Die großen Taubenpopulationen in den beiden Stadtbezirken Villingen und Schwenningen soll auf ein erträgliches Maß geschrumpft werden. Schwärme mit bis zu 200 Vögeln könnten der Vergangenheit angehören. Bereits im Sommer 2017 hatten die Freien Wähler einen Antrag gestellt. Jetzt sollen Maßnahmen in die Wege geleitet werden, am Mittwoch ist der Experte einer Fachfirma im Gemeinderat, um zu informieren.

Verwaltung bringt Netze an Bücherei an

Der stellvertretende Fraktionssprecher der Freien Wähler, Bertold Ummenhofer, freut sich, dass die Taubenproblematik auf der Tagesordnung steht. Vielleicht war jetzt der Leidensdruck bei der Stadtverwaltung selbst groß genug, mutmaßte er. Seit vergangenem Jahr sind bei der Schwenninger Stadtbibliothek Netze angebracht, um die Vögel zu vergrämen. Die Stadt sei selbst mit ihren Gebäuden betroffen, erklärte er, aber auch viele private Hausbesitzer in den beiden großen Stadtteilen. Bereits vor 1,5 Jahren wollte der inzwischen verstorbene Tierschützer Karl-Heinz Strittmatter im Alten Kaufhaus in der Rietstraße einen Taubenschlag einrichten, um dort die Eier gegen Gipseier zu tauschen und die Vermehrung zu stoppen. Das Projekt scheiterte damals, berichtete Ummenhofer, weil der Zugang zu dem Gebäude für die Helfer nicht möglich war, berichtete Ummenhofer.

2017 schon einmal ein Versuch

Jetzt soll ein neuer Anlauf unternommen werden, daher kommt der Geschäftsführer der bayrischen Fachfirma Astum in den Gemeinderat. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Umsiedlungen von Stadttauben. Einer der Vorschläge von Astum betrifft die Errichtung von Taubenschlägen und Aufnahmestationen. Dorthin müssen die Stadttauben, beispielsweise mithilfe spezieller Lockvögel, umgesiedelt werden. In den Anlagen kommt es zu einem Eiertausch, wird in der Vorlage berichtet. Möglicherweise könnten auch Greifvögel eingesetzt werden, die die Population weiter reduzieren. Die Umsiedlung soll artgerecht erfolgen.

Zunächst eine Analyse

Zunächst einmal soll die Firma Astum den Auftrag für die Beratung und Analyse erhalten. Dafür fallen höchstens Kosten von 10 000 Euro an. Astum wird auch Vorschläge für die Umsiedlung erarbeiten, die der Gemeinderat dann in einer zweiten Projektstufe genehmigen müsste. Dann wird definitiv Pflegepersonal notwendig sein. Sollte es soweit kommen, kann sich der Tierschutzverein vorstellen, bei der Suche von Mitarbeitern zu helfen, meinte die stellvertretende Vorsitzende, Theresia Lydia Schonhardt.

Tierschutzverein könnte helfen

Auch Thorsten Kuchenbecker, ehrenamtlicher Taubenwart des Vereins, hält den Vorschlag grundsätzlich für bedenkenswert. 2017 sei ein Taubenschlag im Alten Kaufhaus geplant gewesen, um die Vögel vom Romäusturm wegzulocken. Diese Entfernung sei genau richtig gewesen, damals scheiterte das Projekt auch an Denkmalschutzgründen. Dass es in Ballungsgebieten zu größeren Taubenschwärmen von um die 200 Vögel komme, sei durchaus normal.

Viel Ärger mit den Vögeln

Mit großen Taubenansammlungen hat Villingen-Schwenningen nun schon seit einiger Zeit zu kämpfen. Ganz massiv war es vor zwei Jahren in der Schwenninger Turnerstraße, als ein Muslim aus religiösen Gründen die Tiere fütterte und Dutzende von Tauben anzog. Die saßen aber auch auf den Gebäuden in unmittelbarer Nähe, sodass seine vermeintliche Tierliebe einen Aufstand der Nachbarn hervorrief. Das sorgte dann auch für eine Verschärfung der Polizeiverordnung, wonach das Füttern auf privatem Gelände untersagt war. Zuerst hielt sich der Mann nicht daran, der Ordnungsdienst musste mehrfach ausrücken, berichtete die Sprecherin der Stadt, Oxana Brunner. Das Bußgeld sei mehrere Male erhöht worden, seit etwa einem Jahr sei aber Ruhe.

Die Gemeinderatssitzung findet ab 16 Uhr am Mittwoch, 20. März, im Münsterzentrum statt.