Die Abschaffung der Baumschutzsatzung für Villingen-Schwenningen durch die Mehrheit im Gemeinderat am vergangenen Mittwoch hat Stadträtin Cornelia Kunkis-Becker besonders betroffen gemacht (wir berichteten). Jetzt sieht sie ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Noch bevor die Abschaffung des Baumschutzes in Kraft war, ließ der Ortschaftsrat von Obereschach letzte Woche ein Dutzend Bäumen am Sportplatz in Obereschach umsägen. Illegal sei das gewesen, schäumt nun Kunkis-Becker.

Und sie zeigt auf den dafür Verantwortlichen, ihren CDU-Stadtratskollegen Klaus Martin, der außerdem Ortsvorsteher von Obereschach ist. Dieser gestand gestern auf SÜDKURIER-Anfrage ein, dass Kunkis-Beckers Kritik „formell korrekt ist“. Die Abschaffung der Baumschutzsatzung, die bislang regelte, welche Bäume auf Privatgrundstücken gefällt werden dürfen und welche nicht, sei bisher noch nicht amtlich verkündet worden, räumte Martin ein.

Ortsvorsteher Klaus Martin begründete die Fällaktion mit Zeitdruck.
Ortsvorsteher Klaus Martin begründete die Fällaktion mit Zeitdruck. | Bild: Trippl, Norbert

Von einer illegalen Aktion will er gleichwohl nichts wissen. Der Ortschaftsrat habe die Fällung der Bäume im Zuge der Obereschacher Sportplatz-Neugestaltung bei der Stadt noch nach altem Recht beantragt. Es habe mit den Verantwortlichen einen Ortstermin gegeben und Amtsleiter Ulf Millauer (Amt für Grünflächen und Grüngut) habe die Genehmigung der Fällung in Aussicht gestellt, wenn die Ortsverwaltung noch einige Unterlagen nachliefere. Dies habe die Ortsverwaltung getan, sagte Martin. Eine Ersatzanpflanzung sei mit der Stadt ebenfalls verabredet worden. „Das werde wir auch tun, obwohl sie mit Abschaffung der Satzung nicht mehr erforderlich wäre“, beteuerte er. Dass er die Baumfällung umgehend angeordnet hatte, begründete der Ortsvorsteher mit Zeitdruck. Die Baufirmen, die die Sportanlage umbauen, stünden bereit und wollten loslegen. Das Vorhaben sollte nicht in Verzug geraten.