VS-Tannheim – Ein anrüchiges Thema stand bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Tannheim auf der Tagesordnung. Bereits vor einem Jahr wurde der Ortschaftsrat darüber informiert, dass künftig die Tannheimer Abwässer nicht mehr in Wolterdingen, sondern in Donaueschingen geklärt werden müssen.

  • Die aktuelle Lage: Derzeit werden die Tannheimer Abwässer in Wolterdingen aufbereitet. Da die dortige Kläranlage nicht mehr den heutigen Standards entspricht, muss sie Ende 2020 stillgelegt werden. Da die Abwasserbeseitigung eine hoheitliche Aufgabe ist, standen die zuständigen Stellen der Stadt Villingen-Schwenningen vor einem Problem: Wohin mit Tannheims Abwasser?
  • Variantenwahl: Zwei Möglichkeiten wurden untersucht. Zum einen käme eine Ableitung des Abwassers in Richtung Norden über Pfaffenweiler zum Klärwerk am Unteren Dammweg in Frage. Dies hätte das Verlegen neuer Abwasserrohre entlang der Landesstraße L 181 notwendig gemacht. Aus Sicht der Stadt eine gewaltige Investition. Zum anderen signalisierte der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen, dass er großes Interesse an der Übernahme der Abwässer aus Tannheim hätte. Die Kosten sollten entscheiden. Berechnungen ergaben, dass die jährlichen Kosten für die Variante in Richtung Villingen mit rund 230 000 Euro zu Buche schlagen würden, die Nutzung des bestehenden Kanals nach Wolterdingen und der Neubau einer Leitung von Wolterdingen nach Donaueschingen jedoch nur 200 000 Euro pro Jahr. Die Entscheidung fiel seitens der Stadt Villingen-Schwenningen zugunsten der Donaueschingen-Lösung.
  • Bauarbeiten: Amtsleiter Franz-Josef Holzmüller vom Amt für Wasserwirtschaft und Breitband sowie Abteilungsleiter Clemens Mauz erläuterten den Ortschaftsräten die nun anstehenden Arbeiten. Nachdem das Regierungspräsidium Freiburg seinen Segen zur Entscheidung gegeben hatte, muss nun beim alten Klärwerk in Wolterdingen eine Pumpstation errichtet werden, welche die Abwässer von Wolterdingen, Tannheim, Hubertshofen und Mistelbrunn durch eine Druckleitung über den Fronberg in Richtung Donaueschingen befördert. Von dort nutzen die Abwässer das Rohrsystem Donaueschingens, um in das GVV-Klärwerk zu gelangen. Auf der Gemarkung Tannheim müssen der Messschacht am Linderbergweg und das Regenüberlaufbecken Spittelwiesen baulich angepasst werden. Außerdem müssen alle Rohrleitungen auf Dichtheit überprüft werden, weil eindringendes Oberflächenwasser das Abwassersystem belastet.
  • Kosten: Für die Bürger in Tannheim ändert sich zunächst nichts. Ortsvorsteherin Anja Keller stellte die entsprechende Frage mit Nachdruck. Wie Franz-Josef Holzmüller erläuterte, würden die jährlichen Kosten zwar um rund 100 000 Euro gegenüber dem derzeitigen Obolus steigen, da aber dieser Betrag in das jährliche Gesamtbudget von elf Millionen Euro der Gesamtstadt einfließe, stünden Gebührenerhöhungen für die Bürger zunächst nicht zur Debatte. Sparsamer Wasserverbrauch würde eher zur Senkung des Abwasseraufkommens beitragen.
  • Entscheidung: Die Räte stimmten dem Empfehlungsbeschluss zur Unterzeichnung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen den Städten Donaueschingen und Villingen-Schwenningen einstimig zu – sprich: Das Dreckwaser soll nach Donaueschingen.