Bevor Rupert Kubon am kommenden Freitag als Oberbürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen offiziell in den Ruhestand verabschiedet wird, gab es am Mittwochabend bereits eine Abschiedsfeier des Gemeinderats mit Kubon nach der letzten Ratssitzung des Jahres. Dabei wurde in den Reden weniger die Amtsperson als der Mensch Kubon in den Mittelpunkt gestellt.

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"Wahrlich nicht einfach, OB in VS zu sein", sagt Detlev Bührer

Mit einem vertrauten „Du“ anstatt des förmlichen „Sie“ richtete Bürgermeister Detlev Bührer seine Dankesworte an das scheidende Stadtoberhaupt. „Es ist wahrlich nicht einfach, in Villingen-Schwenningen Oberbürgermeister zu sein. Ich habe Dich nie beneidet.“ Die positiven Seiten der Stadt könnten mehr Beachtung finden. So manches Mal, so Bührer, sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass für alles, was bei Einzelnen schief gehe, zunächst einmal der OB verantwortlich sei. Hier brauche es eine starke Persönlichkeit und Rückhalt aus der Familie.

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"In Villingen-Schwenningen schneit es ja auch viel mehr." VS-Bürgermeister Detlev Bührer zur Frage, ob möglicherweise in Donaueschingen die Straßen besser gebahnt sein könnten als in Villingen-Schwenningen. Zahlreiche Empfangsgäste waren am Freitagabend aus dem Oberzentrum auf die Baar gefahren, und erlebten dabei unterschiedliche Straßenverhältnisse.
"In Villingen-Schwenningen schneit es ja auch viel mehr." VS-Bürgermeister Detlev Bührer zur Frage, ob möglicherweise in Donaueschingen die Straßen besser gebahnt sein könnten als in Villingen-Schwenningen. Zahlreiche Empfangsgäste waren am Freitagabend aus dem Oberzentrum auf die Baar gefahren, und erlebten dabei unterschiedliche Straßenverhältnisse.

Mit der Wahl 2002 habe die Stadt Villingen-Schwenningen einen Ehemann und Vater zweier Töchter, einen promovierten Historiker und Germanisten Schauspieler, gläubigen Katholiken und ein SPD-Mitglied gewählt.

Steigende Einwohnerzahl und Steuerkraft in Kubons Amtszeit

In einem Rückblick zeigte Bührer auf, wie sich die Stadt in den vergangenen 16 Jahren entwickelt habe. Die Einwohnerzahl stieg um 3700 Einwohner auf mehr als 81 000 Bürger, die Steuerkraft hat sich auf 136 Millionen Euro fast verdoppelt. „Insgesamt wurden im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt rund vier Milliarden Euro verausgabt."

Projekte von Landesgartenschau bis Zentralklinikum

Zu den größten Projekten zählte Detlev Bührer die Landesgartenschau 2010, Bau des Schwarzwald-Baar Klinikums, des Gerätehauses der FeuerwehrSchwenningen, der Neckarhalle und des Jugendkulturzentrums. Schulen wurden saniert und für die Ganztagesbetreuung umgebaut und erweitert. Der Schuldenstand wurde von einst 53 auf 26 Millionen Euro reduziert.

Stadtverwaltung dankt für die 16 Jahre mit Kubon

Detlev Bührer bedankte sich im Namen der Verwaltung für die vergangenen 16 Jahre. „Die Zusammenarbeit war geprägt von Offenheit, Menschlichkeit, Kritikfähigkeit und Wertschätzung. Du bist und warst ein OB, der auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern verkehrt hat, ansprechbar und nahbar war.“

795 Gemeinderatssitzungen geleitet

Als dienstältestes Mitglied des Gemeinderats bemühte Hans-Joachim von Mirbach zunächst ein wenig Statistik. 795 Sitzungen des Gemeinderats und seiner beschließenden Ausschüsse habe Kubon in den 16 Jahren geleitet. „Am Anfang war es schwierig, weil Du nicht nur die Sitzungen geleitet hast, sondern auch immer mitreden wolltest.“

Als dienstältester Stadtrat spricht Joachim von Mirbach dem scheidenden Oberbürgermeister Worte des Dankes aus und zählte einige Erfolge der Amtszeit auf.
Als dienstältester Stadtrat spricht Joachim von Mirbach dem scheidenden Oberbürgermeister Worte des Dankes aus und zählte einige Erfolge der Amtszeit auf. | Bild: Roland Sprich

"Ehrliche Haut, bescheiden, intellektuell und geschichtsbewusst"

Von Mirbach attestierte Kubon, dass er „eine ehrliche Haut“ sei, „bescheiden, intellektuell und geschichtsbewusst.“ Ihm sei es zu verdanken, dass die Stadtteile Villingen und Schwenningen weiter zusammengewachsen seien mit der Initiative, die vier Bistümer und Landeskirchen intensiver zusammenarbeiten zu lassen. „Und es war bestimmt kein Zufall, dass die erste Lange Tafel 2017 ebenfalls in deine Amtszeit fiel.“

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Doppelstadt braucht noch mehr Selbstbewusstein

Unter Kubons Amtszeit sei Villingen-Schwenningen, wie er im SÜDKURIER-Interview sagte, „erwachsener“ geworden. Jetzt fehle es noch an Selbstbewusstsein. „VS braucht noch ein paar Streicheleinheiten, bevor es sich seiner Kraft bewusst wird.“ Sein christliches Menschenbild und der Glaube haben ihm die Kraft gegeben, den schönen, aber zeitraubenden und anstrengen und oft auch frustrierenden Beruf des Oberbürgermeisters auszuüben.

Sichtliche Freude über Dankesworte und Geschenk

Nach seiner Amtszeit, die zum Jahresende endet, will sich Rupert Kubon anderen Dingen widmen. Als Geschenk überreichten ihm die Gemeinderäte einen Obolus für den Kauf eines Elektrofahrrads – allerdings samt Pannenset. „Falls das mit dem E-Bike doch nicht so funktioniert“, wie Detlev Bührer trocken bemerkte. Kubon selbst war sichtlich gerührt von den Dankesreden. „Jetzt bin ich doch ziemlich nah am Wasser gebaut“, sagte er und freute sich sichtlich über die Worte und das Geschenk.

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