüngeren, älteren oder kranken Menschen ist bei diesen Keimen besondere Vorsicht geboten. Daher müsse das Wasser im Zentralbereich, in Teilen des Wohngebiets Wöschhalde, des Vorderen Eckwegs, Marbachs, Zollhaus und in ganz Obereschach, Weilersbach, Nordstetten und Dauchingen auch weiterhin abgekocht werden, teilt Susanna Schmidt, Sprecherin der Stadtwerke (SVS) mit. Seit Samstag werden zudem verschiedene Netzbereiche gechlort. Aktuell überprüfen die Mitarbeiter der SVS-Wasserabteilung, ob das Chlor gut durch das Netz gespült und das Wasser somit desinfiziert werde. Erst wenn nacheinander drei befundfreie Proben vorliegen, könne Entwarnung gegeben werden. Das Prozedere werde voraussichtlich noch diese Woche in Anspruch nehmen.

Betroffen ist von der Trinkwasserverunreinigung auch der Zentralbereich mit dem Klinikum.
Betroffen ist von der Trinkwasserverunreinigung auch der Zentralbereich mit dem Klinikum. | Bild: SK

Für Walter Kopp ist der erneute Trinkwasseralarm „leider schon ein bisschen Routine“. Bereits 2017 musste die Enrichtung Vorsorgemaßnahmen treffen. Die 44 Kinder säubern ihre Hände mit Mineralwasser, auch bei der Zahnhygiene dürfe nicht das normale Leitungswasser genutzt werden. Im Bistro des Kindergartens werde darauf geachtet, dass beispielsweise Äpfel nur mit abgekochtem Wasser gesäubert werden. Das Essen komme ja glücklicherweise aus der Schwenninger Küche der Arbeiterwohlfahrt – dieser Teil der Stadt ist dieses Mal nicht vom Trinkwasseralarm betroffen.

In diesem Hochbehälter unweit des Gewerbegebiets Neuer Markt wird die Chlorierung des Trinkwassers vorgenommen.
In diesem Hochbehälter unweit des Gewerbegebiets Neuer Markt wird die Chlorierung des Trinkwassers vorgenommen. | Bild: SVS Stadtwerke

Im benachbarten Klinikum läuft bereits seit Freitagmorgen die Chlorungsanlage. Damit könne das Wasser in diesem sensiblen Bereich wie gewohnt genutzt werden, berichtet Sprecherin Sandra Adams. Aber warum wurden einzelne Einrichtungen früher als der große Rest der Bevölkerung informiert? Erstmals meldete zu diesem Zeitpunkt eine Messstelle im Zentralbereich, dass Grenzwerte überschritten waren und im Klinikum immunschwache oder verletzte Personen liegen, deren Immunsystem durch die coliformen Bakterien womöglich beeinträchtigt worden wäre. Der zweite Schritt bestand dann darin, nach der endgültigen Bestätigung der Nachprobe, die Bevölkerung zu informieren.

Über Dauerchlorung muss Aufsichtsrat entscheiden

Das ist nun bereits der dritte Vorfall mit coliformen Bakterien seit 2017 und 2018. Damals hielten die Stadtwerke die Chlorung über einen gewissen Zeitraum aufrecht, setzten sie jedoch wieder ab, da das laut Trinkwasserverordnung geltende Minimierungsgebot gelte. Dies bedeute, dass dem Trinkwasser nur das zuzugeben werden dürfe, was unbedingt notwendig sei. Anders ausgedrückt: Das Wasser soll so rein und ursprünglich gehalten werden wie möglich, erläutert Schmidt. Wird das nun anders, muss nun möglicherweise über eine dauerhafte Chlorung, wie sie in weiten Teilen Baden-Württembergs üblich ist, auch in Villingen-Schwenningen ernsthaft diskutiert werden? Die Stadtwerke-Sprecherin dazu: Solch eine weitreichende politische Entscheidung könne nur der SVS-Aufsichtsrat treffen. Und die wird viel Stoff zur Diskussion bieten.