Gerade, als der Gutachter zum Ortstermin da war, plumpste ein weiterer Stein aus dem Mauerwerk. „Pünktlich zur Besichtigung“, sagt Thomas Hettich vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau. Dort, auf dem Schulhof der Klosterringschule stehen deshalb seit Kurzem Bauzäune: Schließlich sollen herabfallende Steine aus der jahrhundertealten Mauer die Schulkinder nicht gefährden, die in den Pausen über den Hof toben.

Arbeiten am Romäusring

Mit dem Bauzaun auf ihrem Hof werden die Schüler noch eine Weile leben müssen. Die Sanierung des Rondells ist für das kommende Jahr vorgesehen. Aktuell wird die Mauer noch am Romäusring saniert. Der Abschnitt „Romäus 4“ soll im Herbst fertig werden, sagt Hettich, der gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Architekten Heinz Herbst, die Mauersanierung begleitet.

Thomas Hettich zeigt einen Stein, der aus dem Rondell am Klosterring herausgebrochen ist.
Thomas Hettich zeigt einen Stein, der aus dem Rondell am Klosterring herausgebrochen ist. | Bild: Jochen Hahne

Seit fast zehn Jahren wird an dem rund 1,7 Kilometer langen Kulturdenkmal gearbeitet. Sieben Teilabschnitte wurden als besonders dringlich eingestuft. Das Problem ist in erster Linie Wasser. Wasser, das über die Abdeckungen auf den Mauerkronen in die Mauer eindringt, wie Thomas Hettich erklärt. „Gefriert es im Winter, dehnt es sich aus und es kommt zu Abplatzungen.“ 2009 war es zu einem größeren Schaden gekommen, als ein großes Stück aus der Mauer beim Oberen Tor herausbrach. „Die Mauer besteht aus drei Schichten, und die äußere ist damals in die Ringanlagen gefallen“, erklärt der Ingenieur.

Schutz für das Kloster

Während man davon ausgeht, dass mit dem Bau der Ringmauer etwa um das Jahr 1209/1210 begonnen wurde, ist das Rondell am Klosterring deutlich jünger. Etwa um 1500 herum soll es entstanden sein, sagt Hettich. „Meine Theorie ist, dass es im Schweizerkrieg 1499 errichtet wurde, um das Kloster zu schützen.“

Was ist unter der Terrasse?

Nun muss die Mauer selbst geschützt werden. Derzeit warten Thomas Hettich und Heinz Herbst noch auf die Ergebnisse der statischen Untersuchung, bevor in Abstimmung mit der Denkmalbehörde die weitere Vorgehensweise geplant werden kann. Denn während sich auf dem Rondell eine kleine, vom ehemaligen Kloster aus zugängliche Terrasse befindet, weiß niemand, was sich darunter befindet. „Theoretisch“, sagt Hettich, „müsste es vom Kloster aus einen Zugang geben. Den gibt es aber nicht.“ Erst wenn klar ist, was sich hinter der mächtigen Mauer verbirgt, kann die Reparatur geplant werden.

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Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, kann das Rondell im kommenden Jahr saniert werden. Das wurde es auch schon früher einmal, wenngleich eher provisorisch: Zwischen die einzelnen Steine wurden teilweise Dachziegelstücke eingemauert.

Ziegel in den Fugen

Heute wird anders saniert, auf die Idee, die Fugen mit Ziegeln zu füllen, käme niemand mehr. Der alte Mörtel wird entfernt, bei Bedarf wird neu aufgemauert und neuer Mörtel durch kleine Löcher ins Mauerwerk gefüllt, sodass Innen- und Außenmauer stabil miteinander verbunden werden. Edelstahlstangen, so genannte Anker, geben zusätzlich Stabilität. Abschließend wird überschüssiger Mörtel von den Steinen gekratzt.

Eine Dauerbaustelle

Die Ringmauer wird die Stadt auch in den nächsten Jahren beschäftigen. „Das ist eine Daueraufgabe„, sagt Heinz Herbst. „Während wir eine Stelle sanieren, verwittert eine andere.“ 150 000 Euro standen im städtischen Etat der vergangenen Jahre für die Stadtmauer bereit. Geld, das auch benötigt wurde. So kosteten etwa die Arbeiten an einem 30-Meter-Teilstück am Romäusring allein 175 000 Euro.

Lose Steine sind aus der Mauer am Rondell gefallen. Im kommenden Jahr soll der Abschnitt saniert werden.
Lose Steine sind aus der Mauer am Rondell gefallen. Im kommenden Jahr soll der Abschnitt saniert werden. | Bild: Jochen Hahne

„Nächstes Jahr werden wir schauen, was als nächstes gemacht werden müsste“, sagt Thomas Hettich. Wie viel Geld letztlich für 2020 zur Verfügung steht, sei aber erst klar, wenn der Gemeinderat den städtischen Etat beschlossen hat.