Ein unerwarteter Vorstoß kommt aktuell von der FDP-Fraktion in Villingen-Schwenningen. Die Liberalen um den Bundestagsabgeordneten Marcel Klinge und Fraktionssprecher Frank Bonath beantragen eine Satzungsänderung. Sie möchten einen Bildungsbürgermeister für Villingen-Schwenningen einsetzen. Der FDP, so die Kernaussage ihrer Pressemitteilung, geht es um Bildung und Hochschulen. Darum soll sich künftig ein eigener Bürgermeister kümmern. Als geeigneten Standort sehen die Liberalen den Stadtbezirk Schwenningen an. „Schwenningen ist ein Top-Hochschulstandort, und wir haben dort Liegenschaften. Deshalb macht es aus unserer Sicht Sinn, das Amt des zweiten Bürgermeisters hier zu platzieren“, erklärt Klinge.

Die FDP VS um Marcel Klinge plädiert für einen zweiten Bürgermeister. Er soll sich um Bildung und Hochschulen kümmern.
Die FDP VS um Marcel Klinge plädiert für einen zweiten Bürgermeister. Er soll sich um Bildung und Hochschulen kümmern. | Bild: Pressebüro Marcel Klinge

Doch die Pressemitteilung lässt aus einem weiteren Grund aufhorchen. Denn nach SÜDKURIER-Informationen lotet derzeit auch Oberbürgermeister Rupert Kubon aus, ob sich ein zusätzlicher Bürgermeister durchsetzen lässt. Kubons Ziel ist es offensichtlich, seinen im Oberbürgermeister-Wahlkampf dem CDU-Kandidaten Jürgen Roth unterlegenen Referenten Jörg Röber auf solch eine Stelle zu hieven. Roth soll sein Amt am 1. Januar antreten, was dann aus Röber wird, ist seit dem zweiten Wahlgang Anlass für heftige Spekulationen. Viele Beobachter halten es für nahezu ausgeschlossen, dass er weiterhin Referent des Oberbürgermeisters bleibt.

Insofern könnte der FDP-Vorstoß auch für Röber eine Tür öffnen. Dass dies aber Ziel des Antrags sei, dementiert Klinge heftig. "Es geht uns um die Sache, nicht um Namen", betont er auf Anfrage ausdrücklich. Wenn der Antrag durchgehe, könnten sich "Herr Röber, aber auch andere bewerben", macht er klar. Zunächst sei das Ziel, dass die Stadt überhaupt einen zweiten Bürgermeister erhalte. Während der Oberbürgermeister als Chef der Verwaltung und Vorsitzender des Gemeinderats direkt von den Bürgern gewählt wird, leitet der ihm unterstellte Bürgermeister ein Dezernat, nennt sich deswegen auch Dezernent und wird vom Gemeinderat bestimmt. Derzeit hat Villingen-Schwenningen mit Detlev Bührer einen Bürgermeister, der dem Bau-Dezernat vorsteht. Doch bereits im zurückliegenden Wahlkampf vertrat zunächst die Bewerberin Marina Kloiber-Jung den Standpunkt, die Position eines Sozialbürgermeisters zu schaffen. Auch Jörg Röber plädierte zuletzt dafür. Dabei ging es neben sachlichen Argumenten darum, dass in Schwenningen ein Bürgermeister bleibt. Denn Bührer wird definitiv nach Villingen ins neue Verwaltungszentrum auf dem früheren Kasernengelände Mangin umziehen, falls es denn gebaut wird.

Für die FDP steht aber im Vordergrund, dass Bildung das zentrale Zukunftsthema sei. Schulen müssten saniert, qualifizierte Lehrer und Erzieher gefunden und digitales Lernen vorangebracht werden. Die Anstrengungen im Bildungsbereich sollen deutlich hochgefahren werden. Als wichtigen Schritt dazu schlägt die FDP VS vor, einen zusätzlichen Bildungsbürgermeister zu schaffen. FDP-Fraktionssprecher Frank Bonath sagt: Jede Stadt über 50 000 Einwohnern im Land habe einen zweiten Bürgermeister oder Beigeordneten – bis auf VS. Obwohl die FDP für eine schlanke Verwaltung stehe, mache diese personelle Aufstockung mit klarem Auftrag dennoch Sinn. Jede Investition in Bildung sei eine Investition in "unsere Kinder und damit in unsere Zukunft", erklärt VS-Stadtrat Dirk Caroli.