Schon lange ist sie ein großes Ärgernis für viele Bürger: die zunehmende Anzahl Tauben in der Innenstadt. Nach unzähligen Diskussionen im Gemeinderat über die auch als „Plage der Lüfte“ kritisierten Vogel-Ansammlungen hat man sich nun entschlossen, jetzt in einem ersten Schritt die Lage von einer Fachfirma analysieren zu lassen.

Gefundenes Fressen unter einem Mülleimer: Ein Taubenpärchen pickt im Pflaster der Fußgängerzone herum.
Gefundenes Fressen unter einem Mülleimer: Ein Taubenpärchen pickt im Pflaster der Fußgängerzone herum. | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Wir haben im bayrischen Raum schon viele Projekte erfolgreich durchgeführt“, sagt Frank Wilm, Geschäftsführer der Firma Artgerechte Stadttauben-Umsiedlungs-Methoden (Astum). Sie wird diese Analyse in den kommenden vier Wochen ausführen und darauf basierend eine Handlungsempfehlung für den Gemeinderat erarbeiten.

Das Riettor im Blick: Auf dem Dach ist einer der Lieblingstreffpunkte der Villinger Tauben.
Das Riettor im Blick: Auf dem Dach ist einer der Lieblingstreffpunkte der Villinger Tauben. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Wo sich die sogenannten Tauben-Hotspots in den Innenstadtbereichen von Villingen und Schwenningen befinden, ist indes schon weitgehend bekannt. Über die Tauben-Hotline gaben mehr als 50 Anrufer detaillierte Informationen über ihre Beobachtungen ab.

Ein häufiger Anblick in der Villinger Innenstadt: Auf einem der Hausdächer haben sich einige Tauben versammelt.
Ein häufiger Anblick in der Villinger Innenstadt: Auf einem der Hausdächer haben sich einige Tauben versammelt. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Grundsätzlich kann man diesem Problem nur Herr werden, indem man die Tauben umsiedelt und dabei gleichzeitig deren Vermehrung unterbindet. Dazu muss ein geeigneter Standort für eine entsprechende Taubenanlage gefunden werden.

Gips-Eier werden untergeschoben

In diesem Taubenschlag soll es den Tieren möglichst gut gehen: Sie sollen dort gerne verweilen und brüten. Der Vorteil: Die Ausflüge der Vögel in die Umgebung können dann gesteuert werden. Und ihre in der Anlage frisch gelegten Eier können gegen Gips-Eier ausgetauscht werden, womit die Vermehrung unterbunden wird.

In den Ringanlagen suchen sich Vögelgrüppchen frisches Futter.
In den Ringanlagen suchen sich Vögelgrüppchen frisches Futter. | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Tauben haben einen Brutzwang, der ist aber nach 17 Tagen befriedigt“, so Albert Wittke. Er beschäftigt sich schon seit 25 Jahren an der Universität Regensburg wissenschaftlich mit Tauben.

Speziell gezüchtete Locktauben

Dort züchten sie auch sogenannte Locktauben, von denen dann pro Anlage fünf bis sieben Vögel zum Einsatz kommen. „Das sind die Schäferhunde der Lüfte“, erklärt Wittke. Diese speziellen Tauben fliegen aus, dominieren die einheimischen Tauben und locken sie in die neue Taubenanlage.

Tauben-Fallen mit Videoüberwachung

Wo das nicht gleich gelingt, baut man dann noch videoüberwachte Tauben-Fallen auf, um auch die restlichen Vögel in die Anlage umzusiedeln. „So erwischen wir rund 90 Prozent der Taubenpopulation. Das brauchen wir aber auch, um am Ende wirklich erfolgreich sein zu können“, erklärt Frank Wilm.

Auch moderne Gebäude werden als Sitzplatz und Treffpunkt nicht verschmäht: Hier sitzen Tauben auf dem Volksbank-Gebäude.
Auch moderne Gebäude werden als Sitzplatz und Treffpunkt nicht verschmäht: Hier sitzen Tauben auf dem Volksbank-Gebäude. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Hat sich das System erst einmal eingespielt, geht auch innerhalb der kommenden vier bis fünf Jahre die Tauben-Population nachhaltig zurück. Vor allem aber siedeln sie dann an einem kontrollierten Platz, wo unter anderem auch ihr Kot und Dreck gesammelt und entsorgt werden kann.

Damit das alles funktionieren kann, wird die Stadt auch zwei Mitarbeiter schulen müssen. Diese sollen sich dann bei Bedarf um die Anlage kümmern und die Tauben in ihrem Verhalten beobachten können.

Da kommen sie herangeflattert: Tauben im Anflug auf die Villinger Innenstadt.
Da kommen sie herangeflattert: Tauben im Anflug auf die Villinger Innenstadt. | Bild: Hans-Juergen Goetz

„Der dickste Brocken sind dann nur noch die Wildfütterer“, so Wittke. „Die Menschen meinen es ja gut mit den Tieren – denen geht es aber besser, wenn wir sie kontrolliert in unserer Anlage füttern. Denn nur so behalten wir die Kontrolle und die Vögel bleiben gesund“, ergänzt auch Frank Wilm. Da müsse die Stadt Aufklärungsarbeit leisten, damit die Menschen das besser verstünden und vor allem einsähen.

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In der Region gibt es übrigens ein erstes derartiges Projekt in Markdorf am Bodensee. Radolfzell will ebenfalls im kommenden Jahr mit der Umsetzung beginnen.