Ulrich Eith, Professor für Politikwissenschaften an der Uni Freiburg und bekannt als Wahlanalyst im Südwestfernsehen, hat es am Donnerstagabend nicht leicht, als er vor über 500 Gästen im Theater am Ring steht und im Rahmen des vom SÜDKURIER Medienhaus organisierten VS-Forum über die Herausforderungen in einer offenen Gesellschaft, spricht, in Zeiten, in denen populistische Parteien gesellschaftsfähig zu werden drohen.


Denn als "erster waschechte Villinger auf der VS-Forum Bühne", wie der stellvertretende Chefredakteur des SÜDKURIER, Torsten Geiling, bei der Begrüßung betont, kennt Eith wohl mindestens die Hälfte des Publikums zumindest vom Sehen. Ein Drittel sogar noch näher. "Hier sitzen", sagt Eith zu Beginn, "gefühlt 150 Klassenkameraden im Publikum". Nicht ganz so einfach also. Auch nicht einfach ist die Thematik, mit der er sich die nächste Stunde beschäftigt.

 

Eith spricht über die Politik von Angela Merkel, darüber, wie ihre Entscheidungen, sei es der Atomausstieg, die Flüchtlingspolitik oder die Ehe für alle, irgendwann in der Gesellschaft Widerstand geschaffen haben, er spricht über den gesellschaftlichen Wandel in Zeiten der Digitalisierung, über Filterblasen in sozialen Netzwerken, über das Wesen der Demokratie – "Demokratie heißt, es gibt keine Wahrheiten" – und darüber, wie sich letztlich Populismus definiert – "Populismus reduziert immer Komplexität".

Den Abend als Podcast zum Nachhören:

Dateiname : VSF033 - Ulrich Eith beim VS-Forum - Steht unsere offene Gesellschaft auf der Kippe?
Dateigröße : 116.73 MBytes.
Datum : 18.09.2017
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Es ist das Dilemma einer Demokratie: Sie verzichtet auf Wahrheit, setzt auf Verstand und garantiert so jedem seine Freiheit. Diese Freiheit jedoch, die ständigen Entscheidungen, die mit ihr einhergehen, kann auch Angst machen und überfordern. "Sehr viele Menschen suchen Stabilität und Orientierung", sagt Eith. Da setzt der Populismus an. "Die Welt wird übersichtlicher, behaglicher, wenn man weiß, was zu tun ist, wenn der Feind klar definiert ist." Die Freiheit muss man aushalten können.

Drei Lösungen hat Eith am Ende. Es sind keine, die bereits fertig gebacken nur noch ausgepackt werden müssen. Es sind solche, an denen die Gesellschaft und jeder Einzelne arbeiten muss. Erstens: Sich dessen, was Demokratie bedeutet, immer wieder bewusst werden. Zweitens: Eine positive Streitkultur schaffen, das heißt vor allem andere Meinungen aushalten können. Der dritte Punkt ist mehr ein Appell, als ein Vorschlag. "Gehen Sie wählen", sagt Eith. "Und zeigen Sie Zivilcourage. Wenn irgendwo komische Töne auftauchen, stehen sie dagegen."