Nicht schon wieder ins Gefängnis geschickt werden wollte ein 24-jähriger Hilfsarbeiter jetzt vor dem Landgericht Konstanz. Im April 2018 hatte er nach einem Disput auf einem Supermarktparkplatz in Schwenningen einen 65-jährigen Passanten mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen.

Whiskyflasche zertrümmert

Der Mann hatte sich drüber geärgert, dass der angetrunkene 24-Jährige und zwei seiner Freunde eine Whiskyflasche neben seinem geparkten Wagen zertrümmert hatten. Der 24-Jährige reagierte sehr aggressiv auf die Beschwerde und schrie den Mann an. Der bekam es mit der Angst und schlug dem jungen Mann mit einem Spielzeug-Baseballschläger auf die Backe.

Passant greift ein

Nachdem ein Passant beruhigend auf die Männer eingewirkt hatte, entschuldigten sich die Streithähne zunächst gegenseitig. Der 24-Jährige soll den Älteren dabei sogar umarmt haben. Plötzlich aber ging er wieder auf den 65-Jährigen los und versetzte ihm den Schlag, der eine Schädelprellung verursachte.

Opfer will seine Ruhe

Warum er das getan hatte, wusste er selbst nicht mehr: „Irgendetwas muss mich in Rage gebracht haben.“ Eine Zeugin hatte die Polizei verständigt. Die wollte das 65-jährige Tatopfer aber gar nicht da haben: „Ich wollte nur noch meine Ruhe und nach Hause fahren“, sagte er vor Gericht. Er habe die geschwollene Stelle einen Tag lang gekühlt, danach sei alles wieder gut gewesen. Er selbst habe ja auch einen Fehler gemacht, gab er zu. Ein Strafverfahren gegen ihn wurde inzwischen eingestellt.

Mehrfach vorbestraft

Der mehrfach vorbestrafte und gefängniserfahrene 24-Jährige wollte auch nichts mit der Polizei zu tun haben, war er doch wegen eines Bewährungsbruchs und eines neuen Strafbefehls zur Festnahme ausgeschrieben. Deshalb gab er einen falschen Namen an, was die Beamten jedoch mit einer Ausweiskontrolle überprüfen wollten. Daraufhin ergriff er die Flucht, blieb aber im Sprung an einem Maschendrahtzaun hängen. Daran klammerte er sich so fest, dass vier oder fünf Schläge mit dem Schlagstock auf seine Hand nötig waren, um ihn vom Zaun zu lösen.

“Angst vor Ärzten“

“Die Hand ist immer noch kaputt“, erklärte er nun. Sie sei gebrochen gewesen. Zum Arzt sei er aber nicht gegangen: „Ich habe Angst vor Ärzten.“ Somit gab es auch kein Attest, das die Verletzung bestätigt hätte. Auf der Fahrt zum Schwenninger Polizeirevier beleidigte er die drei Polizeibeamten übel. „Bei denen habe ich mich am nächsten Morgen entschuldigt“, sagte der Angeklagte. Mit mindestens 1,2 Promille Alkohol im Blut war er für eine Nacht in der Ausnüchterungszelle gelandet.

Keine feste Arbeitsstelle

Das Amtsgericht Villingen verurteilte ihn Anfang des Jahres wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu sechs Monaten Haft. Das Landgericht änderte die Haftstrafe jetzt auf fünf Monate ab, die erhoffte Bewährung gab es aber nicht. Der Gelegenheitsarbeiter konnte wieder keine feste Beschäftigung nachweisen und hat sich in der Zwischenzeit auch nicht um eine Alkoholtherapie bemüht. Dass er nach eigener Aussage seit dem Vorfall nicht mehr trinkt, sondern „nur noch gelegentlich Cannabis„ raucht, machte die Sache nicht besser: „Erwerb und Konsum sind strafbar“, mahnte die Vorsitzende Richterin.