Seit 40 Jahren begeistert der Villinger Kabarettist Thomas Moser in wechselnden Rollen sein Publikum. Anfangs begnügte sich der zunächst schüchterne Fastnachter mit der Regieassistenz bei den Bällen der Katzenmusik, inzwischen hat Moser sein Lampenfieber und seine Reserviertheit völlig abgelegt, die Bühne ist sein zweites Wohnzimmer. Mit der Kumedie hat er zudem vor 20 Jahren ein nach wie vor erfolgreiches Kabarett aus der Taufe gehoben. Zudem ist Moser am 3. März, dem Fastnachtssonntag, 60 Jahre alt geworden. 120 Jahre Thomas Moser – was am 5. April in der Neuen Tonhalle in einer Benefizgala für die Pro Kids-Stifung gipfelt. Für die Veranstaltung sind allerdings nur noch wenige Restkarten beim Ticketservice des Franziskaners erhältlich.

Immer für einen Spaß zu haben: Thomas Moser (vorn) wird 2008 von der Rietpolizei gefilzt.
Immer für einen Spaß zu haben: Thomas Moser (vorn) wird 2008 von der Rietpolizei gefilzt. | Bild: Hahne, Jochen

Moser kommt von der Fastnacht und möchte diese "tolle Zeit in einem tollen Team" nicht missen. 1978/79 startete er bei dem Katzenmusikverein Miau mit den ersten Bühnenerfahrungen. Schnell schien klar, dass dort in der Öffentlichkeit nicht sein Platz war. Eberhard Zimmermann, damals noch Regisseur bei der Katzenmusik, teilte ihn für die "Hintergrundarbeit" ein, zudem machte er seine Erfahrungen mit dem Männerballett. Dann kam die Fastnacht 1987 mit dem legendären Katzenmusik-Ball Schwarzwald-Klinik in der Alten Tonhalle. Die Aufführung endete mit einem Knall, um nicht zu sagen in einem Fiasko. Es sei eine revolutionäre Technik gewesen, "und wir gingen bis an die Grenzen des Möglichen", erinnerte sich Moser. Mit Gaze und doppeltem Boden arbeiteten die Darsteller. Allerdings: "Es war nicht mehr Fasnet, sondern Theater", war danach die einhellige Kritik. Zimmermann und seine Mitstreiter verließen dann die Katzenmusik und gründeten zunächst das Sommertheater und wenig später das Theater am Turm.

Ein kurzes Intermezzo gab Moser 2009 noch einmal beim Ball der Katzenmusik.
Ein kurzes Intermezzo gab Moser 2009 noch einmal beim Ball der Katzenmusik. | Bild: Hahne, Jochen

"Jetzt bist nur noch Du da", hat daraufhin "Adoz" Moser, damaliger Generalfeldmarschall der Katzenmusik, zu seinem Sohn Thomas gesagt. Der übernahm daraufhin 1988 die Regie und begann Nummern zu schreiben, was ihm "irrsinnig Spaß bereitete". Zunächst verfasste er für seine Zwillingsschwester Christina und Rolf Müller Texte für das Duo Else und Karl-Otto. Als er wahrnahm, wie gut das ankam, kreierte er für sich die Rolle "Kommunalpolitisches" und zog auch von der Bühne vom Leder. Der gnadenlos austeilende Satiriker war geboren, worunter der damalige Oberbürgermeister Gerhard Gebauer, der es stoisch hinnahm, und sein empfindsamerer Baubürgermeister Theo Kühn besonders zu leiden hatten. Das ging so bis 1998 – inzwischen war Moser in der Katzenhierarchie bis zum dritten Vorsitzenden, der im Vorstand für Unterhaltung zuständig ist, aufgerückt. In dem Jahr wurde die alte Tonhalle, geliebtes Domizil für die Villinger Fastnachtsbälle abgerissen, die neue stand noch nicht. Da einigten sich die drei großen Villinger Fasnetsvereine – Narrozunft, Katzenmusik und Glonkigilde – 1999 ausnahmsweise zwei gemeinsame Bälle im Theater am Ring zu veranstalten mit Thomas Moser als Gesamtregisseur. Für Moser stellte sich das als einer der Höhepunkte seiner bisherigen Regiezeit heraus, weil die Vereine "auf eine gesunde Weise" miteinander konkurrierten, und das Beste aus ihren Bühnentalenten herausholten.

Der legendäre Ball der drei großen Villinger Fastnachtsvereine 1999 im Theater am Ring (von links): Christof Bachert, Michael Schonhardt, Michael Sommer und Thomas Moser.
Der legendäre Ball der drei großen Villinger Fastnachtsvereine 1999 im Theater am Ring (von links): Christof Bachert, Michael Schonhardt, Michael Sommer und Thomas Moser. | Bild: Hahne, Jochen

Danach zog sich Moser aus der Katzenmusik zurück. Bereits 1997 hatte er den "Comedy-Express" gegründet. das kam bei der Katzenmusik nicht so gut an, es grummelte im Verein. Bekam der Express die besten Nummern oder waren sie noch bei den Katzenmusikbällen zu bestaunen? Moser trennte sich vom Verein und gründete 98/99 mit einigen weiteren Katzenmusikern wie Roland Grammel, Michael Sommer oder Bruno Moser die heute noch bestehende Kumedie. Inzwischen kommt die Kumedie auf 70 bis 80 Veranstaltungen im Jahr. Mittlerweise bestreiten Moser und der Bad Dürrheimer Frank Blom allein das Programm, das allgemeine Themen satirisch aufbereitet und auch außerhalb der Doppelstadt gezeigt wird. Ausschließlich VS-Themen greift der satirische Jahresrückblick mit dem Schwenninger Michael Schopfer auf. Hinzukommt als dritter Veranstaltungstyp die Zähringertafel.

Weitere Pläne

Seit etwa acht Jahren kann Moser von der spitzzüngigen Kunst leben und verteidigt erfolgreich bei meist ausverkauftem Haus seinen Ruf als "Schwertgosch". "Mir geht es gut dabei", erläutert der 60-Jährige. Allerdings könne er es sich auch leisten, er müsse ja keine Familie versorgen. Die Benefizgala wird er zunächst mit Freunden und Weggefährten, dann voraussichtlich allein bestreiten – einige der besten Nummern der vergangenen Jahrzehnte werden zu hören sein. Auch danach geht Moser die Arbeit nicht aus. Er schreibt an einem Buch mit Villinger Geschichten, auch ein Soloprogramm will er nicht ausschließen. Und für die bisherigen Formate, die er beibehält, braucht er ja auch noch Stoff.