Die Fraktionen der SPD und Grünen beabsichtigen, im kommenden Januar einen Antrag auf eine erneute Abstimmung zur Verlegung von Stolpersteinen in Villingen-Schwenningen im Gemeinderat einzubringen. Das gab Friedrich Engelke als Vorsitzender des Vereins Pro Stolpersteine VS auf der jüngsten Hauptversammlung bekannt.

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„Wir würden die Sache nicht erneut aufrollen, wenn die Erfolgsaussichten nach der Konstitution des neuen Gemeinderats überhaupt nicht gegeben wären“, so Engelke. Im Vorfeld der Abstimmung soll intensiv kommunikative Überzeugungsarbeit bei den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen erfolgen, darunter auch mit der AfD.

Der Verein Pro Stolpersteine VS mit seinem Vorsitzenden Friedrich Engelke (rechts) steht vor seinem Ziel, eine dritte Abstimmung zur Verlegung von Stolpersteinen in Villingen-Schwenningen ansetzen zu lassen.
Der Verein Pro Stolpersteine VS mit seinem Vorsitzenden Friedrich Engelke (rechts) steht vor seinem Ziel, eine dritte Abstimmung zur Verlegung von Stolpersteinen in Villingen-Schwenningen ansetzen zu lassen.

Bereits zwei Mal, zuletzt 2013, wurde im Gemeinderat diese Form der Erinnerung an die während des Nationalsozialismus in VS ermordeten Juden mit knapper Mehrheit abgelehnt. Dass bei den linken Gemeinderatsfraktionen im Hintergrund für einen erneuten Abstimmungsversuch Vorbereitung liefen, war nicht unbekannt. Wann ein konkretes Votum nach der Antragsstellung erfolgt, bleibt zeitlich jedoch nicht näher definiert.

Auf der Sitzung wurden Vereinsmitglieder bestimmt, die bei den Freien Wählern, der CDU und FDP zu einem positiven Abstimmungsverhalten argumentativ vorstellig werden sollen. Engelke persönlich übernimmt die Gesprächsführung mit der AfD, ein Gespräch Stadtrat Jürgen Schützinger (Deutschen Liga) sei aufgrund nicht gegebener Erfolgsaussichten nicht geplant. Die Initiative zu einer Gesprächsführung mit der AfD resultiert auch aus der beispielgebenden Zustimmung eines Tuttlinger-Stadtrats aus der rechtskonservativen Fraktion für das Projekt „Seebrücke“ und somit für die Aufnahme von über das Mittelmeer ankommenden Migranten im vergangenen Sommer. Der Fall wird bei Pro Stolpersteine VS als Signal für die Belehrbarkeit festgefahrener Positionen gedeutet.

Die Vereinsmitglieder wollen sich nun für die Fraktionsgespräche argumentativ noch besser wappnen. Etwa gegen den Vorwurf, dass der kreative Geist hinter dem Projekt, der Künstler Gunter Demnig, sich an der Herstellung der Stolpersteine und Messingplatten materiell bereichere oder dass insbesondere die Hausbesitzer und Einwohner der für die Verlegung bestimmter Gebäude sich durch das tägliche vor Augen führen der Erinnerungsutensilien unangemessen berührt fühlen könnten.

Insgesamt genießt der Verein Stolpersteine VS eine finanziell „sehr gute“ Lage und sei mit momentan rund 40 Mitgliedern kontinuierlich gewachsen. Analog zur durch den Verein organisierten Ausstellung „Ich kam als Gast in euer Land“ aus 2018 soll auch im kommenden Jahr eine achtwöchige Ausstellung zum Thema „Widerstand“ durch Gruppen und Personen während des Nationalsozialismus mit regionalen und überregionalen Aspekten erfolgen.

In der heißen Phase der anstehenden Diskussionen plant der Verein die Durchführung einer Podiumsdiskussion zum Thema „Erinnerungskultur“ mit Gemeinderäten, Kirchenvertretern und anderen. Für die Veranstaltung wird dringend ein Moderator gesucht. Sollte der Gemeinderat im dritten Anlauf den Stolpersteinen zustimmen, würden zunächst 19 Stolpersteine in Villingen verlegt, wobei bereits jetzt drei Stolpersteine für eine Verlegung in Schwenningen durch Patenschaften finanziell gesichert sind.