Dunkle Wolken über dem Schwarzwald-Baar-Klinikum: Ermittler des Landeskriminalamtes und der Kriminalpolizei durchsuchten am Dienstag den mit über 3000 Beschäftigten größten Arbeitgeber der Region. Ziel war nach Informationen des SÜDKURIER die von Chefarzt Werner Jung geleitete kardiologische Abteilung. Hier werden vor allem Herz- und Kreislaufkrankheiten behandelt.

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Wie es weiter aus gut unterrichteten Kreisen heißt, geht es um den Verdacht des Abrechnungsbetrugs. Konkret sollen Rechnungen gefälscht worden sein, heißt es. Ergänzt wird: "Es geht da wohl um größere Summen."

Werner Jung steht offenbar im Zentrum der Ermittlungen im Schwarzwald-Baar-Klinikum. Der langjährige Chefarzt leitet die Kardiologie und damit eine der großen Kern-Abteilungen des Hauses.
Werner Jung steht offenbar im Zentrum der Ermittlungen im Schwarzwald-Baar-Klinikum. Der langjährige Chefarzt leitet die Kardiologie und damit eine der großen Kern-Abteilungen des Hauses. | Bild: SK-Archiv

Eine völlig neue Erfahrung für die Mitarbeiter

Die Ermittler machten sich am Dienstag keine Mühe, unerkannt zu bleiben. "Es waren viele", sagt ein Augenzeuge der Aktion und schildert: "Die kamen frontal durch den Haupteingang." Ein anderer Beobachter sagt: "Das waren über dreißig Mann, die bei dieser Blitzaktion hier im Klinikum eingefallen sind." Sie sollen Professor Jung in einen gesonderten Raum gerufen haben, der unter Bewachung stand.

Berichtet wird weiter, dass die Staatsanwaltschaft Unterlagen und Computer der Kardiologie abtransportieren ließ. Mitarbeiter beobachteten dies mit erheblichem Staunen. Hier sei sehr gezielt vorgegangen worden, berichtet ein Augenzeuge.

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Das Klinikum bestätigte auf SÜDKURIER-Anfrage zweierlei: Ja, es habe eine konzertierte Aktion stattgefunden. "Staatsanwalt, LKA und Polizei waren hier", so Sprecherin Sandra Adams. Zu den Gründen des massiven Aufmarsches sagte sie: "Es gibt ein Ermittlungsverfahren gegen einen leitenden Mitarbeiter." Die Klinikumsleitung hat nach Informationen des SÜDKURIER mittlerweile in groben Umrissen die Aufsichtsratsmitglieder informiert.

Das Treiben im Klinikum bleibt davon unbeeinflusst

Landrat Sven Hinterseh, Klinik-Aufsichtsratsvorsitzender im Jahr 2018, sagte am Donnerstagabend zum SÜDKURIER, dass das Klinikum natürlich einsatzbereit und voll handlungsfähig sei. Dass in der Kardiologie am Donnerstag niemand telefonisch erreichbar gewesen sei, kommentierte er so: "Da muss ich noch einmal nachfassen." Hinterseh dementierte im Telefonat mit dem SÜDKURIER den Namen Werner Jung ebenso nicht wie Klinikumssprecherin Sandra Adams.

Hinterseh betonte: "Es gilt hier vorerst die Unschuldsvermutung." Der Landrat weiter: "Wir unterstützen die Ermittler vollumfänglich und wollen, dass die Sache rasch aufgeklärt wird im Sinne unserer Mitarbeiter und Patienten."

Schon einmal hat sich die Klinikumsleitung gegenüber der Öffentlichkeit im Ungefähren versteckt: Zum Start der bis heute noch laufenden Ermittlungen gegen Ex-Chefarzt Norbert Runkel vor etwas mehr als einem Jahr mauerte die Geschäftsführung des Klinikums ebenfalls. Ende November 2017 liefen die Ermittlungen wegen angeblicher Bargeldzahlungen an Runkel an. 

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Spekulationen bleiben nicht aus

Die große Frage im Klinikum ist jetzt: Gibt es Zusammenhänge zwischen den Ermittlungen gegen Ex-Chefarzt Runkel und der jetzigen Razzia? Vor allem die von der Klinikumsleitung bestätigte Fokussierung der "Ermittlungen gegen einen leitenden Beschäftigten" spitzt die aktuelle Vorgehensweise auf eine Person zu. Und auch jetzt wird wieder über Chefarztbehandlungen spekuliert, um welche es – so heißt es in gut informierten Kreisen – auch in diesem Falle gehen soll.

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Fakt ist: Um den Verdacht des Abrechnungsbetrugs geht es im weiteren Sinne in der Causa Runkel. Bargeldbeträge, überreicht in Umschlägen, stehen hier im Mittelpunkt des Interesses. Hat die Staatsanwaltschaft seit Ende 2017 am Ende sogar eine Spur gefunden, die von der früheren Abteilung Runkel in die neue Richtung weist? Immer wieder betonten die Staatsanwälte auf Nachfrage dieser Redaktion, es gebe noch keine abschließenden Ergebnisse. Zurückgeführt wurde dies bislang immer wieder auf Fristen und einen andauernden Schriftverkehr zwischen Anwalt und Strafverfolgern.