Es ist ein Thema, das die Bürger erregt wie kaum ein anderes: Der schlechte Zustand der Straßen in der Doppelstadt. Auf Drängen der Freien Wähler hat die Stadtverwaltung dem Technischen Ausschuss jetzt eine umfangreiche Liste über den Zustand der Straßen und einen Zeitplan über die vorgesehene Sanierung vorgelegt. Bemerkenswert in der Vorlage ist die Aussage der Stadtverwaltung, dass der Verfall der doppelstädtischen Straßen dramatische Ausmaße angenommen habe – trotz der herausragenden Bedeutung für die Mobilität.

Dies sei auf oberflächige Erhaltungsmaßnahmen zurückzuführen, die ohne langfristige Strategie in der Vergangenheit durchgeführt worden sind. Künftig möchte die Stadt den Zustand der Straßen genau erfassen und hat dafür 120 000 Euro für den Haushalt 2019 angemeldet. Für 324 000 Euro sollen nächstes Jahr sieben Straßen kostengünstig saniert werden, in dem nur die oberste Asphaltschicht abgekratzt und erneuert wird. Dieses Vorgehen unterstützt der Technische Ausschuss einstimmig.

Gleich zu Beginn der Diskussion richtete Bürgermeister Detlev Bührer einen flammenden Appell an die Räte. "In den letzten 30 Jahren wurden die Straßen vernachlässigt." Es könne künftig nicht mehr sein, dass die Sanierung einer Straße, wie beispielsweise die Wieselsbergstraße, abgelehnt werde. "Wir können es uns nicht mehr leisten, alles kaputt gehen zu lassen und dann für Millionen sanieren zu müssen." Für den Antrag der Freien Wähler sei er darum "sehr dankbar". Ulf Millauer, der neue Leiter des Amtes für Straßen, Stadtgrün und Altlasten, machte den Stadträten klar, dass man künftig deutlich mehr Geld brauche, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Man wolle künftig auch verschiedene Methoden einsetzen, um die Straßen schneller und kostengünstiger sanieren zu können. Besonders viel erhofft sich Millauer davon, dünne Schichten im Kaltverfahren aufzubringen. Dies funktioniere bei Straßen, die kaum vom Schwerlastverkehr genutzt werden, ganz gut. "Wir schaffen es so, dass die Straßen für ungefähr zehn bis 15 Jahre weiter gut nutzbar sind." Wenn man das nicht macht, müsse die Stadt schneller mehr Geld ausgeben, um diese Straßen grundhaft zu erneuern. Millauer machte aber auch klar, dass man auch weiterhin auf die Notinstandsetzung, also das schnelle Reparieren von Schlaglöchern, nicht verzichten kann. "Viele Straßen lassen sich aber so gar nicht mehr reparieren." Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 471 Kilometer Straßennetz, das in 1082 benannte Straßen gegliedert ist.

Von den Fraktionen gab es viel Lob für diese Vorlage: "Wir freuen uns, dass unsere Anfrage so schnell, ausführlich und gut bearbeitet worden ist", erklärte Andreas Flöß, Fraktionssprecher der Freien Wähler. Mahnende Stimmen gab es, dass dieses Arbeitspensum bei Weitem nicht ausreichend sei und bei einer Lebensdauer der Straßen von rund 30 Jahren mindestens 15 bis 18 Kilometer Straße pro Jahr saniert werden müssten.