Die Stadt schafft in den nächsten Jahren 700 Kindergartenplätze. Das ist die gute Nachricht. Doch derzeit fehlen immer noch Plätze – ganz aktuell sind es 300 -, und das ist für viele Eltern frustrierend. Nun reagiert die Verwaltung und stellte ein einstimmig befürwortetes Programm im Jugendhilfeausschuss vor. Oberbürgermeister Rupert Kubon erklärte aber auch, weshalb es überhaupt zu dem Platzmangel kommen konnte. Die Stadt habe ein großes Bevölkerungswachstum von über 1000 Neu-Bürgern im Jahr, dabei handele es sich größtenteils um EU-Bürger und Deutsche, Flüchtlinge seien da nur ein Randaspekt, wie der Grünen-Politiker Joachim von Mirbach erläuterte. Zusätzlich kämen 120 Kinder pro Jahr. "Wir haben nicht gepennt", wehrte sich Kubon gegen kritische Stimmen, denn wäre dies der Fall, wäre der Platzmangel noch höher. Nun hat die Verwaltung viele Maßnahmen eingeleitet: Aufstellung von Containern, zum Beispiel im Wohngebiet Haslach, Neu- und Umbauten, woran sich eine Diskussion entzündete.

  • Kleine Stadtbezirke: Allein in Pfaffenweiler sei die Warteliste mit rund 40 Kindern hoch, erklärte Ulrike Hettich-Wittmann (CDU). Ähnliches berichtete Stadtrat Bernd Lohmiller (SPD) für Marbach. Die Not kennt OB Kubon, die Verwaltung versuche abzuarbeiten, wo es notwendig sei.
  • Die Container: SPD-Stadtrat Magnus Frey wollte wissen, ob die Container die richtige Reaktion seien und artikulierte damit die Sorge vieler Eltern. Er kenne Schulcontainer und die seien sehr laut. Es sei eine vorübergehende Lösung, antwortete der Leiter des Amtes für Jugend, Bildung, Integration und Sport, Stefan Assfalg. Dabei handele es sich um spezielle Container für Kindergärten.
  • Zweiter Kindergarten am Schwarzwald-Baar-Klinikum: Die Stadtverwaltung wäre Betreiberin, die Rebholz-Immobiliengruppe wolle das Gebäude auf dem Klinikums-Gelände errichten. Das brauche noch Zeit, sagte Assfalg, da die Verträge zwischen den drei Partnern komplex seien. Doch "wir kommen voran", aktuell sei die Stadt am Zuge, berichtete Assfalg.
  • Kindergarten auf dem Kasernengelände Mangin: Danach fragten Karl-Henning Lichte und Ulrike Heggen (Freie Wähler). Dies sei eine Betriebskindergartenstätte und hänge maßgeblich daran, ob das neue Verwaltungszentrum realisiert werde, betonte Assfalg. Ob der frühere Kindergarten für Angehörige der französischen Armee nicht kurzfristig geöffnet werden könne, wollte Heggen wissen. Das sei nicht möglich, entgegnete Assfalg, es müsste zunächst umgebaut werden. Deutsche und französische Kinder seien ja auch so unterschiedlich, merkte Kubon dazu sarkastisch an.
  • Schwenninger Kindergärten: An der Polizei-Hochschule sei dafür ein Anbau für insgesamt vier Gruppen geplant, an dem sich das Land aber nicht beteilige. Das Land stelle zwar Gelände und auch den früheren EDV-Raum zur Verfügung, sei aber nicht bereit, darüber hinaus Kosten zu übernehmen, erläuterte Assfalg. Das sei eine kommunale Angelegenheit, der Gemeinderat müsse daher im Oktober kurzfristig entscheiden, ob die Stadt die Investitionen übernimmt. Der marode Oberlin-Kindergarten, der eigentlich aufgegeben werden sollte, bleibe vorerst in Betrieb, hier werde sogar geprüft, ob eine Sanierung nicht doch noch möglich sei. Auch am Paulus-Kindergarten in der Neckarstadt bleiben drei Gruppen. Lichte forderte auch, in Neubaugebieten wie im Kleinen Eschle oder im Strangen über Neubauten nachzudenken. Dort seien vor Jahren eigentlich für Kindergärten vorgesehene Flächen verkauft worden, weil die Stadt Geld brauchte. Dagegen wehrte sich Kubon: Der Verkauf sei erfolgt, weil niemand mit solch einem hohen Bedarf an Kindergartenplätzen rechnete. Außerdem werden überall in der Stadt bisherige Schülerhort-Plätze frei, die für Kindergärten genutzt werden könnten.