Ballett ist eine flüchtige Kunst. In dem Augenblick, in dem die Figuren des künstlerischen Tanzes auf der Bühne verwirklicht werden, sind sie auch schon wieder vorbei. Die Faszination von Ballettaufführungen liegt im sinnlichen Genuss fein ausgetüftelter Choreografien, die beeindrucken und im Gedächtnis bleiben. Zwei besonders reizvolle Beispiele dafür lieferte das Bayerische Junior Ballett München im ausverkauften Villinger Theater am Ring.

Im Theater am Ring imponiert das Bayerische Junior Ballett mit seiner Tanzkunst und den originalgetreuen Kostümen des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer. Bilder: Gunter Faigle
Im Theater am Ring imponiert das Bayerische Junior Ballett mit seiner Tanzkunst und den originalgetreuen Kostümen des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer. Bilder: Gunter Faigle

Im Zentrum des Interesses steht „Das Triadische Ballett„ nach Konzepten des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer. Er selbst hat das Werk in den 1920er Jahren sinngemäß so gekennzeichnet: Es kokettiert mit dem Heiteren, ohne ins Lächerliche abzugleiten; es streift das Konventionelle, ohne sich mit ihm auf gleiche Stufe zu stellen; und es strebt die Entmaterialisierung der Körper an, ohne an Übersinnliches rühren zu wollen.

Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz

Was die zwölf Tänzerinnen und Tänzer des Bayerischen Junior Balletts angeht, setzen sie Schlemmers Intentionen perfekt um. Die 1976 komponierte, stilistisch nur mit Mühe zu beschreibende variantenreiche Bühnenmusik von Hans-Joachim Hespos findet durch sie ihre geniale tänzerische Entsprechung. Die Kostüme orientieren sich an den originalen Figurinen von Schlemmer, die in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen sind. Und für die wunderbare Einstudierung haben zwei profilierte Persönlichkeiten der Ballettszene gesorgt: Ivan Liska und seine Frau Colleen Scott. Liska war einst in Hamburg über 20 Jahre lang Solotänzer bei John Neumeier und von 1998 bis 2016 Direktor des Bayerischen Staatsballetts in München, jetzt leitet er das Juniorballett.

Ivan Liska (links), der renommierte Tänzer und Ballettdirektor, führt persönlich in „Das Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer ein und würdigt dabei die Zusammenarbeit mit Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier.
Ivan Liska (links), der renommierte Tänzer und Ballettdirektor, führt persönlich in „Das Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer ein und würdigt dabei die Zusammenarbeit mit Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier.

Schlemmer hat sein Werk in drei serielle Akte aufgeteilt: eine heitere gelbe Reihe, eine rosa Reihe von ruhigem Ernst und eine schwarze unergründliche Reihe.

Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz

Vor farblich entsprechend ausgeleuchtetem Hintergrund präsentieren sich Schlemmers fantastische Kunstfiguren, zu Beginn etwa der Große Rock und der Taucher im kurios charmanten Duett oder im dritten Teil der Drahtrock.

Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz

Mit dieser Gestalt deutet Schlemmer etwa die geometrische Grundfigur des Kreises, Gillian Fitz zeigt hier, was die junge Ballettkompagnie auszeichnet: ausdrucksstarke körperliche Beweglichkeit und Kontrolle, die von scheinbarer Leichtigkeit bis zu absoluter Starrheit reichen, sowie eine beeindruckende Bandbreite an Schrittvariationen.

Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen
Das Triadisches Ballett Theater am Ring Villingen | Bild: Hans-Juergen Goetz

Dem Stück von Schlemmer geht „Individuell“ voraus, ein erst vor sechs Wochen uraufgeführtes Tanzwerk für neun Tänzer, das der Choreograf Peter Leung mit dem Bayerischen Junior Ballett erarbeitet hat. Es interpretiert tänzerisch expressiv Überlegungen, die sich um das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft drehen. Der Beifall zum Schluss ist intensiv und begeistert.