Noch immer kämpft ein 18-Jähriger, der bei dem Horror-Unfall auf der Schwenninger Steig schwer verletzt worden ist, um sein Leben – drei Menschen, darunter ein Baby, kamen bei dem Frontalcrash zwischen einem BMW und einem Ford Focus ums Leben. An der Unfallstelle ist mittlerweile ein kleiner Altar entstanden, auf dem Betonsockel, in dem das Verkehrsschild verankert war, haben Menschen Blumen, Kuscheltiere und Kerzen abgelegt.

Haftstrafe für Gaffer?

Zum Unfallhergang und möglichen juristischen Konsequenzen für den Unfallverursacher schweigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft nach wie vor aus. Mit Konsequenzen muss aber ein 32-jähriger Gaffer rechnen, der zufällig zu Fuß an der Unfallstelle vorbeigekommen ist. Nach Polizeiangaben zückte er gleich sein Handy und filmte die Rettungsmaßnahmen und die beschädigten Autos.

Auch die Unfallopfer und die Bemühungen der Rettungskräfte, deren Leben zu retten, hielt der Mann mit Smartphone fest. Jetzt hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“.

Handy beschlagnahmt

Das Strafgesetzbuch sieht für ein solches Vergehen eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das Smartphone hat die Polizei beschlagnahmt. Ein Ersthelfer, der sofort angehalten und sich um die Opfer gekümmert hat, berichtete ebenfalls von Gaffern, die zum Teil sogar extra angehalten hätten. Die Leute hätten nur schauen wollen, zum Helfen habe „keiner angehalten“, so der Helfer.

Land will Gesetz ändern

Die Polizei geht mittlerweile rigoros gegen Gaffer vor, so hat vergangene Woche ein Autofahrer im Vorbeifahren auf der A81 kurz nach der Anschlussstelle Villingen-Schwenningen einen verunglückten Lkw gefilmt, der völlig ausgebrannt ist, der Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Noch schwerer wiegt die Tat, da er den Film öffentlich gemacht habe.

Mit einer neuen Gesetzesvorlage im Bundesrat will das Land Baden-Württemberg künftig auch Unfalltote vor Handy-Aufnahmen von Schaulustigen schützen. Bisher sind nur Handy-Bilder von Verletzten verboten, das Filmen und Fotografieren von Toten steht bislang jedoch nicht unter Strafe.

Das Verkehrsschild ist provisorisch wieder aufgestellt worden, der Verkehr rollt wieder normal auf der Steig.
Das Verkehrsschild ist provisorisch wieder aufgestellt worden, der Verkehr rollt wieder normal auf der Steig. | Bild: Hahne, Jochen

Große Lagebesprechung beim DRK

In einer großen Lagebesprechung wird das Rote Kreuz jetzt den Einsatz nochmals genau durchgehen und analysieren, so der Geschäftsführer des DRK Rettungsdienstes, Peter Metzger. Dies sei bei so großen Einsätzen üblich.

Dabei wird es auch um den Transport des Unfallverursachers ins Krankenhaus durch eine Privatperson gehen – eine Ärztin hatte den Ersthelfer darum gebeten. „Das ist eigentlich nicht üblich“, so Metzger, aber die Situation vor Ort könne eine solche Entscheidung notwendig gemacht haben.

Zahlreiche Rettungskräfte waren am späten Samstagabend bei dem furchtbaren Unfall auf der Steig im Einsatz.
Zahlreiche Rettungskräfte waren am späten Samstagabend bei dem furchtbaren Unfall auf der Steig im Einsatz. | Bild: Sprich, Roland

Hilfe für die Helfer

Bei der Besprechung werde man sich alles anschauen, auch die Betreuung sämtlicher Helfer. „Ein solcher Einsatz belastet jeden und hier bieten wir einfach professionelle Hilfe an“, so Metzger. Die Gespräche mit speziell ausgebildeten Leuten könne helfen, die „Last wegzubekommen“.

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Zu der Besprechung ist auch der Kreisbrandmeister eingeladen, aber grundsätzlich sitzen erst einmal die Rettungskräfte und die Ärzte am Tisch. „Die Rettung wird ja ganz anders reflektiert als beispielsweise die Bergung“, erklärt Metzger das Vorgehen. Die Zusammenarbeit der vielen Helfer an der Unfallstelle habe hervorragend geklappt, so Metzger, die Rettungshubschrauber seien aus der Schweiz gekommen: „Auch hier arbeiten wir im Grenzgebiet gut zusammen, das ist ein toller Verbund.“

Nach vier Minuten vor Ort

Nur vier Minuten nach der Alarmierung waren die ersten Rettungskräfte an der Unfallstelle: „Das ist optimal gelaufen, aber wenn es drei Tote zu beklagen gibt, sind die Kollegen trotzdem frustriert und fragen sich, was hätte man besser machen können.“ Darum sei es wichtig, alle Abläufe zu überprüfen und genau durchzusprechen. Die Verletzten sind laut Metzger in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden.