Halbzeit in der Bewerbungsphase für die VS-OB-Wahl am 7. Oktober. Bis zum 10. September werden im Rathaus noch Bewerbungen angenommen. Sieben Kandidaten haben sich erklärt, manch eine Bewerbung ist noch gar nicht komplett. Wir ziehen ein Zwischenfazit, wie sich die Bewerber ins Spiel bringen.Die Schlagzahl ist bei vier Kandidaten hoch. Gaetano Cristilli, Jörg Röber, Jürgen Roth und Marina Kloiner-Jung sind mit unterschiedlicher Intensität seit Wochen im Wahlkampf.

Die VS-Dörfer werden bereist, Gespräche geführt, sogar Pflegeheime bleiben nicht außen vor. Es ist die Zeit des Eher-nicht-Neinsagens, des zugeneigten Zuhörens, der Problemlösungs-Versprechen. Wahlkampf eben. Drei aus dieser Vierer-Gruppe haben kommunale Verwaltungserfahrung: Roth als Bürgermeister, Röber als Referatsleiter und Kloiber-Jung als Chefin von 150 Mitarbeitern im städtischen Bauhof.

  • Politisch ist klar: Jörg Röber hat die Grünen und die SPD hinter sich versammeln können, nicht unerwartet als Referent des Oberbürgermeisters Rupert Kubon, der politisch vor allem in diesem Spektrum verortet ist. Jürgen Roth durfte sich sehr früh schon die Zusicherung der VS-CDU ans Revers heften. Marina Kloiber-Jung erfährt Zustimmung auch aus dem Lager der Freien Wähler, sie musste als CDU-Mitglied ohne konkrete Zusage einer politischen Organisation in den Ring steigen. Die Freien Wähler wollen sich erst zum Ende der Bewerbungsfrist entscheiden, ob sie eine Bewerbung unterstützen werden. Das Lager der Freien ist gemischt, wie eigentlich immer. Es gibt Roth-Unterstützer hier, eher wenige Stimmen pro Röber und viel Sympathie für Kloiber-Jung. Die FDP-Spitze ist in der Bewerberfrage bislang ohne Positionierung. Die handelnden Personen verteilen sich auf alle drei favorisierten Kräfte.
  • Was ist die CDU-Hilfe wert? Die Unterstützung der stärksten VS-Partei hilft enorm. Monetär beispielsweise, indem sogar der Kreis- und nicht der Stadtverband 10 000 Euro in die Wahlkampf-Kasse von Roth gegeben hat. Personell hat sich die CDU ebenfalls hinter Roth gestellt. Begleitung bei Wahlkampfauftritten, Arbeit in den Sozialen Netzwerken, das alles hat der Tuninger Bürgermeister erst einmal delegieren können. Mittlerweile fällt auf: Die CDU steht nicht geschlossen hinter dem Bewerber. Es gibt christdemokratische Stadträte, die grummeln, sie hätten lieber eine Frau nominiert, es gibt andere, die einen Bewerber mit akademischem Titel bevorzugt hätten. Zur Gruppe der Doktor-Fans soll anfänglich auch Fraktionssprecherin Breuning gezählt haben, berichten gut informierte Kreise. Wie eigentlich immer, hat sie sich mittlerweile eingereiht in die Linie der Roth-Unterstützer, sehr entschlossen agiert sie, ihr letzter politischer Kampf vor dem eigenen Rückzug aus dem Gemeinderat soll erfolgreich sein, nach der verlorenen OB-Wahl vor fast acht Jahren mit dem heutigen Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek. Als einflussreichster Mann hinter den Kulissen gilt bei der CDU übrigens der Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei. Von ihm wird als CDU-Kreisvorsitzender allerdings auch ein solches Engagement erwartet.
  • Gibt es Favoriten? Erfahrene Beobachter und Parteistrategen sind sich einig. Roth, Röber und Kloiber-Jung werden klar vorne liegen am 7. Oktober. Ein Durchmarsch über die 50 Prozent-Hürde am 7. Oktober wird derzeit keinem der Drei zugetraut. Heißt: VS bekommt seinen neuen OB mutmaßlich am 21. Oktober im zweiten Wahlgang, wenn dann derjenige mit den meisten Stimmen gewinnt.
  • Kommt da noch was? Es sind noch Kandidaten in spe in der Warteschleife. Still kreisen sie über VS, zwei haben bereits abgewunken. Auch ein CDU-Bürgermeister aus einer 13 000-Einwohner-Gemeinde, der in Villingen-Schwenningen bereits vorstellig war, tritt nun wohl doch nicht an. Die VS-CDU hat das Türchen mit ihrer frühen Pro-Roth-Entscheidung unübersehbar zugezogen. Botschaft: Wir haben unseren Mann. Das schreckt andere ab, wirkt, als sei das Feld bestellt. Nach Informationen des SÜDKURIER gab es auch einen ambitionierten jüngeren Mann aus dem Oberzentrum, der gerne kandiert hätte. In Diensten der Stadtverwaltung trägt er große Verantwortung, es heißt aus innersten Kreisen, hier hätten einflussreiche Kreise im Rathaus den Daumen gesenkt und die Bewerbung im Keime erstickt. Schließlich steht fest: Das rot-grüne Spektrum will sich klar auf Jörg Röber konzentrieren.
  • Top-Mann aus Schwarzwald-Baar in Offenburg: Der von der CDU anfänglich für eine VS-Kandidatur umworbene Marco Steffens aus Niedereschach hat mittlerweile – wie vom SÜDKURIER bereits im Mai angekündigt, in Offenburg seine Bewerbung eingereicht. Er gilt in der an der Grenze zur Frankreich prosperierenden und schuldenfreien 59 000-Einwohner-Stadt als favorisiert, wie es vom Oberrhein heißt. Dem Bürgermeister von Willstätt (9000 Einwohner), Jahrgang 1978, wäre es auch als aktives CDU-Mitglied gelungen, weite Teile des bürgerlichen Lagers von VS, also Freie Wähler und Christdemokraten, hinter sich als 40-Jähriger, verheirateter Familienvater zu vereinen. Dass die Kraftzentren CDU und Freie Wähler in Villingen-Schwenningen offenkundig getrennt und auch gehörig zersplittert in die Wahl 2018 dampfen, ist ein verblüffendes Detail der politischen Gegenwart. Noch mit Antritt von Bürgermeister Detlev Bührer in VS im Mai 2015 hieß es auch von vielen Freien Wählern, CDU-Mitglied Bührer solle der gemeinsame Kandidat 2018 werden. Dass der Auserkorene nicht antreten will, hat letztlich wohl auch das Lager der Bürgerlichen gesprengt. Mit welchen Folgen, ist unabsehbar. Noch 2010 standen die beiden Kräfte offiziell vereint hinter CDU-Mann Siegfried Lorek, der sich dann dennoch Rupert Kubon deutlich geschlagen geben musste.
  • Das lange Warten auf den neuen OB: Ist VS seit Monaten eigentlich in einer politischen Warteschleife? Wer peitscht das Thema der fehlenden Kindergartenplätze einer Lösung entgegen? Schafft es OB Kubon noch, den Kauf des Mangin-Geländes in Villingen abzuschießen, was bereits im Frühjahr 2018 hätte der Fall sein sollen? Und wie sehr wird eigentlich die beabsichtigte Verwaltungszusammenfassung auf diesem Ex-Militärgelände zwischen Richthofenstraße und alter Saba-Zentrale in diesen Wochen aufgeweicht? Etliche Schwenninger murren ob dieser Villinger Platzierung des Hauptteils der Verwaltung. Und: Renate Breuning will am neuen VS-Rathaus auf Mangin-Gebiet, das so nicht heißen darf, weil die Gebäude am Münsterplatz und am Schwenninger Marktplatz weiter betrieben werden, jetzt auch noch für geschätzte 3,5 Millionen Euro einen Ratssaal applizieren. Und dies, obwohl OB-Kandidat Roth nicht müde wird zu betonen, der VS-Gemeinderat müsse aufgrund der Stadthistorie auch künftig in beiden großen Stadtbezirken abwechselnd und damit ohne festen Ratssaal tagen. Keine Frage, es ist viel Zunder drin, in dieser OB-Wahl 2018. Vor den Kulissen und erst recht dahinter.
  • Die anderen Bewerber: Es gibt noch drei weitere Personen, die eine Kandidatur angekündigt haben. Öffentliche Wahlkampfaktivitäten? Fehlanzeige. Bis auf einen Freibierausschank eines Schwenninger Gastronomen, der ebenfalls Kandidat werden will.