Überall sprießen in Villingen und Schwenningen Granitblöcke wie Tulpen aus dem Boden. Während die floralen Frühlingsboten mancherorts noch auf sich warten lassen, finden sich die steinernen Blöcke neuerdings an vielen Orten in der Stadt.

Nach Angaben der Stadt beispielsweise am Mauthepark, dem Neckarpark, beim alten Tonhallengelände, der Albert-Schweizer-Straße, dem Kaiserring oder der Waldstraße. In der Nähe von Parkplätzen und Grünflächen sollen sie widerrechtliches Beparken oder Befahren verhindern, zum Beispiel um Fahrrad- und Gehwege zu schützen oder die Bepflanzung zu schonen, erklärt die Stadt.

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Zumindest in der Waldstraße und im Kaiserring ist von Bepflanzung, die geschützt werden könnte, jedoch nichts zu sehen. Die Steine stehen dort auf kahlen oder Schotter-Flächen. Auch Frank Neumann sieht die Aufstellung der „Kunstwerke“, wie er sie nennt, kritisch. Der Geschäftsführer der Fahrschule Neumann hält die Platzierung in den beiden genannten Straßen weder für nützlich, noch für optisch ansprechend.

Steine vor allem bei Regen und Dunkelheit problematisch

Problematisch seien die Quader vor allem dann, wenn es dunkel sei oder regne. Die Hindernisse, die ohnehin nicht im Sichtfeld des Fahrers lägen, seien dann besonders schlecht zu sehen. „Für einen sehr geübten, aufmerksamen Fahrer sind die Steine kein Problem, für unbegabte schon.“

Neumann rät Fahrern, bei Parklücken besonders auf etwaige Hindernisse zu achten, denn die Sensoren, mit denen viele Fahrzeuge ausgestattet seien, reagierten nur dann, wenn sich die Blöcke unmittelbar vor oder hinter dem Fahrzeug befänden. Im seitlichen Schwenkbereich würden diese nicht helfen.

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Er selbst habe noch keine Schäden an seinen Fahrzeugen zu beklagen, stellt Neumann fest. Auch Thomas Barth, Leiter des Polizeireviers in Villingen, sind keine Kollisionen von Autos und Granitblöcken bekannt. Ebenso wenig hat er entsprechende Beobachtungen in der Waldstraße machen können, die unmittelbar vor dem Polizeirevier liegt.

Barth vermutet jedoch, dass entsprechende Vorfälle nicht bei der Polizei gemeldet würden, weil vor allem die Autos und weniger die Steinblöcke beschädigt würden. Zu den Motiven der Stadt ist sich Barth unsicher: „Man wird sich schon was dabei gedacht haben, als man die Steine aufgestellt hat.“

"Durch die Steine fallen potentielle Parkplätze weg"

Autofahrerin Petra Netzel hält die Blöcke für keine gute Idee. „Wenn man da im Winter ins Rutschen kommt, hat man ein Problem“, echauffiert sich die Villingerin. Die Parksituation in der Stadt sei ohnehin furchtbar und durch die Flächen mit den Steinen würden potentielle Plätze wegfallen.

Stefan Hamberger, Chef der Fahrschule Hamberger, versucht zwar, die Granitblöcke mit seinen Fahrschülern zu meiden, erachtet sie aber grundsätzlich als sinnvoll: „Da sich die Verkehrsteilnehmer nicht an weiche Absperrungen halten, muss eben zu solchen Mitteln gegriffen werden, um Grünflächen zu schützen.“

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Eine Angabe über die genaue Anzahl der platzierten Quader geschweige denn über alle Standorte, konnte die Stadt nicht machen. Allein in Waldstraße und Kaiserring stehen allerdings rund 25 solcher Blöcke, zusätzlich um das alte Tonhallen-Gelände weitere 25, die nach Angaben der Stadt pro Stück etwa 100 Euro kosten. Niedrige Kosten meint die Stadt im Vergleich dazu, was das Herrichten der betroffenen Flächen immer wieder kosten würde.