Das Trinkwasser in Villingen-Schwenningen wird auf unbestimmte Zeit weiter zusätzlich gechlort. Hintergrund: Immer noch liegen keine Ergebnisse vor, die Untersuchungen des in Karlsruhe ansässigen Technologiezentrums Wasser dauern an und „werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, erläutert die Sprecherin der Stadtwerke, Susanna Kurz. Diskutiert wird das Thema in den sozialen Netzwerken nach wie vor. So mutmaßen Nutzer immer wieder, dass in Schwenningen mehr gechlort wird als anderswo. Manche berichten auch, dass Haustiere seit dem Sommer das Leitungswasser nicht mehr in dem Maß trinken wie zuvor.

Es war das Aufreger-Thema mitten in der Ferienzeit – Mitte August stellte ein externes Labor in den Leitungen der Stadtwerke eine Verunreinigung mit coliformen Bakterien fest – vermutlich ausgelöst durch den warmen Sommer. Das Gesundheitsamt erließ eine Abkochanordnung für die Bereiche Schwenningen, Weilersbach, Obereschach, Wöschhalde, Auf Herdenen, Schilterhäusle, Nordstetten, Mühlhausen sowie Dauchingen – bis Ende August.

Die Chlorung musste auch darüber hinaus beibehalten werden. Sie schwankt und wird ständig den Rahmenbedingungen, zum Beispiel Trockenheit oder starker Regen angepasst, berichtet Kurz. Deswegen kann die Dosis auch in den unterschiedlichen Bereichen schwanken. Allerdings wurde bereits im Sommer betont, dass es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme handele und dass die mikrobakteriellen Verunreinigungen keine krankheitsauslösenden Keime seien.

Dass Schwenningen nun besonders stark betroffen sein soll, bestätigte die Sprecherin der Stadtwerke nicht. Der Chlorgeruch werde unterschiedlich wahrgenommen, er hängt auch von der Verweilzeit des Wassers in den Rohren und von der Umgebungstemperatur ab. So glaubte eine Besucherin des Neckarbads, dass die Chlordosierung im Badwasser angehoben wurde, tatsächlich wurde sie aber nicht verändert. Der Dosierwert sei bisher etwa ein Drittel unter der maximal zulässigen Menge, wie sie die Trinkwasserverordnung mit höchstens 0,3 Milligramm Chlor pro Liter Wasser vorschreibt. Ganz am Anfang musste die voll zulässige Menge maximal genutzt werden, inzwischen sei sie aber auf das Drittel zurückgefahren worden.

Aktuell keine Preiserhöhung

Die Stadtwerke VS besitzen seit jeher zwölf Chlordosierungsanlagen bei Quellen und Tiefbrunnen in Villingen-Schwenningen, führt Kurz aus. "Wir setzen diese Anlagen zur Aufbereitung des Wassers, also zur Desinfektion ein", heißt es weiter. Wie bereits berichtet wollen die Stadtwerke wegen des Vorfalls zusätzliche Anlagen einbauen und haben dies bereits jetzt im Haushalt 2018 berücksichtigt. Wo das sein wird und welcher Aufwand betrieben werden muss, hängt vom noch ausstehenden Gutachten ab. Derzeit sei deswegen noch keine Preiserhöhung absehbar.

Gering gechlort ist das Wasser aber bisher schon, sowohl das eigene Quellwasser wie auch das der Bodenseewasserversorgung – um den Transport zu gewährleisten. Da im Regelfall der Grenzwert weit unterschritten wird, ist das Wasser damit bedenkenlos konsumierbar. Manche schwenken dennoch auf Mineralwasser um.

 

4,3 Millionen

Die Stadtwerke VS (SVS) verteilen jährlich etwa 4,3 Millionen Trinkwasser an die Einwohner Villingen-Schwenningens. Der Versorger geht von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 120 Liter pro Person und Tag aus. Laut SVS ist Trinkwasser das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Es unterliegt den strengen Richtlinien der Trinkwasserverordnung. Derzeit beträgt der Verbrauchspreis 2,47 Euro brutto pro Kubikmeter. Villingen-Schwenninger erhalten entweder reines Bodenseewasser oder Mischwasser, also das Bodenseewasser gemischt mit heimischen Quellen (Wieselsbach- oder Keckquellen bei Deißlingen).