Villingen-Schwenningen – Seit mehr als 30 Jahren wohnt Hermann Müller in der Sebastian-Kneipp-Straße – eigentlich fühlt er sich dort wohl, wenn die Straße nicht auf ihrer gesamten Länge komplett zerfallen würde und kaputt ist. "Seit zwölf Jahren kämpfe ich für eine Sanierung, aber nichts geschieht und der Zustand der Straße wird immer dramatischer", schildert Hermann Müller, der für einige Anwohner auf seiner Seite hat, dem SÜDKURIER die Situation.

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Auf eine Anfrage bei der Pressestelle der Stadt, kommt dann am Donnerstag um 15 Uhr die überraschende Nachricht von Pressesprecherin Madlen Falke: "Die Straße wird ab Frühjahr 2020 saniert." Die Stadtwerke erneuern die Leitungen und an diese Maßnahme hängt sich die Stadt natürlich an: "Wir führen dann im Anschluss eine grundhafte Erneuerung durch", so Falke. Dies werde sicher abschnittsweise geschehen. Aber die genaue Planung liege noch nicht vor.

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  • Gute Nachricht: Für die Anwohner ist das eine gute Nachricht: Sie waren mit ihrem Latein schon am Ende: Mit verschiedenen Aktionen hat beispielsweise Hermann Müller im Laufe der Jahre versucht, auf den katastrophalen Zustand der Straße aufmerksam zu machen.
Der Straßenbelag in der Sebastian-Kneipp-Straße erinnert an einen Flickenteppich: Ab nächstes Jahr wird die Straße grundhaft erneuert. Bilder: Jochen Hahne
Der Straßenbelag in der Sebastian-Kneipp-Straße erinnert an einen Flickenteppich: Ab nächstes Jahr wird die Straße grundhaft erneuert. Bilder: Jochen Hahne | Bild: Hahne, Jochen

  • So hat er beispielsweise Radkappen, die die Autofahrer auf der Holperpiste massenhaft verlieren an Bäume gehängt. Er hat sich immer wieder an die Stadtverwaltung, das Bauamt gewendet, um sein Anliegen vorzutragen. "Ich habe auch vor sechs Wochen einen Brief an Oberbürgermeister Roth geschrieben, ich habe extra etwas gewartet, bis er eine gewisse Zeit im Amt ist", so Müller. Gehört habe er von ihm nichts, weiß jetzt aber durch den SÜDKURIER von der geplanten Sanierung.
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  • Die Ausgangslage: Die Sebastian-Kneipp-Straße ist in einem so desolaten Zustand, dass sie mit einer Dünnasphalt-Decke nicht mehr repariert werden kann. Das hat vor einem halben Jahr schon Bürgermeister Bührer im Technischen Ausschuss erklärt: "Die Straße ist so kaputt, da hilft nur eine grundhafte Erneuerung." Allerdings hat der Technische Ausschuss im November 2018 beschlossen, die Straße nicht bevorzugt zu behandeln und schnell zu sanieren.
    Sie solle im Rahmen der Straßenuntersuchung bewertet und zur gegebenen Zeit gemäß der Prioritätenliste saniert werden. In der Vorlage war die Stadtverwaltung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verkehrsbedeutung der Straße weit geringer ist, als ebenfalls sanierungsbedürftige Hauptstraßen. Jetzt hat sich durch die Entscheidung der Stadtwerke, dass die Leitungen in der Sebastian-Kneipp-Straße erneuert werden müssen, für die Stadt die Chance geboten, doch eine schnellere Sanierung durchzuführen: "Das ist eine echte Win-Win-Situation", so Falke.
    Bislang hatte die Verwaltung etwas Sorge vor einer Sanierung wegen möglichen Altlasten und Munitionsfunden in den Auffüllungen entlang der Brigach: Wahrscheinlich muss erst eine umfassende Kampfmittel-Sondierung durchgeführt werden.
Immer mehr Autofahrer weichen auf den Gehweg aus, dabei wird die Gartenmauer von Hermann Müller beschädigt.
Immer mehr Autofahrer weichen auf den Gehweg aus, dabei wird die Gartenmauer von Hermann Müller beschädigt. | Bild: Hahne, Jochen
  • Beliebte Umleitungsstrecke: Für Anwohner Hermann Müller ist die Sebastian-Kneipp-Straße keine Nebenstraße, weil sie während vieler Straßensanierungen als Umleitungsstrecke genutzt wurde. Während der Sanierung der Waldstraße, der Richthofenstraße und der Goldenbühlstraße wälzte sich ein großer Teil des umgeleiteten Verkehrs durch die marode Straße.
    Mittlerweile sei der Zustand der Straße so schlecht, dass viele Autofahrer auf den Gehweg ausweichen und so versuchen, die Schlaglöcher zu umfahren. Mit dem Resultat, dass jetzt auch die Gartenmauer von Hermann Müller beschädigt ist.
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  • Problemfall Krebsgraben: Direkt durch den Garten von Hermann Müller und dann unter der Sebastian-Kneipp-Straße durch fließt der Krebsgraben und mündet in die Brigach. Die meisten Autofahrer registrieren an dieser Stelle meistens gar nicht, dass sie über eine Brücke fahren. Aufgrund von riesigen Löchern und einer Straßenabsenkung von mehr als 20 Zentimetern fragt Hermann Müller kritisch: "Ob überhaupt noch schwere Fahrzeuge über die Brücke fahren sollten?".
    Wenn die Straße saniert werden sollte, würde die Stadtverwaltung gerne im Rahmen eines Naturschutzprojektes den Durchlass vergrößern und auch eine schwierig zu überwindende Höhendifferenz im Bachbett beseitigen. Da der Durchlass zu klein ist, könnte es vor allem bei Hochwasser Probleme geben. Für eine solche Naturschutz-Maßnahme hofft die Stadtverwaltung aber auf mögliche Zuschüsse in Höhe von 90 Prozent der Kosten.
Der Krebsgraben läuft durch den Garten von Hermann Müller, dann unter der Straße durch in die Brigach. Jeweils vor und hinter der Brücke hat sich die Fahrbahn gesenkt. Wenn die Straße saniert würde, will die Stadt den Durchfluss auf jeden Fall vergrößern.
Der Krebsgraben läuft durch den Garten von Hermann Müller, dann unter der Straße durch in die Brigach. Jeweils vor und hinter der Brücke hat sich die Fahrbahn gesenkt. Wenn die Straße saniert würde, will die Stadt den Durchfluss auf jeden Fall vergrößern. | Bild: Hahne, Jochen