VS-Villingen – Der Zirkus Charles Knie gastiert derzeit im Villinger Friedengrund. In täglich zwei Vorstellungen zeigen Dutzende Artisten und Dompteure ihre Darbietungen. Der SÜDKURIER hat hinter die Kulissen der rollenden Stadt geblickt und einen der Stars der Manege privat besucht.

Mit einem breiten Lachen öffnet Henry Hernandez die Tür zu seinem Wohnwagen und bittet herein. Wobei Wohnwagen nicht annähernd dem gerecht wird, was zwischen all den anderen Fahrzeugen des großen Fuhrparks steht. Henry Hernandez residiert in einem elf Meter langen Auflieger, der sich dazu auch noch verbreitern lässt.

Im Inneren ist auf 40 Quadratmetern alles da, was man von einem Zuhause erwartet. Wohnzimmer, Küche, Essecke, Bad, Schlafraum. „Das ist mein komfortables Heim auf Rädern“, sagt er. Hier verbringt er gemeinsam mit seiner Freundin Tatjana, die ebenfalls Zirkusartistin ist, die meiste Zeit des Jahres. Jede Woche in einer anderen Stadt. 47 sind es in diesem Jahr. So oft wechselt der Zirkus seinen Standort.

Der luxuriöse Wohnanhänger lässt erahnen, dass Henry Hernandez ein außergewöhnlicher Zirkusartist ist. In seiner südamerikanischen Heimat ist der Venezolaner einer der großen Stars auf seinem Gebiet. Henry ist Clown. In einer Nische seines Wohnzimmerschrankes stehen zahlreiche Preise, die er für seine Clownerien bereits in der ganzen Welt bekommen hat. In dieser Saison begeistert er zum ersten Mal im Zirkus Charles Knie die großen und kleinen Besucher als Clown Henry – Prinz of Clowns. Diesen Titel hat er sich nicht selbst gegeben. Diese Auszeichnung wurde ihm vom Publikum verliehen.

Die Haare mit reichlich Gel zu sechs spitzen Stacheln gestylt, die Augenbrauen schwarz gefärbt, das Gesicht rosa und weiß geschminkt und die Gesichtskonturen ornamentähnlich nachgezogen, so steht Clown Henry täglich zwei Mal in der Manege. Wie lange braucht es, bis aus ihm Henry der Clown wird? „15 Minuten“, braucht er nicht lange zu überlegen, während er unentwegt Grimassen zieht.

Wie motiviert man sich, Menschen zum Lachen zu bringen, wenn einem als Clown mal nicht zum Lachen ist? „Damit“, reagiert Freundin Tatjana schnell und zieht lachend einen Baseballschläger aus dem Schrank. Der Humor scheint abzufärben. Allerdings kennt Clown Henry das Problem der schlechten Laune nicht. „In der Manege streife ich alle Probleme ab. Wenn ich die Menschen, vom Großvater bis zum Enkel, zum Lachen bringen kann, ist das für mich wie Therapie.“

Mit dem Auf- und Abbau des 13 Meter hohen und im Durchmesser 38 Meter großen Zirkuszeltes, dem Chapiteau, hat Henry Hernandez nichts zu tun. So bleibt ihm an den vorstellungsfreien Tagen genügend Zeit, um sich mit seiner Freundin Tatjana die Städte anzusehen, in denen sie gerade gastieren.

Ganz so viel Freizeit hat Jochen Krenzola nicht. Der Tiertrainer hat einen kleinen Bauernhof, oder wie er es nennt, eine kleine Arche Noah. Laufenten, Ziegen, Minischweine, Hunde, Katzen, Tauben, sogar Gänse und zwei Füchse gehören zu seinem Tross. „Und alle Tiere treten in der Manege auf“, sagt der Tiertrainer. Krenzola trainiert seine Tiere im Übrigen nicht nach Art, sondern nach Begabung. Die Herausforderung sei dabei, Tiere gemeinsam in der Manege auftreten zu lassen, die im Grunde nicht zueinander passen. Also etwa Fuchs und Gans, Hund und Katze und so weiter. Dabei sei es gar nicht so schwierig, den Tieren die Kunststücke beizubringen, wie er verrät. „Vor allem die Schweine sind sehr gelehrige, weil soziale Tiere.“

Der Zirkus Charles Knie ist eine fahrende Stadt. 200 Fahrzeuge, Zugmaschinen, Anhänger, Arbeitsfahrzeuge und Campinganhänger transportieren Menschen, Tiere und Material von Auftrittsort zu Auftrittsort. Bei der Tourplanung achtet das Zirkusmanagement darauf, dass die Wegstrecken dabei nicht allzu weit sind. „Wir fahren meist nur um die 60 Kilometer“, erläutert Pressesprecher Patrick Adolph, der selbst seit 50 Jahren im Zirkusgeschäft ist. Der Auf- und Abbau erfolgt nach einem festgelegten Plan. Damit es pünktlich am nächsten Spielort heißt: Manege frei für die Artisten des Zirkus Charles Knie.