Das Herz der Fasnet hat dieser Tage einen seiner Taktgeber verloren. Bernhard (Bene) Schaumann, Ehrenratsherr und Initiator der Strählobede ist am Freitag im Alter von 65 Jahren an Krebs gestorben.

Schaumann war ein prägendes Mitglied der Historischen Narrozunft. Aber auch ein bekannter Villinger Geschäftsmann. Über Jahre hat er das alteingesessene Familiengeschäft Schilling Wäsche und mehr in der Oberen Straße geführt. Neben der klassischen Wäsche hat er dort auch die traditionellen Wiener Schals für die Altvillingerin und die Krättle fürs Morbili verkauft.

Leidenschaftlicher Ratsherr 

Schaumann war engagiertet Geschäftsmann, aber seine wahre Leidenschaft war die Fasnet. "Er war ein sehr engagierter Ratsherr", sagt Zunftmeister Anselm Säger. Und er war einer der Fortschrittlichsten. "Er war der erste Ratsherr, der damals einen PC hatte", sagt Säger. Damit hat er dann unter anderem auch die Texte für den Zunftball geschrieben.

Vergessen sein wird Bene Schaumann nie. Dafür hat er zu viel für die Narrozunft, die Fasnet und das Brauchtum geleistet. Vor 29 Jahren hat er den Strählkurs ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Lambert Hermle und Peter Metzger hat Schaumann den Mäschgerle und Maschgere der Historischen Narrozunft über ein Vierteljahrhundert die Grundzüge des Strählens beigebracht. Die hohe Kunst, wie ein Maskenträger mit den Besuchern am Straßenrand einen närrischen Dialog führt.

Beim Maschgereobed hat er alljährlich mit viel Charme und noch mehr Witz erklärt, wie das Morbili seinen Wiener Schal richtig legen und wie der Narro die Rollen tragen soll. Er konnte das Schwere, das Brauchtum und die Tradition, leicht wirken lassen. Nicht zuletzt deswegen, weil Schaumann ein unglaublich warmherziger und guter Mensch war.

2018 verabschiedete er sich nach 25-jähriger Tätigkeit aus dem Brauchtumsausschuss, zuvor war er bereits zum Ehrenratsherren ernannt worden. "Er wollte wegen seiner Krankheit kürzertreten", sagt Säger.

Liebe für die Fasnet

Schaumann hat sich nicht nur für die Narrozunft engagiert – dann zum Beispiel, wenn er über Jahre hinweg den Materialeinkauf für das Sommerfest gemanaget hat. Er hat nicht nur für die Tradition gekämpft – dann, wenn er sich im Brauchtumsausschuss über 25 Jahre engagiert hatte. Schaumann hat vor allem eines: die Fasnet geliebt. Mit Leib und Seele. Es gibt, da sind sich alle Weggefährten Schaumanns einig, wohl wenige Villinger, die die Fasnet so gelebt und geliebt haben, wie er.

Und ein bisschen dieser Liebe, dieses Herzblutes, das er in die Fasnet gesteckt hat, wird wohl für immer bleiben. Denn wer auch immer künftig an der Fasnet strählt, oder gestrählt wird, der wird unweigerlich auch einen kurzen Moment an ihn denken, Bene Schaumann, den Meister des Brauchtums.