Der Kunstverein Villingen-Schwenningen kommt ins Rentenalter: Der Verein feiert in diesem Jahr sein 65-jähriges Bestehen – doch von Ermüdung oder Stagnation ist keine Spur.

Zum Jubiläum wurde jetzt eine Ausstellung konzipiert, die sich wesentlich von den bisherigen traditionellen Jahresausstellungen unterscheidet. Sie trägt den Titel „Dialoge“ – und das ist zugleich das Programm. Denn alle ausstellenden Kunstschaffenden haben sich persönlich einen künstlerischen Partner gewählt. Die ausgestellten Werke werden in der Präsentation in ihren vielfältigen Beziehungen präsentiert.

Seit Dienstag sind die Mitglieder im Villinger Franziskanermuseum eifrig am Aufbau ihrer Arbeiten. Skulpturales steht Malerei gegenüber, Naturformen begegnen Kunstformen, Zeichnung wird in dreidimensionalen Formen eingebettet. Die Ausstellung verspricht somit auch für das Publikum interessante Dialoge.

Langjährige Tradition

Der allererste Rundgang und das kleine Jubiläum sind aber auch Gründe genug, zurückzublicken. Seit der Gründung im Jahr 1953 – und bis 1985 – wurde die lose Künstlerverbindung als „Villinger Kunstverein“ bezeichnet. Dazu gehörten in den Anfangsjahren Künstler wie Richard Ackermann und Hermann Wiehl.

Präsenz zeigen, demonstrieren was man kann, zur Schau tragen was man hat: Dafür sind die Präsentationen der Künstlervereinigung – zuerst in der Villinger Jahnturnhalle, danach im benachbarten Theater am Ring und nun seit mehr als 25 Jahren in musealer Umgebung – bekannt und beim Publikum beliebt. Längst hat sich der seit 1985 als gemeinnützig anerkannte Verein etabliert und zählt aktuell 38 künstlerische Mitglieder, von denen mittlerweile gerade einmal vier aus Villingen-Schwenningen stammen.

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Anderes ist geblieben, so die ununterbrochene Kette der Jahresausstellungen im Herbst, um das künstlerische Schaffen zu zeigen und an den Käufer zu bringen. Kunst gehe eben auch nach Brot, wie es Bernhard Fabry und Helmut Kury im Katalogvorwort auf den Punkt bringen.

Mehr als sechs Jahrzehnte künstlerische Präsenz: Vieles hat sich dabei geändert, manches ist dazugekommen. Nach Zeiten wechselnder Ausstellungsorte hat sich seit mehr als zehn Jahren die Zusammenarbeit mit dem Franziskanermuseum zum wechselseitigen Vorteil entwickelt.

Immer wieder innovative Konzepte

Der Kunstverein selbst hat auch seine Ausstellungspalette erweitert zu besonderen Anlässen. Markante Beispiele: die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Zusammenarbeit mit einer heimischen Firma und das Stadtjubiläum 2017. Oft haben eingeladene Gäste die jährliche Schau im Herbst mit ihren Exponaten bereichert.

Bei der aktuellen Schau haben sich die Kunstvereinsmitglieder nun ein künstlerisches Gegenüber gesucht, gleich ob Vereinsmitglied oder extern. Mit ihm zusammen treten sie in Erscheinung und haben die Werke so gewählt, dass sie sich aufeinander beziehen – und beziehen lassen.

In Dialog treten können aber nicht nur die entsprechend gehängten Exponate der Künstlerpartnerschaften. Beim Ausstellungsbesuch und bei den sonntäglichen Künstlergesprächen können sich die „Dialoge“ verwirklichen in der persönlichen Begegnung der Kreativen mit den Besuchern.