Mit Bodendüngung, Zucchini-Pflänzchen, mit Aussaatzeiten und Feldbewirtschaftung hatte der gelernte Bankkaufmann Justin Bossert, 25 Jahre alt, eigentlich nie viel am Hut. Dann kauft er vor knapp zwei Jahren mit seiner Verlobten ein altes Bauernhaus auf den Bertholdshöfen und hat plötzlich ein 7000 Quadratmeter großes, brachliegendes Feld im Hinterhof.

Er überlegt, selbst ein wenig Gemüse, rote Beete, Zucchini, Kartoffeln anzupflanzen. Dann wäre aber immer noch viel Fläche übrig geblieben. Er überlegt noch mal und da kommt ihm die Idee, dass es doch sicher einige gebe, die auch gern ein wenig Gemüse, Obst, Kräuter anbauen würden, denen aber, in einer Stadtwohnung schlicht der Platz dafür fehlt. "Viele haben ja nur einen Balkon", sagt Bossert. Wenn überhaupt. Er selbst hat mehrere Jahre in der Brunnenstraße in Villingen gewohnt. Von einem Balkon konnte er da nur träumen.

Er macht sich im Internet schlau, ob schon jemand vor ihm die Idee hatte. Er findet ähnliche Konzepte, Meine Ernte in Bonn zum Beispiel. Der Unterschied: Dort sind die Gartenflächen, die gemietet werden können, bereits bepflanzt. Das Obst und Gemüse kann also nur geerntet werden. Justin Bossert war das zu wenig. "Da verliert das Ganze doch ein bisschen an Spaß", sagt er.

Viele Anfragen über soziale Netzwerke

Er beginnt zu planen. Wie groß der Garten sein soll – er entscheidet sich für eine Grundgröße von 50 Quadratmetern, so können 135 Felder auf der Fläche entstehen. Wie die Abtrennung der einzelnen Felder aussehen soll – er entscheidet sich dafür, alles zu umzäunen. Wie viel ein Feld kosten soll – er kalkuliert mit 99 Euro im Jahr. Über welchen Zeitraum die Pachtverträge laufen sollen – angelehnt an der Bewirtschaftungszeit sollen sie von April bis November gehen.

Als er die Idee das erste Mal über das soziale Netzwerk Facebook publik macht, erhält er innerhalb von zwei Stunden 40 Anfragen. 35 davon ließen sich gleich auf die Warteliste setzten. Inzwischen stehen 70 Leute darauf. Vom Rentner bis zum Student sei alles dabei gewesen, sagt Bossert. Die meisten Anfragen jedoch kamen von Familien mit Kindern. Darum überlegt er auch schon, wie eine mögliche Kooperation mit den Schulen aussehen kann, falls da Interesse bestünde. Denkbar wäre zum Beispiel, dass eine Firma ein Feld sponsort, dass Schüler oder Kindergarten-Kinder dann bewirtschaften können.

Genehmigung der Stadt notwendig

Von Ackerbau hat Bossert nicht wirklich viel Ahnung. Mit einem benachbarten Landwirt spricht er erst mal durch, wie ein Feld überhaupt bewirtschaftet werden kann. Aktuell ist das Land hinter dem Haus nämlich eine bewachsene Wiese. "Es gibt Zeiten, die man einhalten muss", sagt er. "Das war mir vorher gar nicht so bewusst." So muss das Feld zum Beispiel dieses Jahr noch umgepflügt werden, damit alles oben verrotten kann und dann dem Boden als Dünger dient.

Er braucht auch eine Genehmigung von der Stadt, er versucht es beim Grünflächenamt, die sind nicht zuständig, schließlich landet er beim Landwirtschaftsamt. Dort heißt es, das sei kein Problem.

Die Bewässerung wird über die Zysterne geregelt, die bereits auf dem Grundstück steht. 160 000 Liter können dort gespeichert werden, für den Normalverbrauch, sagt Bossert, müsste das reichen. Nur zur Not müsse man dann mit Frischwasser arbeiten. Die Leitungen müssen noch gelegt und schließlich die entstandenen Felder eingezäunt werden. Dafür rechnet er mit Kosten zwischen 10 000 Euro und 15 000 Euro.

Wenn es nach Bossert geht, sollen die Kleinfelder nicht nur Gemüse und Obst in Einklang bringen, sondern auch Menschen näher zusammen. "Ich stelle mir vor, dass dort dann auch ein Austausch stattfinden kann", sagt er. Er will einen großen Tisch oben platzieren. Einen kleinen Ort der Gemeinschaft schaffen. Pachten kann ein Feld jeder. Ob Hobby-Gärtner oder Anfänger. "Jeder kann und jeder darf", sagt Bossert.

Es gibt einige Regeln

Momentan sitzt er noch über den Pachtverträgen. Ein paar Regeln muss er aufsezten. Die wichtigste von allen: Die Felder sind nur für die Bewirtschaftung vorgesehen. Also zum Anbau von Obst, Gemüse, Kräutern oder Blumen. Eine Schrebergarten-Nutzung wird ausdrücklich untersagt. Auch Grillen wird dort nicht erlaubt sein. Ansonsten, sagt Bossert, sind die Regeln vor allem dazu da, "dass man den anderen nicht stört". Im Anbau, in der Pflege, in der Ernte, kann jeder machen, was er will. "Vorausgesetzt natürlich, es ist im legalen Rahmen."

In Absprache mit den Nachbarn soll es auch noch einen groben Zeitplan geben, der regelt, zu welchen Uhrzeiten die Felder betreten werden dürfen.

Noch in diesem Monat sollen die ersten Pachtverträge dann an die Interessenten rausgehen. Bossert selbst hat sich mit seinem Bruder auch 100 Quadratmeter Garten gesichert. Läuft alles nach Plan, können sie im April nächsten Jahres die erste Karrotte, den ersten Erdbeerstrauch und den ersten Basilikum anpflanzen. Sie und 133 andere.