Am Tor des Mangin-Geländes können Fußgänger es schon hören: Hundegebell. Was ist da Dienstagabends los auf dem verlassenen Areal? Die Antwort: Es wird hart trainiert. Die Rettungshundestaffel des Deutschen Rotes Kreuzes in Villingen-Schwenningen bereitet hier Tier und Mensch auf den Ernstfall vor. Doch wie bringen die Trainer einen Hund dazu, einen verletzten Menschen zu finden?

"Wir bringen den Hunden bei, dass Menschen toll sind", erklärt Staffelleiterin Carmen Konrad. Für die Hunde ist es ein Versteckspiel. Wenn sie erfolgreich sind, wartet am Ende eine Belohnung auf sie. Mit dem Training soll den Tieren das verdeutlicht werden.

Ausbildung zum Rettungshund dauert zwei Jahre

Den Anfang an diesem Abend macht die fünf Monate alte Hündin Frieda. "Sie ist eine unserer Auszubildenden und ist jetzt das fünfte Mal beim Training dabei", erklärt Konrad. Die Ausbildung zum Rettungshund dauere in der Regel zwei Jahre. Gemeinsam mit dem Hundeführer muss am Ende eine Prüfung abgeschlossen werden, die nach zwei weiteren Jahren wieder aufgefrischt wird. "Der Hund muss für die Ausbildung kaum Voraussetzungen mitbringen", erklärt Ausbildungsleiterin Ines Laufer. Wichtig sei es, dass der Hund Spaß an der Arbeit habe und gut motivierbar ist. "Kleine Hunde werden es bei unseren Einsätzen im Schwarzwald allerdings schwierig haben. Die kommen in den Wäldern nicht so gut voran", ergänzt Carmen Konrad.

Größe, Spaß und Motivation bringt Azubine Frieda auf jeden Fall mit: Ungeduldig wartet sie darauf, dass das Versteckspiel mit den DRK-Hundeführern endlich anfängt. "Wir beginnen erst mit kleinen Abständen und vergrößern diese dann Schrittweise", sagt die Staffelleiterin. Für Frieda ist es anfangs kein Problem, den versteckten Hundeführer zu finden. Erst beim dritten Mal braucht sie einen Moment, bis sie die Fährte aufgenommen hat. Was die Hündin laut Ines Laufer noch lernen muss, ist das "Anzeigen".

"Es gibt drei verschiedene Arten, wie ein Rettungshund anzeigt, dass er etwas gefunden hat. Wir unterscheiden zwischen dem Verbeller, dem Freiverweiser und dem Bringsel", erklärt die Ausbildungsleiterin. Bei einem Verbeller bleibt der Vierbeiner bei seinem Fund und macht durch lautes Bellen auf sich aufmerksam. Der Freiverweiser rennt stattdessen zu seinem Hundeführer zurück und macht dort den Menschen darauf aufmerksam, dass seine Suche erfolgreich war. Bei dem Bringsel handelt es sich um eine Kordel, die der Hund in die Schnauze nimmt, sobald er etwas gefunden hat.

Video: Kipar, Sandro

Zu den erfahrenen Rettungshunden gehört Crazy. Sie steht mittlerweile vor ihrer dritten Prüfung und gehört zu den Verbellern. "Eine Prüfung hat einen Theorieteil für den Hundeführer, einen Gehorsamkeitstest und eine groß angelegte Suche. Dabei müssen auf einem weitläufigen Gebiet zwei Menschen gefunden werden", erklärt Carmen Konrad. Insgesamt seien sechs Hunde der Staffel geprüft und einsatzbereit. Auch die Hundeführer brauchen für den Einsatz bei der Staffel eine Ausbildung: "Die ehrenamtlichen Mitarbeiter machen eine Ausbildung zum Sanitätshelfer und lernen den Umgang mit GPS-Systemen und Karten", erklärt die Staffelleiterin. Hinzu kommt zwei Mal pro Woche das Training, was jeweils zwei bis vier Stunden dauern kann und an wechselnden Orten stattfindet.

Video: Kipar, Sandro

Doch die DRK-Mitarbeiter genießen diese Arbeit mit ihren Tieren. "Es gibt dem Mensch die Möglichkeit, eine feste Bindung zum Hund aufzubauen. Für die ist es außerdem toll, gebraucht zu werden", sagt Ines Laufer. Sie erinnert sich an einen Weihnachtstag, als sie abends in der Küche stand und plötzlich alarmiert wurde: Ein Mann sei im Landkreis Rottweil beobachtet worden, der im Schlafanzug durch den Schnee in den Wald gegangen sei und nicht wieder zurückkam. "Ich habe mir den Hund geschnappt, der Familie Bescheid gesagt und bin dann sofort ins Auto gestiegen", erinnert sich Laufer. Der Ablauf bei solchen Einsätzen ist immer ähnlich: Mit der Einsatzleitung wird ein Treffpunkt ausgemacht, die Hundestaffel auf verschiedene Abschnitte zur Suche eingeteilt. "Wir werden auch immer von anderen Staffeln, etwa aus Donaueschingen, begleitet", sagt die Ausbildungsleiterin. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich dabei weit über den Baar-Kreis hinaus.

Der Mann im Schlafanzug konnte nicht mehr lebend gefunden werden. Der Schnee sei zu tief gewesen, Mensch und Hund kamen nur mühsam voran. "In so einem Moment fragt man sich dann natürlich: Warum mache ich das überhaupt", sagt Ines Laufer. Es gebe aber auch erfüllende Einsätze: "Bei einer Suche hat mich mein Hund durch sehr unwegsames Gelände geführt. Ich dachte zuerst: Hier kann der Vermisste nie lang gelaufen sein", erinnert sich Laufer. Doch letztlich sollte die Hündin recht behalten. "Als Hundeführer muss ich auch lernen, meinem Hund zu vertrauen", sagt die Ausbilderin.

Was der Autor als Teilnehmer beim Training erlebt hat, erfahren Sie hier.

Die Rettungshundestaffel des DRK in Villingen auf dem Mangin-Gelände. Von links: Carmen Konrad, Sandra Zaininger, Laura Weber, Sophia Rottler, Anja Cudina, Ines Laufer und Damaris Schabel.
Die Rettungshundestaffel des DRK in Villingen auf dem Mangin-Gelände. Von links: Carmen Konrad, Sandra Zaininger, Laura Weber, Sophia Rottler, Anja Cudina, Ines Laufer und Damaris Schabel. | Bild: Kipar, Sandro