Die maroden Straßen sind seit Jahren ein echter Dauerbrenner: Die Bürger ärgern sich über die gewaltigen Schlaglochpisten, die Kommunalpolitiker diskutieren und die Verwaltung kommt mit der Instandsetzung nicht hinterher. Das Resultat dieser jahrelangen Vernachlässigung: Ein so desolates und kaputtes Straßennetz, dass jetzt sogar Baubürgermeister Detlev Bührer im Technischen Ausschuss Alarm schlägt und deutlich mehr Geld für Reparatur und Instandsetzung einfordert (wir berichteten).

  • Die Bestandsaufnahme: Angesichts von 471 Kilometer Straßen auf städtischem Gebiet reicht Geld alleine aber nicht aus, es bedarf auch einer exakten Planung, welche Straße wie repariert wird. Hier hat jetzt das Bauamt einen Antrag der Freien Wähler zum Anlass genommen und eine umfangreiche Bestandsaufnahme mit einem mittelfristigen Arbeitsprogramm zusammen gestellt. In der Doppelstadt hat man bislang als schnelle und billige Variante die Schlaglöcher geflickt und Risse und Fugen notdürftig beseitig oder die gesamte Fahrbahn grunderneuert – was mit hohen Kosten verbunden ist. Ohne das Flicken der Straßen wird es auch in den nächsten zehn Jahren nicht gehen, aber: "Dazwischen gibt es noch einige andere Sanierungsverfahren, die wir in Zukunft stärker einsetzen wollen", so Bührer. Der neue Leiter des Amtes für Straßenbau, Stadtgrün und Altlasten, Ulf Millauer, erläuterte diese Verfahren:
    In der Niederwiesenstraße sollen die Asphaltschichten ausgetauscht werden.
    In der Niederwiesenstraße sollen die Asphaltschichten ausgetauscht werden.
  • Die Schlaglochreparatur und Notinstandsetzung: "Da ist wirklich nur eine Notreparatur, nach dem nächsten Winter ist der Riss garantiert wieder da", so Millauer. Allerdings könne man einige Straßen auf diese Art und Weise gar nicht mehr flicken, sie seien zu kaputt.
    Auch die Peterzeller Straße ist in einem miserablen Zustand.
    Auch die Peterzeller Straße ist in einem miserablen Zustand.
  • Oberflächenbehandlung mit einem Splittgemisch: "Dieses Verfahren setzen wir öfter ein, allerdings ist es auch nur ein Rumdoktern", erläutert Ulf Millauer. Einige Hauptverkehrsstraßen seien so repariert worden.
  • Dünne Schichten im Kalteinbau: "Das ist ein gutes Verfahren, wenn der Unterbau der Straße in Ordnung ist, ersetzen wir die oberste Schicht im Kalteinbau. Das ist eine recht preiswerte Methode", so Millauer. Diese will die Stadt jetzt gezielter einsetzen, um in kürzerer Zeit mehr Straßen reparieren zu können. Vorgesehen sind Teilabschnitte von sieben Straßen in der Doppelstadt: Herdstraße, Weiherstraße, Peterzeller Straße in Villingen, die Niedereschacher Straße in Obereschach, die Pfaffenweiler Straße in Rietheim und die Rieten- und Schopfelenstraße in Schwenningen. "Wir können den Zustand so verbessern, dass die Straße für circa zehn bis 15 Jahre gut nutzbar und haltbar ist." Wenn diese Reparatur nicht gemacht würde, sei die Straße schnell ganz kaputt und müsste für deutlich mehr Geld instandgesetzt werden.
    Die Saarlandstraße soll angesichts dieser Schäden grundhaft erneuert werden.
    Die Saarlandstraße soll angesichts dieser Schäden grundhaft erneuert werden.
  • Die Deckenschichterneuerung, bei der die Asphaltdecke abgefräst und anschließend neu eingebaut wird, setzt die Stadt bei folgenden Straßen ein: Berliner Straße, Nordring, Vöhrenbacher Straße, Donaueschinger Straße (alle Villingen), Schubertstraße, Neckarstraße, Dürrheimer Straße und Dickenhardtstraße (Schwenningen), Neuhauser Straße (Obereschach) und Glaserstraße (Herzogenweiler). Die oberste Asphaltschicht ist ungefähr vier Zentimeter dick, die Asphaltbinderschicht sechs Zentimeter.
  • Austausch von Asphaltschichten – hier wird nicht nur die Deckschicht erneuert, sondern auch die Tragschicht. Um dieses Verfahren anwenden zu können, sind allerdings umfangreiche Untersuchungen notwendig. Die Stadt will die Niederwiesenstraße auf diese Art sanieren. Das hat der Gemeinderat schon beschlossen.
  • Die grundhafte Erneuerung ist die teuerste Variante und bedeutet, dass der gesamte Fahrbahnoberbau ausgebaut wird. Für diesen Vollausbau gibt es oft Fördergelder des Landes. Bei folgenden Straßen wird dies 2018 umgesetzt: Waldstraße, Rietstraße, Goldenbühlstraße (Villingen), Marktstraße, Auf der Lehr, Spittelstraße (Schwenningen) und Oswald-Meder-Straße (Rietheim).
  • Mehr Geld: "Wir brauchen einfach mehr Geld für die einfachen Maßnahmen, aber genau das ist es, was die Bürger registrieren", betonte Bürgermeister Bührer. Der Ausschuss empfahl dem Gemeinderat einstimmig 324 000 Euro für die schnelle Reparatur der Straßen zu genehmigen und auch 120 000 Euro für die Entwicklung eines Erhaltungsmanagements bereit zu stellen. Für die Straßenunterhaltung stehen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, die für 2018 komplett verplant sind. Die Arbeiten führen die Technischen Dienste und externe Firmen aus.
    Die Peterzeller Straße.
    Die Peterzeller Straße.
  • Die Reaktionen der Stadträte: Dietmar Wildi (CDU) betonte, dass sich dieses Problem schon lange hinziehe. Man habe immer versucht, Gelder für Straßensanierung im Haushalt einzubringen, sei aber dafür oft beschimpft worden, dass man lieber Straßen sanieren wolle, anstatt Kindergärten zu unterhalten. "Wir hoffen, dass es jetzt vorangeht und werden im Haushaltsplan gründlich schauen, was da eingestellt ist." Andreas Flöß von den Freien Wählern regte sogar an, dass die Stadt mehr Arbeiten selbst übernehmen solle, da Baufirmen zur Zeit teuer seien und oft keine Kapazitäten mehr hätten. "Da muss man jetzt sicher mal einiges investieren, aber das würde sich schnell lohnen." Unterstützung für diese Idee gab es von der SPD, wie Edgar Schurr erklärte: "Das wäre sinnhaft, da uns der Markt schon Probleme bereitet." Auch Dirk Caroli von der FDP findet diese Idee gut. Hier erklärte Bürgermeister Bührer, dass bei der TDVS schon Angebote eingeholt werden und es in absehbarer Zeit dazu detaillierte Informationen gibt. Allerdings kritisierte Schurr, dass man 30 Jahre lang das Problem verschlafen habe und es auch jetzt noch nicht gelöst sei. "Bei diesem Tempo bräuchten wir 120 Jahre, bis wir das Straßennetz saniert haben." Ziel müsste sein, in 30 Jahren alle Straßen saniert zu haben, das ginge aber nur, wenn pro Jahr 18 Kilometer geschafft würden. Das sei eine Herkulesaufgabe, stellte auch Ernst Reiser (FWV) fest. Der Kreis schaffe dies aber und saniere pro Jahr durchschnittlich zwölf Kilometer seiner Straßen und "da müssen wir auch hinkommen."
  • Sebastian-Kneipp-Straße: Diese ohnehin marode Straße hat durch die Sperrung der Richthofenstraße und der Waldstraße massiv gelitten, da hier die Umleitungsstrecke entlangführt. "Diese Straße fällt uns buchstäblich auseinander, die ganze oberste Schicht ist in Auflösung begriffen", führte Bürgermeister Bührer aus. Selbst die untere Schicht sei schon beschädigt. Es sei klar, dass diese Straße schnell grundhaft erneuert werden müsse.
    Die Sebastian-Kneipp-Straße fliegt jetzt buchstäblich auseinander, seitdem hier mehr Autos fahren, weil die Waldstraße gesperrt ist. <em>Alle Bilder: Hans-Jürgen Götz</em>
    Die Sebastian-Kneipp-Straße fliegt jetzt buchstäblich auseinander, seitdem hier mehr Autos fahren, weil die Waldstraße gesperrt ist. Alle Bilder: Hans-Jürgen Götz