Vor 50 Jahren waren die Winter noch anders: Es schneite im Dezember, über Weihnachten regnete es oft – und danach kam wieder der große Schnee. Im Schwarzwald war dann Skifahrer-Zeit, und man wusste, wann die Skisachen parat liegen sollten, heute ist das alles nicht mehr so sicher. Bis ins Frühjahr wechseln sich schneereiche Phasen mit Zeiten ab, wo kaum ein Fitzelchen Schnee liegt – eine Unwägbarkeit, die auch den Sportgeschäften zu schaffen macht. Davon gab es vor 50 Jahren landauf, landab noch viele. Einige mussten in den vergangenen Jahren aufgeben, doch dem Obereschacher Fachgeschäft von Klaus, Bettina und Cordula Weiß geht es gut, und das seit 50 Jahren in einem schönen, aber kleinen Dorf. „Wie machen Sie das nur?“, wird Klaus Weiß (74) nicht nur von Kunden, sondern auch von Vertretern oft gefragt. Der Erfolg liegt möglicherweise in der Vita des Senior-Chefs begründet: Denn Weiß ist ein überaus erfolgreicher Langläufer, zweifacher Sieger des Rucksacklaufs und 13-facher Seniorenweltmeister im Langlauf unter anderem. Von Anfang an lautete eines seiner Prinzipien: Die Ausrüstung, mit der ich gut Sport treibe, kann ich auch gut verkaufen – oder wie er es sagt: „Derjenige, der die Sportart aktiv betreibt, weiß, wo es lang geht.“

Ursprünglich aus Schönwald

1968 gründete er in damals noch provisorischen Räumen über der Schreinerwerkstatt des Vaters den „Sport-Weiß“. Die Familie kam ursprünglich aus Schönwald, hatte sich aber schon im 19. Jahrhundert in Obereschach als Landwirte niedergelassen. Das Gebäude im Kapellenweg war also anfangs ein Hof; mit der Landwirtschaft hörte der Vater erst 1978 auf. Klaus Weiß ist Schreiner sowie Holztechniker und arbeitete lange als Produktionsleiter in der Möbelfabrik Pfundstein in Mönchweiler, selbst als er bereits das Sportgeschäft gegründet hatte. Weiß startete mit dem Skiverkauf und Reparaturen – als Schreiner war das naheliegend, bestanden doch damals die langen Latten noch größtenteils aus Holz, und die Langlaufskier wurden mit Holzteer präpariert. 1978 kam der Radsport hinzu – kurz zuvor war Uli Rottler dazu gestoßen. Rottler, einer der ganz großen Radrennfahrer der Region, betreute den Radsport etwa zehn Jahre, bevor er in Villingen „Pedal“ aufbaute. Die beiden Spitzensportler passten zusammen und ergänzten auch die Strategie von Klaus Weiß, dass ein guter Sportler anderen Sportlern etwas verkaufen kann. Damals entschied sich Weiß gegen den Modetrend, das Surfen, „denn mit Wasser im flüssigen Zustand hatten wir gar nichts zu tun“.

Töchter mit im Geschäft

Mehrfach baute Sport-Weiß um und erweiterte. Der Heuboden verschwand und auch ungenutzte Lagerräume. Inzwischen nutzt das Weiß-Team einen großen, lichten Verkaufsraum. Seit Langem sind nun auch die Töchter, Bettina und Cordula, beide 45 Jahre alt, mit dabei. Zusammen mit dem Vater führen sie das Geschäft, beide sind ausgebildete Einzelhandelskauffrauen und beendeten ihr Studium mit dem Sportfachwirt. Natürlich sind es ausgezeichnete Sportlerinnen, von Kindesbeinen an tummelten sie sich auf Loipen und Pisten, maßen sich in Wettkämpfen und sind auch anderweitig aktiv, Cordula unter anderem beim Tennis und Mountainebiken, Bettina zum Beispiel in der Läuferszene. Sie organisieren Lauftreffs, Rad- und Langlaufgruppen. „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Cordula Weiß, vielleicht liege es daran, dass „wir eineiige Zwillinge sind.“ Hinzu kommt eine Eigenschaft, die auch den Vater auszeichnet: „Wir gehen mit großem Sportsgeist an die Sache heran.“

Weitere Sportler im Team

Vor 50 Jahren gab es auch kein Internet, das mit seinen unzähligen Portalen dem Einzelhandel vor Ort zu schaffen macht. Damit müssen die Fachgeschäfte heute kämpfen, auch Sport-Weiß. Das, was die Obereschacher von Anfang an auszeichnete, setzten sie jetzt noch konsequenter um. Alle Mitglieder des Teams sind aktive Sportler, die ihre Erfahrungen gerne weitergeben. „Das ist unser Mehrwert zum Internet“, betont Cordula Weiß. Dabei handelt es sich um: Frank Löffler, ein Landesmeister im Langlauf, Christian Löffler, ein Biathlet, Christoph Franki, ein Triathlet, und Sandra Schmid, eine Trail-Läuferin und aktuell erfolgreichste Sportlerin im Team, die mit einer Partnerin den Trans-Alp-Lauf in ihrer Altersklasse gewann.

Zweites Standbein

Natürlich hat auch die Digitalisierung Einzug gehalten. Fußscanner, Laufanalyse oder ein vollautomatisches Messgerät für die geeignete Skihärte bietet das Geschäft an. Inzwischen stellte sich die Familie auch darauf ein, dass immer weniger Freizeitsportler eine ganze Ausrüstung kaufen, sondern sie ausleihen. Klaus Weiß hat sich ein zweites Standbein aufgebaut, das mit seinem Lieblingssport, dem Langlauf, zu tun hat. Er ist seit 1978 Generalimporteur unter anderem von Peltonen, einem traditionsreichen Langlauf-Ski aus Finnland, den er vor vielen Jahrzehnten bei einem Trainingslager in Lappland kennenlernte. So gern Klaus Weiß und seine Töchter unterwegs sind, ihre Heimat ist doch der Schwarzwald. Wenn es in den tieferen Lagen schneit, loipt Klaus Weiß auf der Enzianweise bei Königsfeld eine Spur. Auch den Ursprüngen der Familie nähern sie sich wieder an: Sie haben seit einem Jahr das Skiservice- und Ausleihzentrum beim Schönwälder Dobel-Lift übernommen.

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