Es weht ein frischer Wind durch das Sinfonieorchester VS. Es traut sich an eine szenische Sinfonie des französischen Barock, befasst sich zum ersten Mal mit historischer Aufführungspraxis und trägt junges Ballett engagiert mit. Und zudem widmet es sich mit spürbarem Enthusiasmus bekannten Werken der Klassik. Das von Achim Fiedler geleitete Konzert der Sinfoniker ist im gut besuchten Franziskaner mit starkem Beifall bedacht worden.

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Jean-Féry Rebel, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer der bedeutenden Musiker am französischen Hof in Versailles, hat 1737 eine Ballett-Suite komponiert, die sich um die vier antiken Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer als Prinzipien des Festen, Flüssigen, Gasförmigen und glühend Verzehrenden dreht. Drei Mitglieder des Bayerischen Junior Ballett München haben das Stück umgesetzt: Armando Arens und Nikita Voronin als Tänzer nach einer Choreografie ihres Kollegen Florimon Poisson.

Armando Arens und Nikita Voronin (von links) verleihen Erde, Wasser, Luft und Feuer einen starken tänzerischen Ausdruck. Bild Gunter Faigle
Armando Arens und Nikita Voronin (von links) verleihen Erde, Wasser, Luft und Feuer einen starken tänzerischen Ausdruck. Bild Gunter Faigle

Die Musik beginnt mit dem furiosen Ausdruck des Chaos, das heißt der ungeordneten Urmasse des Weltalls. Das Sinfonieorchester entwickelt dabei ein extrem dichtes Klanggebilde von gewaltiger Ausdruckskraft. Die folgenden Tanzsätze erklingen dann in ganz erstaunlichem Gepräge: Die Geiger, Bratscher und Cellisten verwenden ausgeliehene Barockbögen. Grundlagen historisch informierter Spielweise haben sie in einem von Fiedler eigens in die Wege geleiteten Workshop vermittelt bekommen.

Arens und Voronin gestalten ihre tänzerische Aufgabe mit voller Konzentration und außerordentlicher Körperbeherrschung. Die Choreografie von Poisson regt die Fantasie des Betrachters stark an, eine denkbare Deutung seiner Absichten ist diese: Das Aufeinandertreffen von „Erde und Wasser“ erhält in wogend ausholenden Bewegungen seinen Ausdruck, und wie Wasser in jeden Hohlraum einzudringen vermag, lässt sich dank der virtuosen Führung eines Blattes Papier um alle möglichen Körperregionen gut vorstellen. Bei der „Luft“ umsäuseln sich quasi die Körper der Tänzer aufgrund ihrer Nähe und Geschmeidigkeit, beim „Feuer“ schließlich werden mit unregelmäßigen schnellen Körperbewegungen Bilder von Flammen hervorgerufen.

Nikita Voronin, Achim Fiedler, Florimon Poisson und Armando Arens genießen den starken Beifall nach dem Ballett „Die Elemente“ von Jean-Féry Rebel.
Nikita Voronin, Achim Fiedler, Florimon Poisson und Armando Arens genießen den starken Beifall nach dem Ballett „Die Elemente“ von Jean-Féry Rebel.

Sehr Bekanntes ist mit Marija Lauenstein als Solistin zu hören: die Romanze in F-Dur für Violine und Orchester von Ludwig van Beethoven. Die Konzertmeisterin des Sinfonieorchesters VS wählt ein sehr gemessenes Tempo und führt die Melodik des Stückes mit Sanftheit und Feingefühl, Fiedler lässt das Orchester mit dezent strukturierenden dynamischen Akzenten sensibel begleiten.

Dass Chefdirigent Fiedler das Sinfonieorchester in seinen technischen Möglichkeiten weiterentwickeln und sein Klangvermögen ausdifferenzieren möchte, wird an zwei Werken deutlich: bei der mit „Feuer“ betitelten Sinfonie Nr. 59 in A-Dur von Joseph Haydn und der „Pariser“ Sinfonie Nr. 31 von Wolfgang Amadeus Mozart. Bei Haydn sind lockere Streicher und engagierte Bläser, eine exakte Rhythmik, tänzerische Klangbilder und vor allem viel Elan zu hören. Bei Mozart – hauptsächlich im abschließenden Allegro – lotet Fiedler mit viel Gespür und strammer Hand das Potenzial seiner Instrumentalisten bis zu dessen Grenzen aus. Ein starker Auftritt.