Es gibt sie, die großen Veranstaltungshallen in der Doppelstadt. Sei es die Helios-Arena, die Messehallen, die Neue Tonhalle und bald die Neckarhalle. Was es hingegen nicht gibt, sind die großen Veranstaltungen. Tuttlingen hat den Hornberg-Sommer, Rottweil den Ferienzauber. Und hier? Die beiden größten Events in der Helios-Arena wurden in diesem Jahr jeweils kurzfristig abgesagt und auch mit einem jährlichen Stadtfest kann VS nicht aufwarten. In einer Stadt, die ein Oberzentrum sein will, da sind sich auch die OB-Kandidaten einig, muss mehr geboten werden. Wie das konkret aussehen soll, da gehen die Meinungen auseinander.

  • Gaetano Cristilli: "Andere Kommunen haben uns links und rechts überholt, da muss was passieren", sagt der Fitnessstudio-Betreiber wie aus der Pistole geschossen. Ein großes Fest für beide Stadtbezirke, im Zentralbereich, auf dem Klosterhof zum Beispiel, das könne er sich gut vorstellen. "Da muss man dann auch mal in die Tasche greifen", sagt er. "Und die Fläche so herrichten, dass man Feste dort feiern kann." Außerdem müssten alle Vereine mit ins Boot geholt werden. Alles, was es bisher gab – das Stadtfest 9 am Münster oder die Lange Tafel seien gute Ansätze. Allein, "man muss die Frequenz erhöhen", sagt Cristilli. Ebenfalls erhöht werden müsste der Professionalisierungsgrad im Marketing. "Wir brauchen eine Stelle für das Thema Stadt-Marketing", sagt er.
  • Marina Kloiber-Jung: An oberster Stelle steht für die Leiterin der Technischen Dienste das Stadtmarketing zu intensivieren. "Die Angebote, die wir derzeit haben müssen überregional besser beworben und kundgemacht werden", sagt Kloiber-Jung. Hinzukomme, dass man auch zusätzliche Angebote und Veranstaltungen ins Leben rufen müsse, "die zum einen unsere Stadt ein Stück weit vereinen und zum anderen attraktiv für alle Besucher sind". Beispielsweise ein großes Vereinsfest oder ein interkulturelles Stadtfest mit Partnerstädten. "Um eine Attraktivität für Jung und Alt zu erhalten, würde ich auf ein Staraufgebot setzen, das Besucher, Touristen und nicht zuletzt Einheimische anlockt." Andere Städte hätten bereits vorgemacht, wie das geht. "Durch interkommunale Zusammenarbeit können wir das Eine oder Andere von anderen Städten lernen."
  • Jörg Röber: Der OB-Referent will, wie er sagt, "Villingen-Schwenningen in die erste Liga der Oberzentren in Baden-Württemberg führen". Dazu gehöre nun mal auch ein Veranstaltungsformat, das über das Stadtgebiet hinaus Strahlkraft erzeugt. Das größte Potenzial dafür sieht Röber rund um das Thema Musik. "Gerne auch im Zusammenhang mit der Reproduktion (MPS Studio)." Darum unterstütze er auch den Jugendgemeinderat darin, ein eigenes Musik-Festival (siehe Bericht unten) auf die Beine zu stellen. Außerdem wolle er "die freie Kulturszene in der Stadt stärken". Dazu gehöre sowohl finanzielle als auch logistische Unterstützung. Und auch ein Stadtfest sieht er für VS. "Villingen-Schwenningen ist als Oberzentrum auch ein Ort mit einer unglaublich vielfältigen Ehrenamtskultur. Ich möchte daher tatsächlich den Gedanken eines gemeinsamen Stadtfests weiterentwickeln." Dass ein solches Format nicht nur machbar ist, sondern auch eine große Anziehungskraft entfalten kann, habe die Lange Tafel gezeigt.
  • Jürgen Roth: Veranstaltungen mit "Wow-Charakter", darauf will der Bürgermeister von Tuningen den Fokus legen. Das "Wow" bezieht sich dabei nicht so sehr auf die Größe der Veranstaltung, vielmehr auf deren Qualität. "Die Jazztage zum Beispiel", sagt Roth, "waren so etwas". Für sinnvoll hält Roth ein Jugendfestival – "gerade auch für die Studenten und die Generation unter 30". Aber auch "Cabaret- und Kleinkunst-Tage würden unsere Attraktivität steigern; wenn sie beständig sind". Ein Dialog mit den Bürgern sei dafür unablässlich. "Die Nachfrage bei den Betroffenen, was sie sich vorstellen, gehört dazu." Gut vermarktet als Gesamtkonzept und mit notwendigen Haushaltsmitteln und Sponsorengeldern versehen, würde das VS überregional und erfolgreich in den Fokus bringen. "Vier bis fünf große Events, gepaart mit monatlichen Angeboten im Wechsel, sind für mich der neue Standard in dem Bereich."